Full text : Der Weltkrieg. I. Band. (1)

Die  Etappen  zum  Weltkrieg

hinterhältig  und  als  stets  geneigt,  mit  Serbien,  Montenegro
und  Rußland  gemeinschaftliche  Sache  zu  machen.  Alles  in
allem  wuchs  bei  mir  in  jenen  Monaten  die  Gewißheit,  daß
Rußland  die  Balkanstaaten  in  ihrer  Begehrlichkeit  nicht
nur  unterstützte,  sondern  anstachelte  und  damit  den  Herd
der  Weltkriegsgefahr  fortgesetzt  anheizte;  daß  Frankreich
gelegentlich  mit  ins  Feuer  blies  und  jedenfalls  sich  von
Rußland  unter  keinen  Umständen  trennen  wollte,  auch
wenn  große  eigne  Interessen  auf  dem  Spiele  standen;  daß
England  in  äußerlich  korrekter,  aber  undurchsichtiger
Haltung  abwartete  ;  daß  auf  Italien  trotz  der  mit  Österreich-Ungarn
  über  Albanien  erzielten  Einigung,  die  übrigens
sofort  Sprünge  und  Risse  zeigte,  keinerlei  Verlaß  war.

Ein  positives  Ergebnis  hatte  die  Pariser  Konferenz  nicht.
Ehe  sie  ihre  Beratungen  dem  Abschluß  nahebringen  konnte,
führten  die  Streitigkeiten  zwischen  Bulgarien  einerseits,
Serbien  und  Griechenland  andererseits  über  die  Verteilung
des  von  der  Türkei  nach  dem  Londoner  Präliminarfrieden
abzutretenden  Gebiets  zu  dem  zweiten  Balkankrieg.  Rumänien
  griff  gegen  Bulgarien  ein.  Die  Türkei  stieB  unter
Führung  Envers  nach  Adrianopel  vor.  In  kurzer  Zeit
sah  sich  Bulgarien  genötigt,  die  Waffen  zu  strecken.  Der
Bukarester  Friede  ließ  Bulgarien  nur  einen  geringen  Teil
des  ihm  ursprünglich  zugedachten  Landgewinnes  und
nahm  ihm  zugunsten  Rumäniens  einen  Teil  der  Süd-Dobrudscha,
  während  Griechenland  und  vor  allem  Serbien
eine  gewaltige  Vergrößerung  erfuhren,

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