Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

547  darüber  —  Dasein.
Sinne  einzig  geblieben:  etwas  mit  grunden,  zeugen,
schlagenden  beweisen  darthun.

Darüber,  Zusammenrückung  von  ahd.  där  ubari  und
dara  ubari,  mhd.  da  uber  und  dar  uber,  zunächst,  je
nach  beigegebenen  Verben,  Weilen  über  einem  vorherbestimmten
  Orte  oder  Bewegung  über  folchen  ausdrückend;
  Verkürzung  zu  druber  und  Betonung  wie  bei
daran,  darauf  u.  a.;  neben  räumlicher  Bed.  auch  auf
Zustand,  Veranlassung,  Grund  hinweisend:  jist  die  arbeit
fertig  7  ioh  bin  eben  daruber  (druüber),  morgen  komme
ich  darüber;  daruber  streiten,  rechten;  da  ward  das
herz  des  königes  zu  Syrien  unmuts  dsruber  2.  Kön.  6,  11;
mit  dem  fräulein  daruber  zu  verhandeln  Benedix  rel.
Stud.  3,  16;  formelhaft:  es  gebt  alles  drunter  und
drüber:  bei  Maß=  und  Zahlenverhältnissen  ein  Mehr
bezeichnend,  eins  daruber;  sol  er  widergeben,  und  das
fünfte  teil  daruber  geben  3.  Mos.  5,  16;  was  druber
ist,  das  ist  vom  ubel  Matth.  5,  37;  dies  ist  unser
theil:  was  druber  ist,  bat  gott  sich  vorbehalten  Heyse
17,  12;  zeitlich,  indem,  während  der  Zeit:  druber
kommt.  der  muller  daher  trottirt  Hebel  2,  154;  relativ,
  =  worüber:  der  ich  dem  meer  den  sand  zum
ufer  setze,

.  darüber  es  nicht  gehen  musz  Jer.  5,  22;

so  fubr  ich  fort  zu  feuern,  daruber  mich  einige  cardieinem
  vorher  bezeichneten  andern  Orte  befindlich  (G

hane  und  herren  von  herzen  segneten  Goethe  Benv.
ell.  1,  7.

Darum,  Zusammenrückung  von  ahd.  där  umbi,  mhd.
dà  und  qdar  umbe,  Weilen  oder  Bewegung  um  einen
vorher  bestimmten  Ort  ausdrückend;  Verkürzung  zu  drum
aus  Grund  der  Betonung  darüm,  über  die  entgegengefetzte
  darum  (und  darum  räuber  und  mörder?  Sch  iller
Ränb.  Trauersp.  4,  17)  vgl.  daran,  darauf  u.  a.;  räumlich:
  wir  kamen  vor  das  hsus,  leute  standen  darum
(auch  darum  herum,  s.  das  letztere);  pflanzet  einen  weinberg
  und  füret  einen  zaun  drumb  Matth.  21,  33;  übertragen
  auf  Veranlassung,  Zweck  und  Grund  mit  entsprechenden
  Verben,  darum  bitten,  sich  muhen,  sorgen,
trauern,  sich  kummern;  geld  darum  geben;  kein  schlos:
darumb  zu  kaufen  begert  Simpl.  3,  23;  darum  gestraft
werden:  darum  kommen,  bringen,  sein;  er  ist  drum,
um  Geld,  Forderung  gekommen;  anders  sei  es  drum,
mag  es  sein;  es  sei  drum!  wir  wollen  einander  nicht
gekannt  haben  Lessing  Minna  4,  6;  ursächlich,  im  Anfange
  eines  Satzgliedes,  —  deshalb:  darumb  hute  dich
Sir.  13,  16;  darumb  solt  jr  volkomen  sein  Matth.  5,  48;
darum  dasz  =  weil:  darumb  das  ich  sage,  ich  bin
gottes  son  Jch.  10,  36;  in  volksmäßiger  oberdeutscher
Rede  auch  einfaches  darum  —  weil:  drum  waren  meine
ahnherrn  Taboriten  Schiller  Picc.  4,  5;  drum  hat  man
nicht,  aufs  feuer  acht  gegeben  Hebel  2,  106;  relativ  —
worum:  die  sache  darumb  jr  hier  seid  Ap.  Gesch.  10,  21;
ward  verwandelt  zur  krystallnen  schale,  drum  als
kranz  des  ufers  wälder  lägen  Geibel  2,  138.

