Metadata : Hand- und Lehrbuch der Staatswissenschaften. Erste Abteilung VIII. Band. Geld und Banken. I. Teil Das Geld. (1_8)

150  Erstes  Buch.  II.  Abschnitt.  Die  Gestaltung  der  Edelmetallverhältnisse.

Die  Vereinigten  Staaten  von  Amerika,  die  damals  ebenso  wie  Österreich
  Papierwährung  hatten,  zeigten  sich  gewillt,  ihr  Geldwesen  auf
der  Basis  der  Goldwährung  wiederherzustellen.  Das  Gold  war  vor
dem  Bürgerkriege,  der  die  Ausgabe  von  Papiergeld  mit  Zwangskurs
veranlaßt  hatte,  das  fast  ausschließliche  Zahlungsmittel  gewesen,  und
die  Tatsache  des  formellen  Fortbestehens  der  Doppelwährung  war
geradezu  in  Vergessenheit  geraten.  Das  zeigte  sich  auch  während  der
Papiergeldperiode  darin,  daß  die  Zölle  in  Gold  erhoben  wurden  und
daß  die  Auszahlung  der  Zinsen  der  Nationalschuld  in  Gold  erfolgte.
Über  das  Doppelwährungssystem  urteilte  der  Vertreter  der  Vereinigten
Staaten  auf  der  Pariser  Konferenz  folgendermaßen:

„Die  Gesetzgeber  und  das  Volk  der  Vereinigten  Staaten  haben
genugsam  die  Kırfahrung  gemacht,  wenn  nicht  durch  Studium,  so  doch
durch  die  Praxis,  daß  das  System  der  Doppelwährung  nicht  nur  eine
Unklungheit,  sondern  eine  Unmöglichkeit  ist“.

Zurückhaltender  sprachen  sich  bei  aller  Anerkennung  der  Vorzüge
der  Goldwährung  nur  die  deutschen  Vertreter  und  diejenigen  der
skandinavischen  Staaten  aus.  Der  preußische  Delegierte  erklärte,  nicht
zu  wissen,  wann  und  wie  in  Preußen  der  Übergang  von  der  Silberwährung
  zur  Goldwährung  stattfinden  könne,  und  die  skandinavischen
Vertreter  machten  den  Übergang  zur  Goldwährung  abhängig  vom
Verlialten  Deutschlands.  auf  das  sie  handelspolitisch  am  meisten  angewiesen
  waren.

Der  einzige  Staat,  welcher  sich  dem  Übergange  zur  Goldwährung
grundsätzlich  abgeneigt  zeigte,  waren  die  Niederlande.  Ihr  Vertreter
erklärte  die  Doppelwährung  theoretisch  für  die  vollkonımenste  Münzverfassung,
  aber  trotzdem  stimmte  er  für  eine  Doppelwährung  nur
unter  der  Voraussetzung,  daß  ein  allgemeiner  Münzverein  auf  dieser
Grundlage  zustande  käme.  Eine  isolierte  Doppelwährung  hielt  er  für
undurchführbar.  Eine  universelle  Doppelwährung  aber  war.  wie  sich
auf  der  Konferenz  zeigte,  gänzlich  aussichtslos.

Diese  große  internationale  Aussprache  über  die  Währungsfrage  ist
ein  bleibeudes  Dokument  für  die  damalige  Zeitströmung,  die  sich  völlig
„ugunsten  der  Goldwährung  gewendet  hatte.  Man  hat  die  Bedeutung
dieser  Aussprache  späterhin  herabzusetzen  versucht  mit  der  Behauptung,
  die  Pariser  Konferenz  habe  sich  nicht.  für  die  Goldwährung  entschieden,
  sondern  nur  dafür,  daß  Jie  Münzeinheit  auf  Grundlage  der
Goldwährung  erreicht  werden  sollte!);  nachdem  später  die  Münzeinigungsbestrebungen
  sich  als  aussichtslos  gezeigt  hätten,  sei  auch  der
Beschluß  der  Pariser  Konferenz  zugunsten  der  Goldwährung  gexen-‚standslos
  geworden;  man  könne  deshalb  aus  diesem  Beschlusse  nicht

1)  Vgl.die  Drucksachen  No.  14  und  20  der  deutschen  Silberkommission  von  1894.