Contents : Kriegführung und Politik.

Festlegung  von  Kriegszielen  im  Herbst  1916.  251

Sooft  Verhandlungen  möglich  schienen,  wurden  als  Grundlage
  für  sie  zwischen  Politik  und  Kriegführung  Kriegsziele  besonders
festgelegt;  so  folgende  im  Dezember  1916,  falls  das  Friedensangebot

der  Mittelmächte  zu  Verhandlungen  führen  würde:

1.  Anerkennung  des  Königreichs  Polen.

2.  Annexion  kurländischen  und  litauischen  Gebietes  derart,  daß  mit  Einbegriff
  des  Königreichs  Polen  eine  gute,  von  Norden  nach  Süden  laufende,
strategische  Grenze  gegen  Rußland  gewonnen  wird.

3.  Handelsvertrag  mit  Rußland,  bzw.  wirtschaftliche  Vorteile.

4.  Garantien  in  Belgien,  welche  möglichst  durch  Verhandlungen  mit  König
Albert  fortzusetzen  sind.  Sollten  solche  nicht  in  genügendem  Maße  zu  erreichen
sein,  Annexion  von  Lüttich  mit  entsprechendem  Landstreifen.

5.  Räumung  des  französischen  Okkupationsgebiets  mit  Ausnahme  von  Briey
und  Longwy,  gegen  Räumung  des  von  den  Franzosen  besetzten  Teils  von  Elsaß-Lothringen
  und  strategische  Grenzberichtigungen  für  uns  in  Elsaß-Lothringen,
sowie  Kriegsentschädigungen  bzw.  Kompensationen.

6.  Rückgabe  der  Kolonien  mit  Ausnahme  von  Kiautschou,  Karolinen  und
Marianen,  bzw.  allgemeine  koloniale  Verständigung,  Erwerbung  des  Kongostaats
oder  eines  Teils  desselben.

7.  Entschädigung  für  die  Auslandsdeutschen  und  den  deutschen  Besitz  im
Ausland,  soweit  dieser  geschädigt  ist.

8.  Einverleibung  Luxemburgs  in  das  Deutsche  Reich.

Die  Bedingungen  Österreich-Ungarns  lauteten:

1.  Integrität  der  Monarchie.

2.  Geringfügige  Grenzverbesserungen  gegen  Rußland.

3.  Strategische  Grenzverbesserungen  gegen  Rumänien  (Eisernes  Tor,  ev.
auch  Bistritza-Tal).

4.  Wiederherstellung  des  Königreichs  Serbien  unter  Abtretung  der  an
Bulgarien  versprochenen  Gebietsteile,  albanischer  Gebietsteile  an  Albanien,  der
Matschwa  und  von  Belgrad.  Um  Bulgarien  zu  befriedigen,  will  Baron  Burian
diesem  ev.  noch  mehr  Land,  als  vereinbart,  zugestehen.  Das  wiederhergestellte
restliche  Serbien  soll  wirtschaftlich  eng  an  die  Monarchie  angeschlossen  werden.

5.  Wiederherstellung  des  Königreichs  Montenegro  unter  Abtretung  gewisser
Gebietsteile  an  ÖOsterreich-Ungarn  und  Albanien.

6.  Selbständigkeit  Albaniens  unter  österreichischem  Protektorat.

7.  Strategische  Grenzverbesserungen  gegen  Italien  (einzelne  unfruchtbare
Berge).

Das  Telegramm  des  Reichskanzlers  vom  29.  Januar  1917,
das  für  den  Präsidenten  Wilson  bestimmt  war,  führt  die  Bedingungen,
  wie  folgt,  auf:

Rückerstattung  des  von  Frankreich  besetzten  Teils  von  Oberelsaß.

Gewinnung  einer  Deutschland  und  Polen  gegen  Rußland  strategisch  und
wirtschaftlich  sichernden  Grenze.