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ihm bitter ernst mit seinen worten; vgl. auch bitter-
böse, bitterkalt; ironische Formel: das ist nicht bitter;
die mährchen von Babiole, vom widder . sind hubsch;
doch glauben sie mir, das ihre war auch nicht bitter!
Wieland Amad. 2, 31. 3) bitter, als Neutr. in subst.
Decl. — bitterer Stoff: das reine bitter, welches aus
dieser pflanze gewonnen wird; als Masc. in subst. oder
adjectiver Decl. — bitterer Schnaps: einen bitter oder
bittern zeiorer. .Zusammensetungen bitterböse, äußerst
böse: ein sehr bitterböses weib H Sachs; beñndet sie
sich jetzt in einer ziemlich gereizten, unfriedsamen und
bitterbösen stimmung Heyse Par. 2, 69. — bitterkalt,
äußerst, efindlicht kalt: eine bitterkalte nacht. —
Bittersalz, n. Salz welches bitter schmeckt.— bittersüß, von
zugleich bitterm und süßem Geschmack. Als subst. Neutr.
Name emer Pflanze von der Art des Nachtschattens. —
Bitterwasser, u. Mineralwasser von bitterm Geschmack.
. Bitterkeit, f. bittere Art; nach der eigentlichen wie
übertragenen Bed. des Adj.: ez sänftigt den wurzen und
den kräutern ir pitterkait Megenberg 293, 18; des
tods bitterkeit 1. Sam. 15, 32; häerken und grimm
und zorn und geschrei sei ferne von euch Eph. 4, 31;
seitdem du schwandest, trug bitterkeit mir jeder tag
im munde Bürger Verlust; meine seele (ward) mit
schmerz und bitterkeit erfallt Freytag Val. 5; bitter-
keit ans diesen unterhandlungen fortzulassen Preußen
i. B. 1, 31.— bitterlich, 1) Adv., mhd. bitterliche: gieng
bheraus, und weinet bitterlich Matth. 26, 75; bitterlich
soltu seuszen Hes. 21, 6; ditterlich klagen 27, 30; so
fangen sie .. so bitterlich an zu heulen und zu weinen
Wieland Amad. 1, 4. 2) Adj. für älteres ditterlicht,
ein wenig bitter: bittorlücht, zum teil bitter Maaler;
bitterlich, amarulentus, subamarus Stieler; bitter-
licher geschmack.
Blach, flach, wesentlich nur vom Felde, mhd. blach,
als Nebensorm zu flach gefaßt (vgl. Beitr. 12, 411 fg.):
im blachen felde 2. Kön. 11, 25; dlaches feld Stieler,
und noch jetzt; auf dem blachen felde CF Meyer Nov.
1, 311. 9l. Landwirten blacher frost und blachfrost,
Fros ohne Schneedecke. — Blachfeld, n. flaches Feld,
bitterböse — blähen.
bene, in Luthers Bibel: alles dlachfeld 5. Mos. 4, 49;
jagt sie herunter ins blachfeld 1. Macc. 3, 21; lagerten
Sie sich auf dem blachfeld 3, 40 (in gleichzeitigen Bibel-
übertragungen von Ingolsadt, Worms, Zürich ver-
mieden und durch flach feld, ebenes feld ersetzt, vgl.
Kluge Luth. bis Less. 79); im vor. Ih. schon veraltet
(Adelung), jetzt bisweilen noch dichterisch: Marengos
dusteres blachfeld Platen Od. 20.
berum der blaff meiner hunde reicht
2, 39; vgl. im Niederd. hundeblaff als Entfernungsmaß.
— hlassen, kurzen bellenden Laut ausstoßen, von Hunden,
im 15. Ih. schon (Teufels Netz 2379 C) bezeugtes Ton-
wort (vgl. batten), namentlich im Niederd. häufig; der
hund blastt Adelung; anders von dem stoßweisen
Springen des Eichhörnchens: das eichborn blafft von
zweig zu zweig Droste 72.
Blabe, k. grobes Leintuch, seet als Schutzdach über
einen Leiterwagen; auch Jagdtuch aus grobem Linnen;
mit verschicdenen landschaftlichen Nebenformen, blache,
oberfächs. schweiz. blane, tirol. bläch; (aus dem Papyrus)
machens plahen Aventin 1, 173; grave Hlaue (des
Lastwagens) Freytag Erinn. 37; als Lehnwort ans
lat. plaga Jägernetz, plagola Decke, Tuch vermutet, wo-
gegen doch altnord. biæja Decke, Leichentuch spricht. —
lähen, 1) Tonwort, vom Geschrei des Schafes; schon
ahd. plegan d. i. dlejan, mhd. dlewen bakarnt Dief.;
man hört blabende schafe; vgl. dahen 2. 2) anderes
blähen, von Luft oder Wind anschwellen, ahd. pläjan,
mhd. blajen, altengl. blawan, urverwandt mit lat. lare;
Blähung — Blase. 442
bläyen, auftreiben Maaler; in eigentl. Sinne, der vind
bläht die secgel; die backen blähen; ungewöhnlich: ein
busen reizt, der, jugendlich gebläht, die augen blendt
Wieland Mus. 3, 132; übertragen: seinen bauch so
blebon mit losen reden Hiob 15, 2; desto ürger bläht
den guten mann der leidge eigendunkel Wieland
Wasserk. 52; refl. im eigentl. Sinne: der vrosch hæt gern
gelichet sich dem ochsen; vaste blät er sich Boner
46, 12; (er sah) die bluten dicker saat sich an den
wassern blähn Hagedorn Fab. 1, 1; übertragen: die
liebe blehet sich nicht 1. Cor. 13, 4; wie würde sie
sich geblübt haben! Iffland Hagest. 5, 10; sich pfauen
gleich zu blahn in seinem bheldentbum Wieland Ob.
