132 Kleidung.
Kleidung“ ins Leben gerufen, die es früher noch nie gegeben. Man unterscheide
genau — sie hat nichts mit „Mode“ zu tunz; nur vernünftige
Erwägungen, nur hygienische Prinzipien und die Überzeugung, daß an dem
zunehmenden körperlichen Elend des weiblichen Geschlechtes die Kleidung ihr
gut Teil Schuld daran trägt, hat sie geschaffen.
Dies wissen viele Frauen noch nicht; daher sei es ihnen hier eindringlich
wiederholt.
Männer und Frauen beteiligen sich an dieser Reformbewegung; Arzte
und Schriftstellerinnen sind teils mit anatomischen Betrachtungen über die
*"
Fig. 55. Brustkorb der Venus von Milo. Fig. 56. Brustkorb einer franz. Modedame.
zunehmende Mißgestaltung des weiblichen Körpers, teils mit praktischen
Versuchen am eigenen Leibe hervorgetreten und haben tatsächlich neuen Anschanungen
Bahn gebrochen, die man noch vor 20 Jahren für unmöglich
gehalten hätte. Gleichzeitig haben die Neuerungen der entschieden praktischeren
Engländerinnen und Amerikanerinnen endlich auch in Deutschland
Verständnis gefunden.
Die Reformbewegung richtet sich vor allem gegen den Schnürleib (das
Korsett), der so viele Jahrzehnte hindurch so absolute Herrschaft ausübte,
daß er bereits in entlegene Dörfer als „neuestes weibliches Schönheitsmittel“
eingedrungen ist, und in den Städten selbst zwölfjährigen Mädchen schon
angelegt wird, um ihre „Taille“ beizeiten zu beeinflussen.
Was aus dieser mit den Jahren wird, d. h. wie sehr die unteren Rippen
zum Schaden der inneren Organe eingedrückt werden und wie diese Verengung,