Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

Der  zweite  schlesische  Krieg.  Matrerreis  kehrt  nach  Berlin  zurück.  203

übertragen  und  ihr  das  allgemeine  Censurrecht  zu  ertheilen  »in  Bezug
auf  alle  Bücher  und  andere  Stücke  (ausgeschlossen  die  Affaires  d’etat),
die  in  Berlin  und  in  den  anderen  Städten,  wo  es  keine  Universitäten
giebt,  gedruckt  werden«.

D.

Aber  der  König  konnte  seit  dem  Frühjahr  1744  seine  Sorge
der  Akademie  nicht  widmen:  es  galt,  die  im  ersten  Krieg  gewonnene
Grossmachtstellung  Preussens  zu  behaupten.  Der  zweite  schlesische
Krieg  brach  aus,  und  bis  zur  Schlacht  von  Hohenfriedberg  am  4.Juni
1745  hören  wir  nichts  von  Beziehungen  des  Königs  zur  Akademie,
ausser  einer  eigenhändigen  Bemerkung,  die  er  an  den  Rand  einer
Eingabe  derselben  geschrieben  hat!.  Sie  hatte  vorgeschlagen,  die
durch  den  Tod  des  Astronomen  NAune  erledigten  200  Thlr.  LiegErxüun
  zu  geben,  und  glaubte  damit  die  Meinung  des  Königs  zu  treffen  ;
er  aber  erwiderte  (30.  Januar  1745):

„Nein  der  Eırers  [lies  Evrer]  wirdt  einen  aus  Russlandt  verschreiben  der
Habil  ist  und  Profeser  in  Nope  Seiner  Stelle  werden  kan.«

Man  sieht,  der  König  hat  die  Akademie  nicht  ganz  vergessen
und  nicht  darauf  verzichtet,  ihr  Directive  zu  geben.

Kurz  nach  der  Schlacht  von  Hohenfriedberg  aber  empfing  er
eine  Nachricht,  die  sein  volles  Interesse  an  der  gelehrten  Gesellschaft
  wieder  wachrief.  Maurrrturs  schrieb  ilhm,  dass  er  die  Erlaubniss
  erhalten  habe,  Frankreich  zu  verlassen,  und  dass  er  nun
nach  Berlin  kommen  werde.  Mit  beiden  Händen  griff  der  Köni
zu.  Nicht  weniger  als  sechzehn  Briefe  hat  er  in  dem  halben  Jahr
bis  zum  Frieden  von  Dresden  aus  dem  Felde  an  den  Gelelırten
gerichtet,  um  ihn  festzuhalten”.  »Das  Opfer,  das  Ihr  mir  bringt,
ist  gross;  was  kann  ich  thun,  Euch  Euer  Vaterland,  Eure  Freunde
und  Eure  Eltern  zu  ersetzen!«  Damm,  mit  freudigem  Ausblick,
dass  «die  Zeit  kommen  wird,  wo  diese  Kriege  aufhören:  »alors,
mon  cher  Maurertuis,  alors  nous  pourrions  philosopher  &  notre  aise«°.
Wie  zu  einem  vertrauten  Freunde  redet  er  zu  dem  Gelehrten,  und
darum  spricht  er  ihm  gegenüber  auch  seinen  Schmerz  über  den

!  Akademisches  Archiv.

?2  Diese  Briefe  und  die  im  Folgenden  eitirten  befinden  sich  fast  sämmtlich  iın
Geh.  Staatsarchiv;  in  den  (Euvres  sind  nur  fünf  Briefe  des  Königs  an  Mavrerruis
und  zwei  von  diesem  gedruckt.

®  Camp  de  Rusec  v.  10.  Juli  1745.