Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1845. (22)

EIIIIIIIIIIIIIIIIIIII  21—23.)

monopols  für  Deutschland  und  vertheibigte  demselben  gegenüber  die  eingebrachte
  bundesräthliche  Vorlage,  welche  sich  auf  Erhöhung  der  bisherigen
Besteuerung  der  Einfuhr  und  des  einheimischen  Baues  von  Tabak  beschränkt,
wobei  sie  für  lehteren  die  Gewichtssteuer  an  die  Stelle  der  jenigen  Flächensteuer
setzt.  Aber  zugleich  betont  der  Minister  schon  sofort,  daß  auch  für  diejenigen,
  welche  das  ergiebigere  Monopol  als  ihr  Ziel  betrachten,  die  Vorlage
als  „vorbereitender“  Schritt  sehr  annehmbar  sein  würde,  und  schließlich,  am
zweiten  Tage,  nachdem  am  Schluß  der  ersten  Sitzung  Fürst  Bismarck  es
gerade  herausgesagt  hatte,  daß  sein  Ziel  allerdings  das  Tabakmonopol  a,
erklärte  dann  auch  Camphausen,  daß  auch  er  das  Monopol  als  Ziel  betrachte
  und  dasselbe  schon  in  einer  Denkschrift  vom  17.  Februar  1877  als
solches  bezeichuet  habe.  Damit  war  denn  über  den  öffentlichen  Standpunkt
des  Bumdeeraths  wohl  schon  weit  hinausgegangen,  dagegen  in  danlenswerther

Weise  der  bis  dahin  verhüllte  Standpunkt  der  eigentlichen  Urheber  der  vorliegundene
  Steuergesekentwürfe  bedeutsam  enthüllt.  —  Von  den  Hauptparteien
des  Hauses  kam  zuerst  in  Herrn  v.  Helldorf  die  lonservative  Partei
zum  Wort.  Herr  v.  Helldorf  verwirft  die  Stenervorlagen  als  „ungenügend“
und  steuert  auch  seinerseils  ersichtlich  auf  das  Tabakmonopol  los.  Er  meint,
die  vorgelegle  Erhöhung  der  Tabalsleuer  schädige  die  Industrie  und  drohe
den  Tabakbau  zu  vernichten,  ohne  ein  genügendes  Rejultat  zu  erzielen.
Man  müsse  freilich  vor  Allem  Tabak  als  entbehrliches  Genußmittel  berauziehen,
  auch  eine  Schanksteuer  werde  als  Finanzquelle  möglich  sein,  eben  so
eine  Reform  des  Zolltarifs  im  finangiellen  Sinne  durch  Vereinfachung  des  Tarifs
  des  Verfahrens  und  Hervorhebung  der  besonders  geeigneten  Finanzobjekte.
  In  Betreff  der  von  liberaler  Seile  slets  bekonten  polikischen  Vorbedingungen
  urtheilt  der  konservative  Redner,  die  konstitutionellen  Bedenken
gegen  Beschaffung  der  Reichseinnahmen  aus  Verbrauchestenern  und  Zöllen
theile  er  nicht.  Den  Schutz  des  Verfassungelebens  allein  in  jährlicher  Stenerbewilligung
  zu  suchen,  sei  eine  veraltete  Anschauung.  Bei  den  jetigen  allseitig
  gutgeheissenen  Zuständen  liege  das  Hauptgewicht  in  der  Ausgabebewilligung
  und  Mitwirkung  der  Kontrole  des  Reichstags  bei  der  gesammten
Finanzverwaltung.  Von  den  folgenden  Nednern  ans  den  Reihen  der  Konservativen
  spricht  sich  Herr  v.  Kardorff  ganz  ähnlich  aus.  Auch  er  verlangt
Steuergesetze,  die  einen  höheren  Betrag  erwarlen  lassen  als  die  vorgelegten,
namenklich  auch  noch  „Schutzzölle“  neben  der  Tabakbestenerung,  um  solche
Erträge  für  das  Reich  zu  erzielen,  daß  dieses  „davon  die  Eingelstaalen  dotiren
  könne".  Ganz  offen  erllärt  Herr  v.  Wedell  Malchow,  er  für  seine
Person  sei  ein  Anhänger  des  Monopols;  wenn  die  Vorlage  indeß  ein  vorbereitender
  Schritt  zu  dem  Monopol  sein  soll,  so  finde  er  es  wenig  loyal,
vor  der  Einführung  desfelben  die  Tabalbauer  zu  ruiniren.  Hinsichtlich  der
Sleuerreform  sei  er  zu  einer  Transaktion  bereit,  diese  habe  jedoch  nicht  im
Reichstag,  sondern  im  Landtag  zu  geschehen.  Nach  jeiner  Ansicht  bleibe  kein
anderes  Mittel  zur  Regelung  der  Tabakfrage  über,  als  die  Einbringung
einer  Vorlage  zur  Einführung  des  Monopols.  Dasselbe  erklärt  auch  Herr
v.  Varnbüler.  Ueber  diesen  Standpunkt  der  Konservativen  war  man  übrigens
  schon  unterrichtet  durch  die  Verhandlungen  in  der  am  14.  Februar  abgehaltenen
  General-Versammlung  der  „Stener=  und  Wirthschaftsreformer"
und  durch  die  fast  gleichzeitige  Resolution  des  „9.  Kongresses  der  deutschen
Landwirthe“,  welche  laulet:  „Eine  gründliche  Steuerreform  in  den  Einzelstaaten
  ist  nur  durch  finanzielle  Stärlung  des  Reichs  und  Beseitigung  der
Matrikularbeiträge  zu  erreichen.  Dies  hat  zu  geschehen  durch  Erweiterung
und  Ausdehnung  der  indirelten  Abgaben,  vor  Allem  durch  Einführung  des
Tabaksmonopols,  das  sich  vor  allen  Arten  der  Tabakbestenerung  für  Deutschland
  am  besten  eignet.“  —  Gleich  nach  Herrn  v.  Helldorf  nahm  als  Redner