Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen auf das Jahr 1917. (101)

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Der  Orden  hätte  sicher  nicht  einmal  so  viel  gewährt;  daß  der
Spruch  des  Legaten  mehr  gewährte?:77),  ist  offenbar  nur  der  Entschiedenheit,
  womit  Christian  aufgetreten,  zuzuschreiben.  Allein  der
Standpunkt  Wilhelms  hatte  sich  dennoch  deutlich  genug  kundgegeben.
Wäre  derselbe  auch  nicht  schon  daraus  hinlänglich  zu  erkennen,  daß
er  das  von  Christian  1231  zugestandne  Verhältniß  des  Landesantheils
  gerade  umkehrte,  so  wüßten  wir  es  nichtsdestoweniger  aus  seinem
  eignen  Geständniß.  Denn  so  darf  man  wohl  die  Worte  nennen,
welche  er  als  Grund  anführt,  weßhalb  die  Ritter  das  Doppelte  von
dem  Antheil  des  Bischofs  empfangen  sollen:  „weil  sie  des  Tages  Last
und  Hitze  tragen.“  Nur  die  Eroberung  mit  dem  Schwerte  hatte  er  im
Auge,  weiter  ging  in  diesem  hochwichtigen  Momente  sein  Blick  nicht.
Daß  das  Schwert  einmal  feiern  und  der  Ordnung  des  Friedens,  der
christlichen  Kultur,  der  Wirksamkeit  der  Kirche  Raum  geben  müsse,
das  bedachte  er  nicht;  denn  sonst  hätte  er,  auch  abgesehen  von  bestehenden
  Verträgen,  des  Bischofs  Vorrecht  erkennen  müssen.

In  Bezug  auf  die  geistliche  Gewalt  des  Bischofs  im  Ordensland
  entschied  er  noch  deutlicher  nach  den  Wünschen  des  Ordens.
Eine  Jurisdiktion,  so  lautete  der  Spruch,  soll  dem  Bischof  über  den
Orden  und  dessen  Gebiet  nicht  zustehen;  er  soll  dem  Orden  nur  diejenigen
  Weihen  und  Segnungen  zu  leisten  haben,  welche  kein  Anderer,
  als  ein  Bischof  vornehmen  darf.  75)

277)  Der  Legat,  der  Christian  ja  nicht  glaubte,  und  offenbar  nach  der  päpstlichen
  Belehnungsbulle  handelte,  konnte  den  Bischof  mit  einer  congrua  porcio  abfinden.
  Daß  er  das  nicht  that,  geschah  gewiß  nicht  dem  Orden  zu  lieb,  sondermn,  weil
die  Motive  Christians  auf  ihn  doch  nicht  ganz  ohne  Eindruck  geblieben  waren.  Der
Preußische  Episcopat  hatte  also  selbst  die  politische  Stellung,
welcheer  seit  der  Theilung  Preußens  einnahm,  Christians  letztem
Kampfe  zu  verdanken.

278)  Vgl.  das  über  die  Verhandlung  mit  Günther  von  Plock  zum  J.  1230
Gesagte.  —  Wilhelm  handelte  nach  einer  von  den  Päpsten  für  alle  diejenigen  Lande,
in  denen  der  Deutsche  Orden  henschte,  angenommenen  Maxime.  Indem  fie  einem