12, 4; Part. Präs. ohne sich: die am arme seichter
thoren bläbend mit dem fächer ficht Schiller an
Minnaz intranf., zumal von Wirkungen genossener Spei-
sen: bobnen, rüben blähen; blähende speisen: Rinder-
krankheit: es blähte ihm seine beste kuh JGotthelf
Schuldenb. 211.— Blähung, f. das Blähen; namentlich
als Wirkung genossener Speisen: rüben verursachen
blähung; an blähungen leiden.
Blaken, qualmend, rußig breunen; niederdeutsches,
— neuer allgemeiner gewordenes Wort: das licht blaket
Campe.
Blank, glänzend hell, ahd. planeh, dlanc, mhd. blane,
im Ablautverhältnisse zu blinkcn, in das Romanische,
als franz. blanc, ital. bianoo, eingedrungen; in der älteren
Spr. gern von dem Glanze der menschlichen Haut, mhd.
blanke arme, hende. zene u. s. w.; später seltener: lilgen-
blanke wollngelinde händlin Garg. 143; ein blankes
magdlein Stieler; des berges maid in ibrer festen
gliederpracht, in ihrer blanken fröhlichkeit Droste
235; auch: die augen blau und blank Uhland 205;
gewöhnlich von Metall: blankes erz, blanker helm; mit,
blankem golde zahlen; namentlich auch blankes schwert;
daher formelhaft mit blanker wafte verteidigen, wehren;
während die Russen den bergkirchbof mit der blanken
waffe nahmen Treitschke 1, 550; blank mit einem
stehen, auf Kriegsfuß; etwas blank putzen. scheuern,
blankgescheuert Kleist zerbr. Kr. 6; (die alte Liebe ist)
Ccingerostet, keine möglichkeit sie wieder blank zu
bringen Benedix zärtl. Verw. 2, 2; stiefeln blank
machen, blanke stieteln (erst seit 18. Ih. durch die sog.
engl. Wichse); blanker wein, hell glänzender, weißer:
cine kanne blanken wein Geibel 1, 19; blankes wasser,
der blanke see; die gegend unter dem schlosse lag als
ein blanker see Goethe Wanderj. 2, 5; weiß, von
Pferden der Schimmel, schon ahd. ufon einemo blanchen
Blaff, 1) Interj., Knall der Flinte nachahmend: blaff!
liegt er Goethe Götz 3. vgl. baff. 2) Mase. kurzes ein-
maliges Bellen eines Hundes: so weit um dieses haus
Freytag Soll
rosse Notker Boeth.; weiße Menschen im Gegensatz zu
Mohren: ans meer! den blanken menschen verkauft.
Freiligrath 1,37; auch das blanke im auge, das Weiße;
cbenso dlanker schnee, ein blankes bemd; schwindlicht
tief unten land und meer wechselud als dunkele und
blanke streisen Immermann Münchh. 2, 59; rein ge-
waschen: blank sind wir ganz und gar Goethe Faust 1;
sprichwörtlich: auszen blank, innen stank; abgeschwächt
zu dem Sinne bloß: den blanken bintern zeigen;
nichts als: das ist blanke, baare lüge; mein wild rannte
glucklich in den blanken betrug Schiller Fiesko 4, 13;
offen, kla#r: jetzt hab ichs blank Kab. 2, 4.
Blase, s. rundlich aufgeblähte Haut, ahd. pläsa, mhd.
bläse, hier nur auf den Harnbehälter des Leibes bezogen:
diu pläse oder din plater ist ain vaz des harmprunnens
Megenberg 34, 11; vgl. harnblase, schweinsblase;
Erweiterung des Begriffs jn dem aus jenem Behälter
gesertigten, blase — Beutel, tabaks-, geldblase; ande-
res Ahnliches: blasen auf der haut, brandblasen; honig-
blase der Insekten, giftblase der Schlangen, luftblase,
gallenblase der Fische; blasen auf dem wasser; das
wasser wirft blasen aul; hubsch durch ein strohhllm-
ohen drein (in das Seifenwasser) geblasen, treibt blusgen
auf Schiller 2,377; mein gebirn treibt öfters wunder-