Inhaltsverzeichnis : Geschichte der Hohenzollern.

enthaltene  Ehrenkränkung  für  den  Charakter  dieses  Monarchen,  daß  derselbe  den
zu  Wien  geschlossenen  Traktat  nur  deshalb  vor  dem  Preßburger  Frieden  unterzeichnet
  habe,  um  sich  Mittel  zu  Täuschungen  zu  verschaffen,  könne  die  Rechtlichkeit
  des  Königs  nicht  treffen,  sondern  dieser  Gedanke  entehre  einzig  den
Minister,  welcher  so  niedrig  denke.  Es  sei  ohne  Beispiel  in  der  Geschichte  der
Nationen,  daß  eine  Regierung  ihre  Freunde  so  aufopfere,  wie  jetzt  die  englische
mit  den  Leuten  mache,  die  ihr  Gewissen  und  ihren  Souverän  verrathen  hatten,
um  ihr  zu  dienen.  Dergestalt  sei  Herr  von  Hardenberg  wohl  belohnt  dafür,
daß  er  sich  den  ewigen  Feinden  des  Continentes  preisgegeben.“  Hardenberg
entschuldigte  sich  vor  der  Oeffentlichkeit  vollkommen  genügend,  allein  dessenungeachtet
  sah  sich  der  König,  wenn  er  den  schwer  erkauften  Frieden  bewähren
wollte,  zu  seiner  Entlassung  genöthigt.  Er  erhielt,  wie  früher  Haugwitz,  unbestimmten
  Urlaub,  und  dieser  trat  an  seine  Stelle.

Es  lag  Napoleon  daran,  um  leichter  seine  Pläne  auszuführen,  den  König
von  jedem  einsichtsvollen  und  kräftigen  Rathgeber  zu  entfernen.  Er  antwortete
auf  die  Briefe  des  Königs  nicht,  machte  ihm  nicht  nur  keine  Mittheilung  von
seiner  Absicht,  die  Republik  Holland  in  ein  Königreich  unter  der  Herrschaft
seines  Bruders  Ludwig  zu  verwandeln,  was  am  öten  Juni  geschah,  sondern
ließ  diese  Bestimmung  zuerst  im  Moniteur  und  dann  erst  durch  amtliche  Schreiben
  bekannt  machen.  Außerdem  wurden  ohne  vorgängige  Verständigung  mit
Preußen  die  Abteien  Elten,  Essen  und  Verden,  als  zu  Cleve  gehörig,  zum
Großherzogthum  Berg  geschlagen  und  dem  Schwager  des  Kaisers,  Mürat,  zugewiesen.
  Trotz  der  preußischen  Reklamationen  entschied  Napoleon  gebieterisch
für  den  Großherzog.

Nicht  minder  willkürlich  waren  die  Neugestaltungen  in  Deutschland.  Am
1sten  August  überraschte  der  französische  Geschäftsträger  Bacher  zu  Regensburg
  den  Reichstag  mit  der  Erklärung,  daß  eine  Anzahl  deutscher  Fürsten  in
Erwägung  der  faktischen  Auflösung  des  Reiches  den  Beschluß  eines  Bundes
unter  des  Kaisers  der  Franzosen  Protektorat  gefaßt;  der  Kaiser  und  König
erkläre  daher:  „daß  er  nicht  mehr  das  Dasein  der  deutschen  Verfassung,  wohl
aber  die  volle  und  unbedingte  Souveränetät  jedes  der  Fürsten,  aus
dessen  Staaten  jetzt  Deutschland  bestehe,  anerkenne  und  mit  ihnen  dieselben
Verhältnisse,  wie  mit  anderen  unabhängigen  Mächten  Europas  unterhalten
wolle;  er  habe  den  Titel  eines  Protektors  des  rheinischen  Bundes  angenommen,
lediglich  in  friedlichen  Absichten,  um  durch  beständige  Vermittelung  zwischen
dem  Schwächeren  und  Stärkeren  jeder  Art  von  Uneinigkeit  und  Unruhe
vorzubeugen.“

Durch  die  am  12ten  Juli  in  Paris  vollzogene  Conföderationsakte  des
Rheinbundes  (denn  diesen  Namen  führte  der  Bund)  waren  alle  bisher  gültigen
  Reichsgesetze  bis  auf  den  Deputationsregreß  von  1803  aufgehoben;  Baden
und  Hessen=  Darmstadt  hießen  Großherzogthümer,  der  Kurerzkanzler  Primas
einer  Bundesversammlung,  die  in  Frankfurt  ihren  Sitz  haben  sollte.  Viele  der