Contents : Bismarck und das päpstliche Rom.

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zwischen  „Kirche  und  Staat‘‘  wenigstens  in  seinen  Grundzügen
in  der  Reichsverfassung  festgelegt  und  nicht  den  einzelnen
Staaten  überlassen  werde.  Am  zweckmäßigsten  und  einfachsten
wäre  es,  wenn  die  bezüglichen  Bestimmungen  der  preußischen
Verfassung  in  die  Reichsverfassung  übernommen  würden.  Damit
  werde  zugleich  der  Friede  zwischen  „Kirche  und  Staat“
und  der  Religionsfriede  überhaupt  am  besten  gesichert.  Es
stehe  sonst  zu  befürchten,  daß  ‚gewisse  Zeitrichtungen‘  sich
der  Staatsgewalt  zu  bemächtigen  suchen  würden,  um  ‚‚religiöse
Propaganda‘‘  zu  machen.

Bismarck  hat  dies  Schreiben  des  Mainzer  Bischofs  auf  dem
Stuhle  des  heiligen  Bonifatius  unbeantwortet  gelassen.  Wohl,
weil  die  Verfassung  des  Norddeutschen  Bundes,  welche  die
kirchlichen  Verhältnisse  unberührt  ließ,  der  Reichsverfassung
zugrunde  gelegt  werden  sollte.  Er  dürfte  indes  seinerseits  bezweifelt
  haben,  ob  die  Satzungen  der  preußischen  Verfassung
sich  im  Interesse  des  Staates  und  des  kirchlichen  Friedensstandes
durch  die  Erfahrung  so  bewährt  hatten,  wie  es  der  römische
Kirchenfürst  von  seinem  Standpunkte  aus  versicherte.  Hatte
etwa  die  Rom  so  weit  entgegenkommende  preußische  Verfassung
  verhindert,  daß  eine  „katholische  Fraktion‘‘  im  preußischen
  Abgeordnetenhause  ihren  Einzug  gehalten  hatte,  welche
nicht  müde  geworden  war,  ihm  bei  der  Anbahnung  des  Deutschen
Reiches  Steine  in  den  Weg  zu  legen?  War  sie  nicht  soeben  erst
wieder,  unter  den  Auspizien  v.  Kettelers  selbst,  bei  den  Neuwahlen
  zum  preußischen  Abgeordnetenhause,  neu  erstanden?
Und  dies  zwar,  um  für  die  päpstliche  Unfehlbarkeit  oder  kirchliche
  Diktatur  und  die  weltliche  Souveränität  des  Papstes,  den
römischen  Kirchenstaat,  in  die  Schranken  zu  treten?  Oder  etwa,
um  den  Friedensstand  zwischen  Staat  und  ‚Kirche‘  im  Deutschen
  Reiche  zu  wahren?  Wenn  Seine  bischöfliche  Gnaden
befürchtete,  daß  ‚‚gewisse  Zeitrichtungen‘‘  sich  der  Staatsgewalt
bemächtigen  könnten,  um  ‚‚religiöse  Propaganda‘‘  zu  machen,
was  in  aller  Welt  trieb  er  selbst  anderes,  wenn  er  zur  ungestörten
denkbar  autoritativsten  Betreibung  seiner  religiösen  Propaganda
zugleich  den  Schutz  der  Staatsgewalt  in  Anspruch  nahm  und
seine  gläubige  Schar  zu  einer  politischen  Fraktion  zusammenballte?
  Echt  jesuitisch  war  zumal,  daß  der  römische  Kirchenfürst,
der  durch  seinen  bischöflichen  Eid  verpflichtet  ist,  die  Ketzerei
auszurotten  und  über  nichts  ängstlicher  zu  wachen  pflegt,  als