Contents : Die Frau als Hausärztin.

8  Becken.

und  Blase  umgeben.  Im  schwangeren  Zustande  vergrößert  sich  die  Gebär—
mutter  in  solchem  Grade,  daß  sie  im  kleinen  Beckenraum  nicht  mehr  Platz
hat,  sie  erhebt  sich  daher  in  das  „große  Becken“,  jenen  viel  ausdehnungsfähigeren
  Raum,  der  durch  die  Wirbelsäule  und  die  Bauchdecken  gebildet  wird,
und  steht  am  Ende  der  Schwangerschaft,  wenn  die  Geburt  naht,  mit  dem
unteren  schmäleren  Teile,  dem  sogenannten  Mutterhalse,  so,  daß  der  Kopf  des
Kindes,  der  bei  normalen  Geburten  stets  nach  unten  liegt,  über  dem  Beckeneingang
  sich  befindet.  Der  Umfang  des  Kopfes  muß  zum  Knochenring  des
Beckens,  der  nicht  nachgiebig  ist,  in  richtigem  Verhältnisse  stehen,  d.  h.  er
muß  kleiner  sein  als  der  Umfang
des  Beckens  ist,  sonst  bleibt  der
Kopf  im  Beckeneingang  stecken
und  die  Geburt  wird  unmöglich.
Bei  der  normal  gebanten  Fran
hat  das  Becken  bestimmte  Maße,
die  sich  nicht  wesentlich  verschieben
dürfen,  wenn  der  Durchtritt  des
kindlichen  Körpers  leicht  sein  soll.
Die  Nachgiebigkeit  und  Weichheit

Fig.  6.  Weibliches  Becken  und  seine  Teile.
Von  oben  gesehen.

1  Wirbelsäule.

2  Darnschaufel.

3  Krenzbein  mit  den  Durchgangslöcheru  der
Nerven.

Bewegliches  Steißbein.

Anheftungsstelle  der  Bänder.

Beckenhöhle.

Gelenkfläche  des  Krenz=  und  Darmbeines.

8  Schambein.

S.  AU

der  kindlichen  Schädelknochen  gleichen
  die  Starrheit  des  Beckens
einigermaßen  aus  und  machen  oft
auch  bei  unverhältnismäßig  großem
  Schädel  des  Kindes  eine
natürliche  Geburt  noch  möglich.

Die  Maße  des  Beckeneinganges,
  dieser  wichtigsten  Stelle

des  Beckens  für  den  Geburtsvorgang,
  bestimmt  man,  indem  man  einen  geraden,  einen  queren  und  zwei
schräge  Durchmesser  durch  denselben  zieht.  Mittelst  eines  „Beckenmessers"
werden  diese  Maße  äußerlich  am  Becken  genommen  und  berechnet.  Der
wichtigste  Durchmesser  ist  der,  den  man  sich  vom  Schambein  zum  Kreuzbein
gezogen  denken  muß  und  welcher  der  „gerade“  genannt  wird.  Wenn  er  um
2  cm  weniger  beträgt  als  das  Normalmaß,  dann  ist  in  den  meisten  Fällen
eine  Geburt  unmöglich.  (Siehe  „Das  Kind“,  II.  Teil.)

Es  ist  wichtig,  daß  die  Frauen  einiges  Urteil  über  diese  Verhältnisse
gewinnen,  daher  sei  auch  noch  erklärt,  wodurch  eine  „Beckenverengung“  so
oft  entsteht.

Mangelhaftes  Knochenwachstum  in  der  Kindheit  einerseits,  wodurch  bei
allgemeiner  Schwächlichkeit  sehr  leicht  Verbiegungen  der  Knochen  entstehen,
die  eine  bleibende  Verschiebung  bewirken,  und  Knochenerkrankungen  anderseits,
wie  die  „englische  Krankheit“  (Nhachitis),  bewirken  Verkrüppelungen,  welche