Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

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den  irgendwo  für  den  Reichstag  bestimmte,  gemeinsame  Forderungen
  formuliert.  Im  grolsen  und  ganzen  hat  sich  unter  den
deutschen  Reichsständen  eine  scharfe  Scheidung  in  kirchlich-politische
  Parteien  noch  nicht  vollzogen.

Das  aber  war  auf  der  einen  Seite  —  indem  die  Zersplitterung
nunmehr  noch  gröfser  erscheinen  mulste,  als  wenn  eine  solche  bestimmte
  Gruppierung  für  oder  wider  Luther  bereits  stattgefunden
hätte  —  für  die  Aussichten  auf  Erhaltung  oder  Wiederherstellung
der  kirchlichen  Einheit  in  der  Nation  nicht  günstig.  Allein  andererseits
  war  doch  auch  wieder  unter  diesen  Umständen  eine  Annäherung
  zwischen  den  einzelnen  Reichsgliedern  —  zumal  auf  Grundlage
  der  fast  überall  verbreiteten  Erkenntnis,  dafs  der  bestehende
Zustand  in  Kirche  und  Staat  in  hohem  Mafse  reformbedürftig  sei,
sowie  überhaupt  unter  dem  Einflusse  der  unklaren,  chaotischen
Verhältnisse  im  Reiche,  die  seit  langem  schon  einer  Klärung  und  Entwirrung
  entgegendrängten,  —  eher  denkbar,  als  wenn  die  vorhandenen
  Gegensätze  sich  als  Parteisymbole  bereits  fixiert  gehabt
haben  würden.  Man  sieht:  entschieden  war  noch  nichts;  noch
kam  alles  auf  die  fernere  Entwicklung  der  Dinge  im  Reiche  an,
zunächst  also  und  vor  allem  auf  den  Verlauf  und  das  Ergebnis  des
Reichstages,  an  dessen  Darstellung  wir  nunmehr  herantreten.