Metadata : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1810. (5)

J.  V.  Deichmüller:  Sachsens  vorgeschichtliche  Zeit.  43

gerundeten  Gefäßformen  und  Beigaben  aus  Bronze  und  Eisen.  Erstere  ist  als
eine  in  der  Niederlausitz  selbst  entstandene  anzusehen,  sie  hat  sich  von  da  aus
ziemlich  unverändert  auch  über  Sachsen  verbreitet;  auf  die  Ausbildung  der
Keramik  der  jüngeren  Gruppe  dagegen  haben  sicher  fremde  Einflüsse  eingewirkt.
Nicht  wenige  Gefäße  der  letzteren  besitzen  eine  unverkennbare,  wohl  kaum
zufällige  Ähnlichkeit  mit  solchen  der  Hallstattkultur,  welche  in  der  ersten  Hälfte
des  letzten  vorchristlichen  Jahrtausends  Osterreich  und  Süddeutschland  beherrschte.
Diese  Kultur  ist  schon  frühzeitig  nach  dem  Osten  Deutschlands,  nach  Schlesien
und  Posen  gedrungen,  sie  hat  dahin  den  Gebrauch  des  Eisens  gebracht  und
wahrscheinlich  auch  Einfluß  auf  die  dort  heimische  Töpferei  ausgeübt.  Diese
schlesisch-posensche  Keramik  hat  sich  dann  später,  etwa  um  die  Mitte  des  letzten
Jahrtausends  vor  Chr.,  weiter  nach  Westen  über  die  Niederlausitz  und  das
östliche  Sachsen  verbreitet,  ohne  die  ältere  Keramik  ganz  zu  verdrängen.
Während  nun  die  Gräberfelder  der  Bronze=  und  frühen  Eisenzeit  in
Sachsen  so  überaus  häufig  und  verbreitet  sind,  fehlen  Ansiedelungen  aus
dieser  Zeit  fast  vollständig.  Nur  in  der  Gegend  von  Zwenkau  im  nordwestlichen
  Sachsen,  im  Elbthal  bei  Dresden  und  auf  dem  Pfaffenstein  in  der
sächsischen  Schweiz  sind  Herdstellen  entdeckt  worden,  die  sich  in  der  äußeren
Form  von  denen  der  Steinzeit  nicht  unterscheiden.  Es  sind  Feuerstellen  in
Gruben,  deren  Inhalt  im  wesentlichen  wiederum  aus  Gefäßtrümmern  besteht,
welche  mit  den  in  den  Urnenfeldern  gefundenen  übereinstimmen.  An  Stelle
der  Steinwerkzeuge  finden  sich  jetzt  vereinzelte  Bruchstücke  von  Bronzegerät,
daneben  Mahlsteine  und  Webstuhlgewichte  zusammen  mit  Tierknochen  und
Muschelschalen  als  Nahrungsresten  und  dem  Lehmbewurf  der  Hüttenwände.
Zuweilen  liegen  diese  Herdstellen  in  größerer  Zahl  beisammen;  so  bestand
z.  B.  in  der  Nachbarschaft  von  Dresden  eine  Niederlassung  der  ältesten  Eisenzeit
  aus  mehr  als  100  solcher  Feuerstätten.  Wir  dürfen  daher  vielleicht  mit
Recht  in  jener  Periode  die  ersten  Anfänge  dorfähnlicher  Gemeinschaften  suchen.
An  allen  diesen  Funden  kann  man  ermessen,  welche  großen  Fortschritte
die  Kultur  unserer  Vorfahren  seit  der  Steinzeit  gemacht  hat.  Während  die
ersten  Einwanderer  unser  Land  als  Jäger  ohne  festen  Wohnsitz  durchstreiften,
ist  die  Bevölkerung  in  der  Bronzezeit  zu  einer  seßhaften  geworden  und  hat
sich  zu  größeren  Gemeinschaften  vereinigt.  Dies  beweisen  einesteils  die  an
einzelnen  Orten  in  größerer  Zahl  vereinigten  Wohnstätten,  anderenteils  lassen
sich  die  oft  ausgedehnten  und  längere  Zeit  hindurch  benutzten  Gräberfelder
nur  in  der  Wese  erklären,  daß  die  damals  weniger  dicht  als  heute  zusammengedrängte
  Bevölkerung  geraume  Zeit  an  einem  Ort  wohnte.  Der  Bau  ihrer
Wohnung  ist  derselbe  geblieben;  ihre  Lebensweise  und  ihre  Beschäftigungen
haben  sich  nur  wenig  geändert,  neben  Fischfang  und  Jagd  wird  jetzt  in  ausgedehnterem
  Maße  Ackerbau  und  Viehzucht  getrieben.  Die  in  den  Ansiedelungen
und  Gräbern  gefundenen  thönernen  Webstuhlgewichte  lassen  auf  eine  verbreitete