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Brief des Attach6s in Tokio, Baron Rönne, an den
Sekretär derAbteilung für den fernenÖsten im ehemaligen
Ministerium des Auswärtigen Awtonomow.
Tokio, den 19. Juni 1917.
Lieber Alexander Alexandrowitsch!
Mit jeder Kurierpost erwarte ich, daß Sie mir Ihr Maß für den Schuhmacher
schicken, aber immer vergeblich. Dafür ist das letztemal ein Scheck
auf 400 Yen eingetroffen, und ich beeile mich, Ihnen nochmals für alle Mithen
und Unruhen zu danken, die Sie wahrscheinlich im Zusammenhang mit dieser
Angelegenheit gehabt haben. Aber. wie Sie aus den heifolgenden 500 Rubeln
erschen, haben Ihre Bemühungen in mir eine wnersättliche Begierde hervorgerufen,
und ich wende mich wieder an Ihre Liebenswürdigkeit und Vermittlung,
um die zweite Finanzoperation dieser Art auszuführen. Ich habe nämlich
in Wladiwostok in der dortigen Abteilung der Russisch-Asiatischen Bank ein
kleines Girokonto, wohin man mir von zu Hause meine »Kapitalien« sendet,
da es stindhaft und dazu fast unmöglich ist, Geld direkt aus Rußland hierher
zu überweisen — stellen Sie sich vor, daß man hier für 100 Yen 220 Rubel
zahlen muß! Das oben Angeführte soll zum Teil als Entschuldigung für die
Ihnen bereitete Mühe dienen, und ich hoffe, daß Sie nieht sehr erzürnt über mein
jetziges aufdringliches Gesuch sind. Andererseits hoffe ich immer, daß auch
Sie aus Japan irgendetwas nötig haben werden, damit ich wenigstens in gewisser
Hinsicht imstande bin, Ihnen den Dienst mit einem Gegendienst zu entgelten.
Hierbei muß ich Ihnen bekennen, daß sowohl Gegenstände des täglichen
als auch des nichtalltäglichen Bedarfs hier wirklich noch fabelhaft billig
sind; so habe ich schon mehrfach Jie allerverschiedensten Sachen nach Hause
gesandt und immer war man zufrieden, ungeachtet des geradezu mörderischen
Kurses, den ich in zweifelhaften Fällen gewöhnlich noch zu meinem Vorteil
abgerundet habe. Aber fürchten Sie nicht, daß das auch bei Ihren Aufträgen
passieren kann, da mein »kameradschaftliches Gefühl« so etwas natürlich nicht
zulassen wird, außerdem glaube ich, daß es für Sie vorteilhafter und einfacher
wäre, die erforderliche Summe direkt in Yen durch die Kreditkanzlei auf
meinen Namen zu überweisen. Mit anderen Worten, es wird das Handelshaus
»Awtonomow und Rönne« oder »Awire« gegründet und es wird ein Tausch
von Waren stattfinden: Sie liefern mir den Stanislausorden III. Klasse, ich
Ihnen Stiefel usw. Angesichts der Unsicherheit wird dicses sich auch in der
Zukunft als ein gutes Geschäft erweisen, wenn man vielleicht gezwungen sein
sollte, sich nicht nur mit solchen Sachen zu beschäftigen. Besonders nach
solchen Telegrammen wie das »Matwejewsche«.
Im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen herrscht bei uns in der
Botschaft eine gedrückte Stimmung, wir Beamten fühlen, daß wir auf schwan-83