Full text : Bei den Fahnen des III. Armeekorps von Metz bis le Mans.

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Alarmsignal  in  dieser  angenehmen  Beschäftigung  unterbrach  und
mich  zwang,  die  nun  einmal  requirierte  Kuh  ungeschlachtet
mitzunehmen  und  zur  Bataillonsbagage  abzuliefern,  um  sie
wenigstens  in  Reserve  zu  behalten.  Seit  mehreren  Tagen  hatten
wir  uns  nur  so  en  passant  verpflegen  können  und  einsehen
lernen,  daß  das  Essen  eine  Nebensache  sei.  Besonders  empfindlich
  war  der  Mangel  an  Brot,  das  vollständig  fehlte,  und  mit
ihm  die  Möglichkeit,  unterwegs  den  knurrenden  Magen  zu  befriedigen.
  Wir  Offiziere  sowohl  wie  unsere  Leute  hatten  am
vorhergehenden  Tage  vollständig  gehungert,  ich  persönlich  ausschließlich
  von  einem  Stück  Schokolade  gelebt,  das  ich  vorsichtigerweise
  in  der  Tasche  hatte.

Die  6te  Division  rückte  auf  der  großen  Straße  Loury-Orleans,
  wir,  die  9te  Brigade  als  Avantgarde  vorgezogen,
querfeldein  links  der  Straße  in  der  Angriffsformation  gegen
Orleans  vor.  Es  war  ein  klarer,  heller  Wintertag,  ein  schneidender
  Ostwind  ließ  bei  einer  Kälte  von  mindestens  6  Grad
das  Mark  in  den  Knochen  gefrieren.  Von  Reiten  war  daher
keine  Rede,  sondern  wir  alle  zogen  vor,  zu  Fuß  zu  marschieren.
Bis  Mittag  fanden  wir  nirgends  Widerstand,  sondern  hörten
überall  die  Nachricht,  daß  der  Feind  teils  in  der  Nacht,  teils
mit  Tagesgrauen  eilig  abgezogen  sei.  Wohl  aber  hatten  wir
das  Glück,  in  einem,  allerdings  etwas  seitwärts  gelegenen  Dorfe,
das  uns  aber  so  einladend  aussah,  daß  wir  schleunigst  ein
Requisitionskommando  hinschickten,  mehrere  Brote  und  ein
Quantum  frischen  Hotten  zu  finden,  was  ein  vorzügliches  Frühstück
  für  unsere  ausgehungerten  Leute  abgab.  Leider  kam  auf
jeden  höchstens  ein  fingerbreites  Schnittchen  Brot,  und  was  ist
das  für  einen  brandenburgischen  Grenadiermagen!  Die  Kavallerie,
  die  vor  uns  streifte,  hatte  meistens  schon  alle  Vorräte
gewissenhaft  ausgekehrt.  So  war  uns  bald  nach  dem  Antreten
eine  starke  Ulanen-Patrouille  begegnet,  von  der  jeder  Reiter
ein  Brot  an  seine  Lanze  gespießt  hatte.  Im  Vorbeireiten
wurden  sie  von  meinen  Leuten  attackiert  und  waren  kameradschaftlich
  genug  gesinnt,  freundlich  mit  ihnen  zu  teilen  und
einige  Brote  fallen  zu  lassen.  Wie  wurden  nun  die  Glücklichen
beneidet,  die  so  ein  Stück  Brot  erbeutet  hatten!

Nachmittags  stieß  das  linke  Seiten-Detachement  der  Avant-