IV. Die neue Zoll-, Finanz= und Steuerordnung. 139
Preußens entscheidenden organisatorischen Maßnahmen seien
durchgeführt vielmehr trotz des Ausschlusses des Bürgertums
von jeder Teilnahme daran. Und doch hatte sich dieses 1813
einer solchen ebenso fähig wie würdig gezeigt. Aber auch jetzt
noch war die Zahl der Beamten nur klein, die sich dem Bürger
nicht überlegen gewähnt und ihn von der Teilnahme an den
öffentlichen Angelegenheiten ausgeschlossen zu sehen gewünscht
hätten. Vielen von ihnen gingen die Reformen von 1808 darin
schon zu weit, und sie machten kein Hehl aus dem Wunsche
nach einer Revision derselben im reaktionären Sinne. Aber
diese Herren haben wohl die Bauernbefreiung verkümmern und
den vollen Ausbau der Landwehr hinhalten, auch die Einführung
der feierlich zugesagten Volksrepräsentation hindern können:
die durch die Verhältnisse gebotenen Neuerungen jedoch, von
denen die Lebensfähigkeit des Staates abhing, zu hintertreiben,
haben sie doch nicht vermocht. Zu deren Träger erwuchs in
Preußen eben in jenen Jahren ein neues Beamtentum, voll
Verständnis für die Bedürfnisse der Zeit und Anerkennung für
die Fähigkeit des Bürgertums, und durch die Erfahrungen der
letzten Jahre belehrt von der Notwendigkeit einer deutschen
Richtung der preußischen Politik. Wie viel leichter würde seine
Arbeit, wie viel größer sein Erfolg gewesen sein, wenn es sich
dabei der Mitwirkung der Nation hätte erfreuen können! Gewiß
wäre dann mit den feudalen Resten, die sich gegen die
Stein-Hardenbergschen Reformen bisher behauptet hatten,
schneller und gründlicher aufgeräumt worden und die politische
Entwickelung Preußens würde nicht um ein volles Menschenalter
hinter der Süddeutschlands zurückgeblieben sein.
Auch haben an dem von jenen trefflichen Männern vollbrachten
Neubau des Staates, freilich ohne äußerlich erkennbare
Bethätigung, die erstarkenden geistigen und sittlichen Kräfte
des zum Bewußtsein seines politischen Berufs erwachenden
Bürgertums hervorragenden Anteil gehabt. Ohne sie wären
jene Erfolge unmöglich geblieben. Gerade hier erwies sich trotz
der andauernden Verfassungslosigkeit und des Mangels an freier
öffentlicher Diskussion politischer Fragen, trotz der Zensur und
trotz der Knechtung der Universitäten der Geist noch immer