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verhandeln, welche sich unter Ihren Befehlen so tapfer geschlagen hat. Meinerseits habe ich den General
v. Moltke hierzu bestimmt“.
Als Graf Reille verabschiedet war, umarmten sich König und Kronprinz, und alsbald stattete der Siegesfürst
allen, die mitgewirkt hatten, mit herzlichen Worten seinen Dank ab. Brausendes Hurra erschallte von
den in der Nähe stehenden Truppen; drüben in den Biwaks beschloß die Musik mit dem Choral: „Nun danket
Alle Gott“ den weltgeschichtlichen Tag. König Wilhelm kehrte nach Vendresse zurück unter den Freudengesängen
der die Straße füllenden Kolonnen; in den Dörfern hatten die Soldaten schnell die Fenster erleuchtet und
bildeten Reihe mit Lichtern in der Hand.
Alsbald verbot ein Armeebefehl Angriffsbewegungen während der Nacht, doch jeder Versuch, durchzubrechen,
sei mit bewaffneter Hand zurückzuweisen. Noch war das Endergebnis ungewiß, denn der Kaiser hatte sich nur
als Person ergeben, für die Armee mußte der Befehlshaber verhandeln. In Sedan gab es häßliche Szenen.
Wimpffen schrieb Napoleon, er lege den Ober- (¾ir
befehl nieder, die Generale erklärten ihm, er — „ % .
möchte nur sein am Morgen beanspruchtes Kom- 6 6 -' "“*· *
mando behalten. Die Beschuldd.
gungen, mit deuen er die Korps- ·
führer überschüttete, wurden ihm
reichlich wiedergegeben. Erstspät –—
am Abend ging Wimpffen nach iWlbr «
Donchery. In einem niedri. J
gen Erdgeschoßzimmer faßen
an einem rotgedeckten Tisch
Moltke zwischen Bismarck und
Blumenthal, ihnen gegenüber
Wimpffen allein, hinter ihm 7
im Schatten andere französische Offiziere;
auf den Kaminsims gestützt stenographierte
der Rittmeister Graf Nostitz
die Reden. Deutscherseits war man
entschlossen, die Kriegsgefangenschaft der französischen Armee zu fordern. Noch jetzt setzte sich Wimpffen aufs hohe
Pferd und verlangte die Entlassung der französischen Armee in die Heimat oder nach Algier gegen das Versprechen,
in diesem Kriege nicht mehr gegen Deutschland zu dienen. Moltke und Bismarck, die wohl wußten, dem Dünkel
der Franzosen gegenüber sei jede Großmut eine Thorheit, hielten dem geschlagenen Oberfeldherrn seine und seiner
Armee Lage deutlich vor Augen und erklärten offen, bei der Ungewißheit, ob die gegenwärtige Regierung noch
lange bestehen werde, bedürften sie besserer Bürgschaften für Deutschlands Frieden. Als Wimpffen bei seiner Weigerung
beharrte, erwiderte ihm Moltke kurz und bestimmt, um 4 Uhr werde das Bombardement der Stadt beginnen;
erst auf Bismarcks Zureden gab er bis 9 Uhr Frist.
Napoleon hoffte durch perfönliche Zwischenkunft von König Wilhelm die Milderung zu erbitten, daß der
geschlagenen Armee der Übertritt nach Belgien gestattet würde, wo sie entwaffnet und interniert werden sollte; er
wollte wohl auch baldmöglichst dem für ihn so peinlichen und selbst gefährlichen Aufenthalt in Sedan entgehen.
Schon um 5 Uhr früh fuhr er in Begleitung von sechs Offizieren nach Donchery hinaus. Bismarck, zu dem Eraf
Reille vorausgeeilt war, sprang rasch vom Lager und ritt in Felduniform und Mütze eiligst entgegen. Der Kaiser,
im grauen Paletot mit roten Aufschlägen, ließ gleich halten. Bismarck stieg ab und trat mit militärischem Gruß
heran, doch als Napoleon sein goldgesticktes Käppi abnahm, entblößte auch er ehrerbietig das Haupt. Napoleon begehrte
–
flucht der Franzosen über die Festungsbräcke.