III. Häfen und Fahrrinnen nach dem Meere.
Durch die letzten Betrachtungen haben wir den Eindruck gewonnen,
daß der Bauplatz der hier behandelten Städte im ganzen ein
recht mangelhafter ist, und daß ihnen schon bei geringen Erweiterungen
in dem sumpfigen fluvialen Schwemmland nicht unbedeutende Hindernisse
entstehen mußten, daß ihre Ortslage also eine ungünstige ist
und y großem Gegensatze steht zu den Vorzügen ihrer Verkehrsage
!).
Dieser Eindruck wird noch erhöht, wenn wir bedenken, daß auch
ihre Häfen und die Zugänge zu denselben vom Meere her von Natur
im allgemeinen wenig günstige Beschaffenheit aufwiesen und erst durch
bedeutende künstliche Verbesserungen auf ihren jetzigen Zustand gebracht
werden konnten, der zum Teil noch nicht einmal den angestrebten
Idealen völlig entspricht.
Häfen sind vor allem dazu bestimmt, daß der Umschlag zwischen
Land- und Seeverkehr in ihnen stattfindet. Demnach ist ein Hafen
dann gut, wenn er diesen Verkehrsumschlag möglichst erleichtert, das
heißt, wenn in ihm die Bedingungen für die vollkommensten Seeverkehrsmittel
mit denen für die vollkommensten Landfahrzeuge so nahe aneinander
liegen, daß die Umladung der Waren eine direkte sein kann
und nicht vermittelnder Fahrzeuge bedarf, mit anderen Worten, wenn
das Wasser in einer Tiefe, die für große Seeschiffe fahrbar ist, an
eine Strecke Landes heranreicht, die fest genug ist, schwer belastete
Eisenbahnzüge zu tragen ?).
Unsere deutsche Küste nun erfreut sich solch günstiger Umstände
auf dem größten Teile ihrer Erstreckung nicht. Vielmehr bilden
ihre Watten und Sandbänke, ihre Deltas, Haffe und Strandseen einen
verkehrsfeindlichen Damm zwischen der See und dem festen Lande,
der selbst in den großen Strommündungen nicht völlig unterbrochen
ist. Wenn auch in diesen meist eine größere Annäherung von Landund
Seeverkehr möglich ist, so entsprechen doch auch hier die Verhältnisse
durchaus noch nicht den oben erwähnten notwendigen Be-!)
Vgl. F. Ratzel, Anthropogeographie II S. 489.
®2) Andererseits darf ein guter Hafen auch nicht zu tief sein, damit er überhaupt
einen Ankergrund bietet; außerdem müssen in ihm die Schiffe vor Stürmen
Schutz finden (vgl. OÖ. Krümmel, Die Haupttypen der natürlichen Seehäfen,
Globus Bd. 60 S. 542). Das Vorhandensein beider Erfordernisse versteht sich aber
für unsere deutschen Häfen, die m den Fiußmündungen weit landeinwärts liegen,
vollständig von selbst.