Volltext : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

l.  König  Friedrich  l.  329

Vermählung  des  Kronprinzen  mit  seiner  Cousine  Sophie  Dorothea
von  Hannover,  des  Kurfürsten  Georg  Ludwig  Tochter,  zu  der
ihn  jugendliche  Neigung  zog.  Aber  obgleich  auch  Frankreich
die  Versöhnung  Preußens  und  Schwedens  betrieb,  gelang  es
schließlich  Marlboronghs  persönlichem  Einwirken,  Preußen  doch
in  der  großen  Allianz  festzuhalten,  zumal  man  von  London
her  dem  König  nicht  nur  die  noch  andauernde  Gefahr  für  den
Glauben  zu  Gemüt  führte,  sondern  auch  für  den  künftigen
Frieden  die  energische  Vertretung  seiner  Interessen  verhieß.

Des  Schwedenkönigs  neue  Siege  über  Russen  und  Sachsen
gestalteten  die  Lage  Anfang  des  Jahres  1790  kritischer:  der
Weg  durch  Schlesien  nach  Sachsen  lag  offen  vor  Karl.  Preußen
erbot  sich,  dafür  zu  sorgen,  daß  von  Sachsen  her  keine  Kriegshilfe
  mehr  nach  Polen  gelange,  versagte  sich  aber  erneuten  Anträgen
  zu  Gunsten  Lesczinskis  und  haderte  mit  dem  Kaiser
über  die  Verwendung  der  Truppennachschübe,  durch  die  es  sich
daheim  vollends  wehrlos  machte,  und  mit  den  Generalstaaten
über  die  unpünktliche  Zahlung  der  Subsidien  und  die  oranische
Erbschaft.  Und  nun  erwog  man  in  Wien  eine  Allianz  mit
Schweden,  deren  Kosten  natürlich  Preußen  zu  tragen  gehabt
hätte.  In  dieser  äußersten  Verlegenheit  erbot  es  sich  zu  einer
Tripelallianz  mit  Schweden  und  Brannschweig,  um  das  polnische
  Preußen  und  Großpolen  zu  besetzen  und  vor  einer  neuen
Occupation  zu  bewahren.  Das  war,  kaum  notdürftig  verhüllt,
das  alte  Teilungsprojekt.  Vor  endlichem  Abschluß  des  seit
Jahren  schwebenden  preußisch-schwedischen  Vertrages,  so  lautete
Karls  Antwort,  könne  davon  nicht  die  Rede  sein.  Doch  zeigte
der  Antrag,  daß  Wartenberg  und  Genossen  sich  nicht  mehr
ganz  Herren  der  Lage  fühlten.  Der  unheilvolle  Mann  war
seinem  Sturze  eben  ganz  nahe  gewesen.  Aber  es  gab  keinen
Ersatz  für  ihn:  denn  der  Kronprinz  hielt  sich  noch  zurück,  obgleich,
  wie  es  scheint,  Ilgen  ihn  zum  Eingreifen  zu  bestimmen
suchte.  Auch  war  das  gräfliche  Paar  klug  genng,  sich  der  wieder
geänderten  Strömung  zu  fügen,  indem  es  die  Verlobung  des
Kronprinzen  mit  Sophie  Dorothea  von  Hannover  befürwortete:
im  Juni  1706  wurde  sie  gefeiert.  Preußen  blieb  ganz  im
Fahrwasser  der  Seemächte  —  in  welcher  Absicht,  lehrt  Warten-