Volltext : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Die  Preisaufgaben  (Porr  -Leimsiz).  405

bei  der  Akademie  aus.  Die  zwei  ersteren  sind  geschworene  Leibnizianer,
  Merıax  kanı  allein  nichts  machen'«.  Etwas  weniger  zuversichtlich
  schrieb  er  vier  Wochen  vor  der  Preisvertheilung:  »Ich
will  Ihnen  uoch  keine  gewisse  Hoffnung  machen:  aber  es  ist  wahırseheinlich,
  dass  Sie  den  Preis  bekommen  werden,  und  zwar  von  Rechtswegen.
  Ich  bin  nur  noch  über  einen  Punkt  mit  dem  Dr.  Heısıvs  nicht.
eins  u.  Ss.  w.°«.,

Allein  es  kam  anders.  Die  Akademie  krönte  unter  den  eingelaufenen
  Arbeiten?  die  französisch  geschriebene  Dissertation  eines
Herrn  A.  F.  Reısuarp,  Strelitzschen  Justiz-Seeretars,  welche  den  Optimismus
  auf's  Heftigste,  aber  in  wenig  wissenschaftlicher  Weise  angriff
  und  Leissizens  Philosophie  mit  ganz  unzureichenden  Mitteln  zu
widerlegen  versuchte.  Wie  es  zu  diesem  Urtlieil  gekonımen  ist,  hat
SULZER  in  Briefen  an  die  Schweizer  Freunde  verrathen:  »die  Stimmen
waren  bei  der  Abstimmung  zwischen  Vernunft  und  Unrernunft  getheilt«,
  bis  Forney  aus  Rücksicht  auf  Mavrertuis  seine  Meinung  änderte
und  für  Reınuarn  entschied’.  Die  Schweizer  waren  auf's  Höchste  erbittert.
  »Merıay  und  Preuoxtvau  rasen  wirklich  und  Forsexv  ist  ein
höchst  geiziger  und  niederträchtiger  Mann;  die  zween  ersten  leugnen
das  Prineipium  rationis  suffieientis  in  öffentlicher  Schrift,  und  Forner
redet  und  schreibt  um  das  Geld.  Was  hat  man  also  von  solchen
Männern  anders  zu  erwarten,  als  dass  sie  die  Rechte  der  Menschlichkeit
  auf  den  Kopf  stellen.«  Es  half  der  Akademie  nichts,  dass  sie
neben  REixuarp  s  Arbeit  dreien  anderen,  darunter  auch  der  von  Küxzruı,
das  Accessit  ertheilte  und  die  vier  Abhandlungen  zusamınen  noch  im
Herbst  des  Jahres  1755  im  Druck  ausgehen  liess.  Sie  versuchte
damit  ilıre  Unparteilichkeit  zu  erweisen,  und  diese  Absicht  hätte  Anerkennung
  finden  ınüssen,  wäre  nur  nicht  die  Schrift  Reinhuarn  s  so
unbedeutend  und  rabulistisch  gewesen!  So  blieb  der  Makel  auf  ihr
sitzen,  dass  sie  sich  von  Maupertuis  beherrschen  lasse,  der  die  deutsch
geschriebene  Abhandlung  Kixzuis  nicht  einmal  lesen  konnte  und
überhaupt  für  eine  ruliige  wissenschaftliche  Diseussion  nicht  mehr
zugänglich  war.

!  Brief  vom  22.  September  1754  bei  Ilırzer  S.  ııo0.

®  Brief  vom  3.  Mai  1755  bei  lIırzer  S.  ırı.

®  Es  waren  mindestens  acht.

*  Siehe  Hırzer  S.  ııgfl.  Maturertvis  selbst  enthielt  sich  der  Abstinmung.
Anders  stellt  Prexoxrvar,  Vues  philosoph.11  p.  69  ff..  den  Verlauf  dar.  Er  behauptet:
»Rien  n’a  &te  plus  rond  et  plus  degage  d’intrigue  et  de  tracasseries  que  l’affaire  du
Prix  de  1755«.