Contents : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

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Schriftstücke  vorgelegt  wurden,  mit  dem  Anheimstellen,  dieselben  in  einer  Sammlung,
  sagen  wir  in  einem  diplomatischen  Weißbuch,  zu  publiziren,  die  ihm  genehmen
  Schriftstücke  oben  rechts  mit  einem  „g“  zu  versehen,  oft  auch  mit
dem  ausgeschriebenen  „gut“,  die  perhorrescirten  Piecen  erhielten  ein  russisches
Zeichen,  welches  auf  russisch  weglassen  respektive  ausscheiden  bedeutet.  Mitunter
kamen  aber  die  Piecen  mit  ganzen  russischen  Wörtern  zurück.  So  erhielt  einmal
ein  Geheimrat  ein  von  ihm  ausgearbeitetes  Schriftstück  aus  dem  Kabinet  des
Kanzlers  mit  einem  russischen  Marginalvermerk  Bismarcks  zurück,  der  die  besondere
  Neugierde  des  Geheimrats  erweckte.  Nachdem  er  von  Pontius  zu  Pilatus
gelaufen  war,  um  jemand  zu  finden,  der  Russisch  verstand,  fand  er  endlich  seinen
Mann.  „Was  sagt  hier  der  Kanzler?“  fragte  der  Geheimrat  voll  Ungeduld  denselben.
  Antwort:  „Verteufelte  Handschrift.“  Tableau!

Nach  der  Geschäftsordnung  des  Bundesrats  werden  die  Protokolle  des
Bundesrats  von  dem  Vorsitzenden  und  dem  Protokollführer  unterzeichnet.  Als
nach  der  Sitzung  vom  8.  Juni  1880  Bismarck  das  Protokoll  vorgelegt  wurde,
worauf  sein  Name  dicht  neben  dem  des  Protokollführers  Aschenborn  stand,
machte  der  Kanzler  darüber  dem  Staatsminister  Hofmann  einen  Vorhalt,  das
sei  doch  nicht  in  der  Ordnung  und  sehe  ja  geradezu  aus,  als  ob  Aschenborn
der  Vizekanzler  sei.  Seit  dieser  Zeit  steht  der  Name  des  Protokollführers  in
tiefem  Abstand  unter  dem  des  jeweiligen  Vorsitzendes  des  Bundesrats.

Fürst  Bismarck  hatte  sich  einmal  zu  einer  Sitzung  des  Bundesrats  angemeldet,
  deren  Beginn  auf  die  elfte  Morgenstunde  festgesetzt  worden  war.  Es
wurde  halb  zwölf  —  der  Kanzler  war  noch  immer  nicht  zur  Stelle,  und
ungeduldig  erwarteten  die  Bevollmächtigten  zum  Bundesrat  das  Erscheinen  ihres
Vorsitzenden.  Als  derselbe  immer  nicht  erscheinen  wollte,  schickte  der  Staatsminister
  v.  Hofmann  einen  Kanzleidiener  nach  dem  Reichskanzler-Palais,  da
Bismarck  die  Sitzungsstunde  immerhin  vergessen  haben  konnte.  Endlich  erschien
der  Gewaltige,  sich  ob  des  verspäteten  Erscheinens  bei  den  Herren  verbindlich
entschuldigend.  Und  zu  dem  Minister  Hofmann,  welcher  ihn  zu  dem  Präsidialsessel
  geleitete,  bemerkte  Bismarck,  er  habe  eine  schlechte  Nacht  gehabt,  erst  in
der  Morgenstunde  einschlafen  können  und  sich  darum  nur  ungern  vom  Bett  erhoben.
  „Es  ist  bestimmt  in  Gottes  Rat,  daß  man  vom  Liebsten,  was  man
hat,  muß  scheiden."“

Unterstaatssekretär  im  Ministerium  für  Elsaß-Lothringen,
Studt
(ek.  S.  256).

Direktor  des  Militär-Oekonomie-Departements  im  Kriegsministerium,
  Generalmajor  Kühne

war  aus  dem  Generalstab  hervorgegangen  und  hatte  den  Ruf  eines  sehr  gründ-