Full text : Kriegs-Gesetze – Verordnungen und Bekanntmachungen Heft 2 (2)

Regelung  des  Berkehrs  mit  Haser  der  neuen  Ernte.  125

Regelung  des  Verkehrs  mit  Hafer  der  neuen  Ernte.

Die  Verordnung  über  die  Regelung  des  Verkehrs  mit  Hafer  vom  13.  Februar
1915  bezog  sich  nicht  auf  die  Vorräte  der  neuen  Ernte.  Auch  für  diese  aber
erschien  eine  zwangsweise  Bewirtschaftung  mit  Beschlagnahme  und  behördlicher
Verteilung  angezeigt.  Denn  nur  bei  einer  solchen  läßt  sich  mit  Sicherheit  erwarten,
daß  nach  Befriedigung  der  Anforderungen  der  Heeresverwaltung  die  Vorräte  noch
zur  Deckung  des  Saatguts,  des  notwendigen  Futterbedarfs  in  den  heimischen  Betrieben
  und  des  Bedarfs  zur  Herstellung  von  Hafernährmitteln  genügen  werden.
Die  auf  Grund  des  3  3  des  sogenannten  Ermächtigungsgesetzes  ergangene  neue

Bekanntmachung  über  die  Regelung  des  Verkehrs  mit  Hafer,

vom  28.  Juni  1915,
die  an  Stelle  der  bisherigen  Bekanntmachung  vom  13.  Februar  1915  getreten  ist,  hat
nun  die  allgemeine  Beschlagnahme  auch  des  Hafers  aus  der  neuen  Ernte  angeordnet.
Dem  Hafer  sind  Mengkorn  und  Mischfrucht,  worin  sich  Hafer  befindet,  gleichgestellt,
und  zwar  nicht  nur,  um  die  verfügbaren  Futtermengen  zu  erhöhen,  sondern  auch
um  die  Ungleichmäßigkeiten  zu  beseitigen,  die  sich  aus  der  bisherigen  Freilassung
dieser  Gemenge  tatsächlich  ergeben  haben.

Trotz  der  Beschlagnahme  sollen  Halter  von  Einhufern  aus  ihren  Vorräten  Hafer
zur  Verfütterung  verwenden  dürfen.  Mit  den  ihnen  hiernach  zur  Verfütterung
überlassenen  Vorräten  sollen  sie  auch  statt  ihrer  Einhufer  ihr  sonstiges  Vieh  füttern
dürfen.  Auch  für  Zuchtbullen  soll  eine  beschränkte  Haferration  zugelassen  werden.
Die  Festsetzung  der  Höhe  dieser  Rationen  für  Einhufer  und  Bullen  ist  wegen  der
Unsicherheit  der  Ernteaussichten  späterer  Beschlußfassung  vorbehalten.  Bis  dahin
verbleibt  es  bei  den  bestehenden  Vorschriften.

Freigelassen  wird  auch,  ähnlich  wie  bisher,  die  Verwendung  des  erforderlichen
Saatguts  und  die  Lieferung  von  Saathafer.  Ferner  soll  bei  der  Mischfrucht  ihre
Verwendung  als  Grünfutter  und  die  Aussonderung  der  Hülsenfrüchte  sowie  endlich
für  landwirtschaftliche  Betriebe  die  Herstellung  von  Nahrungsmitteln  (Graupen)  aus
Hafer  zum  eigenen  Verzehr  zulässig  sein.

Auch  von  der  behördlichen  Enteignung  sollen  entsprechende  Mengen,  deren  Festsetzung
  vorbehalten  bleibt,  zur  Fütterung  und  das  Saatgut  freibleiben.

Die  Beschlagnahme  ergreift  den  Hafer  mit  der  Trennung  vom  Boden.  Das
Ausdreschen  kann  behördlich  erzwungen  werden.

Die  Beschlagnahme  erfolgt  zugunsten  der  Kommunalverbände.  Diesen  ist  auch
das  Enteignungsrecht  gegenüber  den  beschlagnahmten  Vorräten  übertragen.  Sie
sollen  in  ihrem  Bezirke  den  erforderlichen  Ausgleich  unter  den  Pferde=  usw.  Besitzern
und  landwirtschaftlichen  Betriebsunternehmern  vornehmen  und  dürfen  dabei  aus
den  für  die  Einhufer  bestimmten  Mengen  in  besonderen  Fällen  auch  für  andere  Spannund
  Zuchttiere  Hafer  bewilligen.  Die  nach  dem  Ausgleich  verbleibenden  Uberschüsse
haben  sie  auf  Anordnung  der  neu  geschaffenen,  mit  behördlichem  Charakter  und
regiminellen  Befugnissen  ausgestatteten  Reichsfuttermittelstelle  der  Zentralstelle
zur  Beschaffung  der  Heeresverpflegung  zur  Berfügung  zu  stellen.  Diese  deckt  daraus
den  Bedarf  der  Heeres-  und  Marineverwaltung  sowie  den  Zuschußbedarf  derjenigen
Bezirke,  die  nicht  selbst  die  nötigen  Mengen  von  Saatgut  und  Futterhafer  erzeugen.