Full text : Gesetzsammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. Einundsechzigster Jahrgang. 1900. (61)

—  95  —

Richelieu  in  Frankreich  hochwichtige  Dinge.
In  Deutschland  aber  waren  die  Dinge  dieser
Welt  doch  wichtiger  als  Himmel  und  Hölle,  Seligkeit
und  Verdammnis.  Da  konnte  denn  das  allerchristlichste
  Gewissen  Nichelieus,  der  schon  bisher  Subsidien
  bezahlt,  nicht  umhin,  für  die  Protestanten
in  Deutschland  mobil  zu  machen,  damit  nicht  das
Schlimmste  des  Schlimmen,  ein  starkes  deutsches
aisertum  und  ein  unter  Österreichö  Führung  halbwege
  geeintes,  lebensfähiges  und  achtunggebietendes
Deutschland,  entstehe.  Nun  wurden  mit  des  katholischen
  Frankreichs  Hilfe  dem  katholischen  Kaiser
ie  errungenen  Vorteile  wieder  entwunden;  noch
wichtiger:  Frankreichs  Diplomatie  sorgte  dafür,  daß
sich  der  schreckliche  Krieg  recht  in  die  Länge  zog,  damit
  Deutschland  in  Grund  und  Boden  verwüstet
und  bis  zur  völligen  Ohnmacht  geschwächt  werde.
Am  allerwichtigsten:  Die  französische  Diplomatie
sorgte  im  Westphälischen  Frieden  dafür,  daß  die
hnmacht  Deutschlands  in  Permanenz  erklärt  wurde.
Vom  Deutschen  Reich  blieb  infolge  der  französischen
Dorsehung  nur  eine  Scheinorganisation.  Um  das
eich  in  völliger  Unkraft  zu  erhalten,  gab  der  Westphälische
  Friede  den  deutschen  Fürsten  und  Reichsstädten
  fast  volle  Selbstherrlichkeit.  „Das  deutsche
Jolk  war  geteilt  unter  5  Kurfürstentümer,  23  Herzog-Umer,
  12  Fürstentümer,  2  Markgrafschaften,  4  Landgrafschaften,
  52  Grafschaften,  16  Zerrschaften,  56
eichsstädte  und  5  schwedische  Besitzungen,  wozu
noch  4  Erzbistümer,  21  Bistümer,  19  Abteien  und

Propsteien  binzutraten,  zusammen  also  221  Herraften,
  ausgestattet  mit  dem  Rechte,  sich  mit
ausländischen  Mächten  zu  verbünden,  zugleich  mit