Servitut. Mangelndes Interesse. 309
ischen Widerspruch den Beweis auf, daß den klägerischen
Mühlwerken durch die in der Klage bezeichnete
Wehrerhöhung kein Schade zugehe.
Zur Begründung ist Folgendes angeführt:
Die Anmerkungen zum bayer. LR. Th. II
Kap. VII F. 1 lit. c besagen zwar: „Dienstbarkeit
derivirt sich zwar vom dienen und dieses heißt
so viel als Nutzen oder Vortheil schaffen, ohne diese
kann also keine wahre Dienstbarkeit bestehen;“
allein es ist auch sogleich beigesetzt: „wenigstens
muß der Nutzen in spe et potentia, wenn nicht
in re vel actu vorhanden sein.“ Es ist ein falscher
Schluß, wenn daraus, daß die dermalige Wehrerhöhung
den Mühlwerken des Klägers keinen Nachtheil
bringe, gefolgert werden will, daß das Servitutsrecht
des Klägers in gar keinem anderen Falle,
zu keiner Zeit und unter keinen Verhältnissen von
Nutzen sein könne. Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen,
daß dieses Verbietungsrecht dem Kläger
Vortheil bringe und es ist somit der Einwand gegen
den Rechtsbestand der erwähnten Servitut unbegründet.
Eine andere Frage aber bildet, ob zur Geltendmachung
dieses Servitutenrechtes durch den dermaligen
Zustand des fraglichen Wehres ein rechtlicher
Grund vorliegt. — Der Gebrauch eines
Rechtes ist keineswegs ein unter allen Umständen
freier und unbeschränkter. Die Gesetze setzen selbst
der Ausübung des ausgedehntesten Rechtes, der
Freiheit des Eigenthumes, Schranken aus Rücksichten
der allgemeinen Wohlfahrt und der Billigkeit
gegen Andere. „Die Pflicht gegen Andere,“ führt
B. Kreittmayr in den Anm. z. b. LR. Th. 11
Kap. VI F. 6 Nr. 5 lit. c an „bringt mit sich,
daß man sich des Seinigen nicht ex pura aemulatione
et invidia erga alios d. i. Anderen zum
Trotz oder aus Neid boshafterweise gebrauche; denn