Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

194  42.  Zweite  Forderung  für  die  China-Expedition.

der  Wohlfahrtseinrichtungen  im  Reiche  und  zum  Besten
der  weniger  günstig  gestellten  Klassen  der  Bevölkerung.
(Bravo!)

Meine  Herren,  auch  der  Herr  Abgeordnete  Richter  wird  mir  hoffent—
lich  zugeben,  daß  ich  nicht  zu  den  aufgeregten  Leuten  gehöre.  Ich  werde
mich  hüten,  und  wir  wollen  uns  auch  anf  wirtschaftlichem  Gebiete  gegen—
über  allen  diesen  Nachbarn  hüten  vor  Leidenschaftlichkeit  und  Kurzsichtigkeit,
die,  wenn  sic  zusammenkommen,  immer  Unheil  anrichten.  Wir  wollen
uns  niemandem  zu  Liebe  hinreißen  lassen  zu  handelspolitischen  coups  de
tete,  deren  Kosten  nachher  das  Land  zu  tragen  hätte.  Aber  unsere  neue
zollpolitische  Gesctzgcbung  wird  nur  von  nationalen  und  deutschen  Gesichtspunkten
  inspiriert  sein

(GBravo!);
sie  wird  den  berechtigten  Forderungen  aller  am  deutschen  Wirtschaftsleben
interessierten  Faktoren  Rechnung  tragen,  und  nur  das  Wohl  der  Ge—
samtheit  wird  für  uns  maßgebend  sein.
(Lebhaftes  Bravo.)

42.  Zweite  Forderung  für  die  China-Expedition.

Sitzung  des  Reichstages  vom  15.  März  1901.

Die  erste  Beratung  des  ersten  Nachtrages  zum  Etat  des  Rechnungsjahres  1901
steht  auf  der  Tagesordnung;  er  enthält  die  zweite  Forderung  für  die  deutsche  Truppenexpedition
  nach  China  im  Betrage  von  120  682000  Mark;  davon  entsfallen  auf  die
Kosten  für  das  Heer  100  200  000  Mark,  auf  die  für  die  Marine  17  500  000  Mark,
auf  Posten  und  Telegraphen  1  285  000  Mark,  auf  Pensionen  137000  Mark,  auf
Denkmünzen  160  000  Mark,  auf  Unterstützung  der  Familien  der  Teilnehmer  700  000  Mark
und  auf  die  Kabelverbindungen  Tsingtan-Tschifu  und  Tsingtau-Schanghai  400  000  Mark.

In  den  „Erläuterungen“  zu  der  Vorlage  heißt  es:  Die  Ziele  der  Expedition
seien  unverändert:  das  Eingreifen  der  Mächte  in  China  bessere  die  dortige  Lage  zwar
langsam,  aber  merkbar  und  stetig.  Der  deutsche  Oberbefehl  brachte  Einheitlichkeit  in
die  militärischen  Operationen.  Die  günstigen  Wirkungen  blieben  nicht  aus.  Große
militärische  Unternehmungen  über  das  besetzte  Gebiet  hinaus  sind  kaum  noch  nötig,  nur
noch  kleine  Beruhigungsstreifzüge  innerhalb  dieser  Grenzen.  Nachdem  China  die  Note
der  Mächte  angenommen  habe,  erscheine  eine  befriedigende  Beendigung  der  Wirren
gesicherter,  eine  Angabe  über  den  Zeitpunkt  sei  aber  noch  unmöglich.  Behnfs  der
nötigen  Fortsetzung  des  militärischen  Druckes  sei  die  unveränderte  Belassung  der  deutschen
Streitkräfte  in  China  bis  auf  weiteres  unerläßlich,  daher  sei  der  Kostenbedarf  für  das