Bakterien. 495
Auch die Spaltpilze gedeihen nicht auf jedem Boden; sie haben auch
ihre bestimmten Lebensbedingungen; sie entwickeln und vermehren sich jedoch
am schnellsten, wo Unreinlichkeit, träger Stoffwechsel, widerstandsuufähige
Gewebe sich vereinigen. Ein Beispiel: ein blutarmer, schwächlicher Mensch
mit oberflächlicher Atmung atmet wiederholt Tuberkelbazillen ein, sie sterben
bei ihm nicht ab, wie vielleicht bei seinem kräftigen Bruder, der sie ebenso
eingeatmet hat, sondern sie finden in seiner schlecht gelüfteten Lunge guten
Nährboden, verbreiten sich, und nach wenigen Jahren ist derselbe Mensch
an Lungenschwindsucht
zugrunde gegangen.
Ahnlich
verhält es sich mit
verschluckten Cholerabazillen,
die ein
gesunder, kräftiger
Magensaftzerstört,
so daß sich niemals
Cholera entwickeln
kann. Auchbei Ausschlagkrankheiten
weiß man, daß der
eine angesteckt wird
und der andere
nicht, ohne daß
man diese oft auffällige
Erscheinung —
zu erklären wüßte. Fig. 286. Kuieguß.
Dann hat man erlebt,
daß die Bakterienart, die man lange Zeit für die Erreger gewisser
Krankheiten gehalten hat, z. B. bei Lungenentzündung und Diphtherie, auch
bei anderen, viel milderen Krankheitszuständen vorkam, und stand nun ratlos
dieser Erscheinung gegenüber. Nicht Furcht vor bekannten und unbekannten
Bakterien, vor Erkrankungsgefahren, die uns immer von außen anfliegen, soll
uns erfüllen, sondern nur Sorge um vielleicht abnehmende Widerstandskraft
unseres Körpers, um verminderte Reinheit unserer Säfte, die uns zu Krankheiten
geneigt machen. Und daher soll es stets unser eifriges Bestreben sein,
uns durch richtige Lebensweise gesund zu erhalten, und Gesundheitspflege
überall zu lehren; denn nur durch gute Gesundheit werden Balterien zerstört
und wird ihnen der Nährboden entzogen, indem sich kräftige Schutzvorrichtungen
in unserm Körper entwickeln.
Man unterscheidet je nach der Form der Spaltpilze: Stäbchen — Bazillen,
Kügelchen — Kokken und gekrümmte Fädchen = Spirillen. Reinlichkeit,