IV. Die Teilung Polens. 153
einigermaßen gedeckt sein, so galt es, der Zarin die durch ihres
Gatten Entthronung zerrissene Allianz doch wieder abzugewinnen,
ja abzuschmeicheln. Den Preis, der dafür gefordert werden
würde, war Friedrich von vornherein zu zahlen entschlossen.
Daß es sich dabei um Polen handeln werde, stand ebenfalls
fest. Auch fielen die Interessen Rußlands und Preußens dort
insofern zusammen, als sie beide bestrebt sein mußten, sowohl
die alte Schutzmacht Polens, Frankreich, dort auszuschließen,
wie Oesterreich sich nicht einnisten zu lassen. Das eine wie das
andere hätte Preußen unmittelbar bedroht. Andererseits be—
stand dabei freilich immer die Gefahr, daß Preußen durch sein
Bedürfnis nach einer sonst nirgends erreichbaren Anlehnung ge—
nötigt. würde, sich mit Rußland tiefer einzulassen, als mit der
Verfolgung allein oder doch zunächst seines Vorteils vereinbar
war, und so von seinem Bundesgenossen in eine Abhängigkeit
geriet, in der es sich von diesem wohl oder übel benutzen lassen
mußte. Diese Momente sind es, welche die Politik Friedrichs
und namentlich seine Beziehungen zu Rußland während der
nächsten Jahre bedingten und bestimmten, ihn mit wachsender
Sorge vor dem in immer drohendere Nähe gerückten Kriege er—
füllten und allmählich in eine Enge drängten, aus der ihm
schließlich nur die unverhoffte Verwirklichung einer chimärischen,
nahezu verwegenen Kombination einen rettenden Ausweg öffnete.
Noch vor Unterzeichnung des Hubertsburger Friedens
hatte der König im Hinblick auf die Möglichkeit eines baldigen
Ablebens des schwer kranken August III. von Sachsen für die
künftige polnische Königswahl ein gemeinsames Vorgehen mit
Rußland in Aussicht genommen. Er hoffte dafür von Rußland
bei der Erwerbung Elbings unterstützt zu werden. Der Gedanke
erwies sich zwar bald als unausführbar, aber die Pläne
Friedrichs bewegten sich doch auch fernerhin in der damit bezeichneten
Richtung: er blieb bereit, Nußland zur Unterwerfung
Polens zu helfen, wenn es dagegen ihm die Erwerbung eines
entsprechenden Stückes von Polen ermöglichte. Daher war er
gerade wie der Leiter der russischen Politik zunächst gegen die
Ernenerung der Union Polens mit Sachsen, mochte auch letzteres
den Wunsch nach gutem Einvernehmen mit ihm recht