202 Zweites Buch. F. 77.
herrlichkeit entspringenden Renten und Nutzungen, mit Ausnahme
der aus persönlicher Leibeigenschaft fließenden und der gesetzlich
aufgehobenen Gefälle. 1) — Entzogen sind ihnen in Folge der
Mediatisirung jene Gefälle, welche sie früher als Landesherren
von ihren Unterthanen zur Bestreitung der öffentlichen Bedürfnisse
erhoben.:) Eben darum können sie auf die in Folge des Jus
Esc bezogenen Gefälle nicht ferner Anspruch machen, da das
Recht des Fiscus die Landeshoheit nothwendig voraussetzt. 3) —
Rücksichtlich der Fixirung und Ablösung ihrer gutsherrlichen
Rechte gelten die allgemeinen Grundsätze, welche das Grundlasten-Ablösungsgesetz
v. 4. Juni 1848 festgesetzt hat.
Die Lehen, welche der Standesherr als Vasall in Bayern
besitzt, können unter den Bedingungen, welche das Lehen-Ablösungsgesetz
festsetzt, vom Lehenverbande befreit werden.) Dagegen
kann der Standesherr auch nicht hindern, daß die ihm
zustehenden Activlehen, bezüglich deren er Lehenherr ist, unter
den nämlichen Bedingungen von seinen Lehenholden geeignet
werden (s. oben §. 74 a. E.).
Von der standesherrlichen Gerichtsbarkeit und Polizei und
ihrem dermaligen Bestande wurde schon oben das Nöthige angeführt.5)
1) Dahin gehören seit 1848 auch die Jagd und die übrigen oben §. 69
aufgeführten Gefälle.
2) Vergl. die Declaration von 1807 lit. M. Nr. 1 bis 4; nicht der Name
entscheidet, sondern die Quelle und der Zweck, zu dem sie erhoben wurden.
3) Hertel im Alchiv für die civ. Praxis B. VII. S. 242 ff. A. M.
Zöpfl im Staatsrecht, III. Aufl. Anh. C. 63 und W. Emmerich, die
Ansprüche der deutschen Standesherren auf die jura fisci. Hanau 1834. 8.
4) Die Declaration v. 19 März 1807 lit. M. (H. B. I. S. 167)
überträgt die Lehenherrlichkeit bezüglich aller Lehen, welche die Mediatisirten
im bayerischen Gebiete besitzen, mögen sie von Kaiser und Reich oder von
fremden Souveränen oder von ehemaligen Reichsständen herrühren, dem
König; sie beläßt ihnen aber ihre Activlehen.
5) Die den Standesherren durch Edict IV. F. 44 eingeräumte Befugniß,
eigene Consistorien zu errichten, hat das Ablösungsgesetz nicht erwähnt;
sie scheint uns im Sinne desselben Gesetzes als aufgehoben betrachtet werden
zu müssen. Die beiden früher vorhandenen Consistorien dieser Art (das
Giech'sche und das Löwenstein-Wertheim'sche) sind von den Besitzern an den
Staat überlassen worden. Wegen der Patronatsrechte s. oben F. 67 a. E.