Metadata : Kriegsziele und Moral.

Weltreich,  das  ich  mir  geträumt  habe,  soll  darin  bestehen,
  daß  vor  allem  das  neuerschaffene  Deutsche
Reich  von  allen  Seiten  das  absoluteste  Vertrauen
als  das  eines  ruhigen,  ehrlichen  und  friedliebenden
  Nachbarn  genießen  soll,  und  daß,
wenn  man  dereinst  vielleicht  von  einem  deutschen
Weltreich  oder  einer  Hohenzollernweltherrschaft  in  der
Geschichte  reden  sollte,  sie  nicht  auf  Politik  gegründet
  sein  soll  durch  das  Schwert,  sondern
  durch  gegenseitiges  Vertrauen  der  nach  gleichen
Zielen  strebenden  Nationen.  Kurz  ausgedrückt,  wie  ein
großer  Dichter  sagt:  ‚Außenhin  begrenzt,  das  Innere
unbegrenzt‘.“®  Man  fühlt,  daß  es  ein  ernstes  sittliches
  Bewußtsein  ist,  das  sich  hier  für  immer  gegen
Gelüste  nach  Weltherrschaft  ausspricht.  Wie  nimmt
es  sich  dagegen  aus,  wenn  eine  katholische  Stimme
uns  jetzt  zuruft:  „Die  Einschüchterung  der  Nation
durch  die  Warnung  vor  ‚Napoleonischer  Politik‘  [im
Kampfe  gegen  England],  womit  es  deutsche  Schriftsteller
  alsbald  nach  Kriegsbeginn  versuchten,  war  verfrüht“?


Man  sagt  uns,  und  auf  den  Gassen  ist  es  zu  hören,
der  Friede  müsse  den  ungeheuern  Opfern,  die  das  Volk
gebracht  habe,  entsprechen.  Sicher  sind  uns  unermeßliche
  Opfer  an  Geld  und  Gut  auferlegt  worden.  Ein
voller  Ersatz  durch  Kriegsentschadigung,  soweit  er  erreichbar
  ist,  würde  deshalb  nur  der  Gerechtigkeit  entsprechen;
  das  versteht  sich  von  selbst.  Unvergleichlich
  größer  und  tiefer  treffend  sind  die  Opfer  an  Leben
und  Leid.  Wollte  einer  auf  die  alttestamentliche  Moral
des  „Auge  um  Auge,  Zahn  um  Zahn“  zurückgreifen,