Volltext : Regierungs-Blatt für das Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Jahrgang 1914 (1)

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»Ich  habe  Dein  Telegramm  erhalten,  ich  verstehe,  daß  Du  gezwungen  bist,
mobil  zu  machen,  aber  ich  möchte  von  Dir  dieselbe  Garantie  haben,  die  ich  Dir  gegeben
  habe,  nämlich,  daß  diese  Maßnahmen  nicht  Krieg  bedeuten  und  daß  wir  fortfahren
  werden,  zu  verhandeln,  zum  Heile  unserer  beiden  Länder  und  des  allgemeinen
Friedens,  der  unseren  Herzen  so  teuer  ist.  Unserer  langbewährten  Freundschaft  muß
es  mit  Gottes  Hilfe  gelingen,  Blutvergießen  zu  verhindern.  Dringend  erwarte  ich
voll  Vertrauen  Deine  Antwort."

Hierauf  hat  Seine  Majestät  der  Kaiser  geantwortet:

"Ich  danke  Dir  für  Dein  Telegramm,  ich  habe  Deiner  Regierung  gestern
den  Weg  angegeben,  durch  den  allein  noch  der  Krieg  vermieden  werden  kann.  Obwohl
  ich  um  eine  Antwort  für  heute  mittag  ersucht  hatte,  hat  mich  bis  jetzt  noch  kein
Telegramm  Meines  Botschafters  mit  einer  Antwort  Deiner  Regierung  erreicht.  Ich
bin  daher  gezwungen  worden,  meine  Armee  zu  mobilisieren.  Eine  sofortige  klare  und
unmißverständliche  Antwort  Deiner  Regierung  ist  der  einzige  Weg,  um  endloses  Elend
zu  vermeiden.  Bis  ich  diese  Antwort  erhalten  habe,  bin  ich  zu  meiner  Betrübnis  nicht
in  der  Lage,  auf  den  Gegenstand  Deines  Telegramms  einzugehen.  Ich  muß  auf  das
ernsteste  von  Dir  verlangen,  daß  Du  unverzüglich  Deinen  Truppen  den  Befehl  gibst,
unter  keinen  Umständen  auch  nur  die  leiseste  Verletzung  unserer  Grenzen  zu  begehen."

Da  die  Rußland  gestellte  Frist  verstrichen  war,  ohne  daß  eine  Antwort
auf  unsere  Anfrage  eingegangen  wäre,  hat  Seine  Majestät  der  Kaiser  und  König
am  1.  August  um  5  Uhr  p.  m.  die  Mobilmachung  des  gesamten  deutschen  Heeres
und  der  Kaiserlichen  Marine  befohlen.  Der  Kaiserliche  Botschafter  in  Petersburg
hatte  inzwischen  den  Auftrag  erhalten,  falls  die  Russische  Regierung  innerhalb  der
ihr  gestellten  Frist  keine  befriedigende  Antwort  erteilen  würde,  ihr  zu  erklären,  daß
wir  nach  Ablehnung  unserer  Forderung  uns  als  im  Kriegszustand  befindlich  betrachten.
Ehe  jedoch  eine  Meldung  über  die  Ausführung  dieses  Auftrages  einlief,  überschritten
russische  Truppen,  und  zwar  schon  am  Nachmittag  des  1.  August,  also  desselben  Nachmittags,
  an  dem  das  eben  erwähnte  Telegramm  des  Zaren  abgesandt  war,  unsere
Grenze  und  rückten  auf  deutschem  Gebiet  vor.

Hiermit  hat  Rußland  den  Krieg  gegen  uns  begonnen.

Inzwischen  hatte  der  Kaiserliche  Botschafter  in  Paris  die  ihm  befohlene  Anfrage
  an  das  französische  Kabinett  am  31.  Juli  um  7  Uhr  nachmittags  gestellt.

Der  französische  Ministerpräsident  hat  darauf  am  1.  August  um  1  Uhr  nachmittags
  eine  zweideutige  und  unbefriedigende  Antwort  erteilt,  die  über  die  Stellungnahme
  Frankreichs  kein  klares  Bild  gibt,  da  er  sich  darauf  beschränkte,  zu  erklären,
Frankreich  würde  das  tun,  was  seine  Interessen  ihm  geböten.  Wenige  Stunden
darauf,  um  5  Uhr  nachmittags,  wurde  die  Mobilisierung  der  gesamten  französischen
Armee  und  Flotte  angeordnet.

Am  Morgen  des  nächsten  Tages  eröffnete  Frankreich  die  Feindseligkeiten.

Abgeschlossen  am  2.  August  mittags.