Metadata : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

lischen  Okkupation  in  Ägypten  Schwierigkeiten  machen  zu  helfen,
vergalt*).

Am  letzten  Ende  kam  es  immer  darauf  an,  die  eigene  Kraft
des  Reiches  so  sehr  als  möglich  zu  stärken.  Mit  der  Vorbereitung
einer  neuen,  vom  Kriegsminister  von  Verdy  und  dem  Nachsolger
Moltkes,  dem  Grafen  Waldersee,  ausgearbeiteten  Wehrvorlage
schloß  seine  Minister=  und  Kanzlerzeit  ab.  Sie  endete,  wie  sie  achtundzwanzig
  Jahre  vorher  begonnen  hatte:  mit  dem  Schmieden
militärischer  Wassen  zu  Schutz  und  Trutz  als  Rückhalt  für  die  Führung
  der  auswärtigen  Politik.

Das  ist  in  groben  Umrissen  das  Bild,  das  die  Taten  des  großen
Realisten  uns  liesern.  Wir  sehen  ihn  groß  in  der  Konzeption
seiner  Ziele,  ebenso  groß  im  Wechsel  der  geeigneten  Mittel  und
Wege.  In  der  ersten  Hälste  seines  politischen  Lebens  tritt  mehr
die  Kühnheit  der  Gedanken  und  Entschlüsse,  in  der  zweiten  mehr
das  kluge  Maßhalten  und  die  stets  wache  Umsicht  hervor.  Mag
sein,  daß  die  Zeichnung  banal  ist  und  keinen  neuen  Zug  enthält.
Das  Einsache  sieht  immer  banal  aus,  und  das  Ganze  im  Wirken
gottbegnadeter  Persönlichkeiten  ist  nicht  immer  bekannt,  auch  wenn
es  alle  Einzelheiten  sind.  Wie  mir  scheint,  hat  erst  beim  Herannahen
  und  während  des  Weltkriegs  die  historische  Forschung  mit
gesteigertem  Hang  zu  „Problemstellungen“  und  „Zielsetzungen"  die

*)  Noch  im  Oktober  1889,  ein  halbes  Jahr  vor  dem  Rücktritt  und
dreiviertel  Jahr  vor  dem  Ablauf  des  Rückversicherungsvertrags,  machte
Bismarck  zu  der  damals  schwebenden  Frage  der  Annexion  von  Witu  den
Randvermerk  auf  ein  Aktenstück  des  Auswärtigen  Amts,  man  müsse  erst
prüfen,  ob  England  nicht  ältere  Rechte  dort  hätte,  das  Verbleiben  Lord
Salisburys  auf  seinem  Posten  sei  ihm  wichtiger  als  ganz  Witu.  Als  sich
Caprivi  im  Februar  1891  hierauf  gegen  den  Vorwurf  berief,  Fürst  Bismarck
  würde  nicht  auf  Witu  verzichtet  haben,  suchten  die  „Hamburger
Nachrichten“  das  Zitat  mit  der  Bemerkung  abzuschwächen,  das  Marginal
  in  den  vertraulichen  Akten  hätte  nur  den  Zweck  haben  können,  die
arbeitenden  Kräfte  in  Berlin  zu  orientieren,  nicht  aber  ein  politisches
Programm  für  die  Zukunft  aufzustellen.  Gleichwohl  läßt  doch  gerade  der
vertrauliche  Charakter  der  Friedrichsruher  Direktive  für  den  inneren
Dienst  darauf  schließen,  daß  in  ihr  eine  natürlich  nur  für  die  damalige
Zeit  geltende  esoterische  Ansicht  Bismarcks  ausgesprochen  war.

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