Darunter,  Zusammenrückung  von  ahd.  dar  untari,
mhd.  dd  under,  der  under,  drunder,  Gegensatz  von  daruber
  (s.  d.),  Weilen  unter  einem  vorher  bestimmten  Raume,
Bewegung  unter  einem  solchen  ausdrückend,  Verkürzung
zu  drunter  und  Betonung  wie  bei  daran,  darauf  u.  a.;
neben  rein  räumlicher  Bed.  auch  zur  Bezeichnung  von
Gesellschast,  Mischung  (ich  sah  leute,  aber  er  war  nicht
darunter  oder  drunter;  wein  und  wasser  darunter  u.  a.),
Veranlassung,  Urfache  (meine  gesundheit  leidet  darunter);
  zur  Bezeichnung  eines  Weniger  bei  Maß=  und
Zahlverhältnissen:  gegenstände  im  wert  von  drei  mark
und  darunter;  ein  turm  in  der  ungefähren  höhe  von
dreiszig  metern,  eher  darunter  als  daruber;  relativ,
worunter:  alles  volk,  darunter  du  bist  2.  Mos.  34,  10;
in  den  bergen  und  hugeln,  darunter  sie  sicher  sind
Judith  7,9.  —  darvon,  darzu,  s.  davon,  dazu.

Das,  s.  der.
Dasein,  n.  als  Subst.  gebrauchter  Inf.  der  Verbindung
  da  sein  —  vorhanden  sein  (ogl.  unter  da),  Wort

thun  können

dafelbst  —  Datum.  548
der  philofoph.  Spr.,  bei  Chr  Wolff  gebraucht:  daher

sind  empfindungen  nothwendig,  sowohl  in  ansehung
ihres  daseins,  als  in  ansehung  ihrer  beschaffenheit  von
Gott  §  226;  in  Kirschs  Cornnc.  erssteneie  das  dasein
als  terminus  technologieus  bezeichnet;  später  für  das
fremde  Existenz  in  gewählter  Spr.  allgemein  geworden:
Vo  die  republik  Holland  noch  um  ihr  dasein  kämpfte
Schiller  7,  15;  das  dasein  und  die  denkweise  eines
auszerordentlichen  mannes  Goethe  DuW.  14;  die
Formel  kampf  ums  dasein  ist  die  durch  HGBronn  1860
ewirkte  Ubersetzung  der  Wendung  Darwins  struggle  for
tbe  life  in  dessen  Werk  origin  of  species,  nachher  zum
geflügelten  Wort  geworden;  der  staat.  in  seinen  harten
daseinskämpfen  Treitschke  2,  231.  Selten  und  jetzt
nicht  mehr  dasein  —  Dabeisein,  Gegenwart  Frisch.
Daselbst,  an  einem  vorher  bestimmten  Orte;  im  späten
Mhd.  da  selbes,  da  selbest,  bei  Luther  noch  häufig
da  selbes,  selbs,  daselbs  findet  man  gold  1.  Mos.  2,  11;
Aaron  starb  daselbs  oben  auf  dem  berge  4.  Mos.  20,  29;
bleib  (blieb)  nicht  lange  daselbs  Joh.  2,  12  u.  a.;  relativ
—  wofelbst:  daselbs  sie  dem  herrn  kein  trankopfer
Hos.  9,  4;  daselbst  er  sich  einf#nden
wolte  Simpl.  2,  305;  früher  auch  mit  Adverbien  der  Bewegung:
  liefen  daselbs  hin  Marc.  6,  33.  —  dasig,  an
e

ensatz
  hiesig,  s.  d.),  seit  17.  Ih.,  immer  aber  nicht  (ärzes

und  steif  klingendes  Wort:  die  dasige  leute  Stieler;
seine  dasigen  ersten  schicksale  Lessing  Brief  1774;
zeit  meines  dasigen  aufenthalts  Seume  m.  Somm.  140;
verschieden  von  einem  alten,  ausgestorbenen  dasig,  mhd.
däsic,  welches  dergleichen,  dieser  bedeutete.

Daß,  Conj.  zur  Anknüpsung  untergeordneter  Sätze
an  einen  Hauptsatz,  ahd.  mhd.  dag,  eigentlich  nur  das
Neutr.  des  Pronomens  der,  wie  auch  Luther  noch  das
gewährt,  die  Schreibung  dasz  kommt  erst  nach  der  Mitte
des  16.  Ih.  empor.  Es  steht  als  sog.  Satzartilel,  serner
vor  den  Sätzen  der  Folge,  Absicht,  Voraussetzung,  auch
als  so  dasz,  auf  dasz,  damit  dasz;  in  zeitlichen  Verbindungen
  indessen  dasz,  während  dasz;  im  Falle  der
Auslassung,  als  Verwünschung:  ei  dasz  dich!;  bei
Wünschen:  o  dasz  ich  tausend  zungen  hätte!;  im  Ansruf:
  dasz  wir  so  glücklich  sind,  sagte  er,  und  mein
schn  .  musz  feblen!  Schiller  4,  247;  kind,  kind!
dasz  ich  den  tag  meines  lebens  nicht  werth  war!  Kab.

5,  1;  u.  a.

Dattel,  #.  Frucht  der  Dattelpalme,  nach  der  länglichen
fingerähnlichen  Form  griech.  daktplos  genannt,  und  über
romanisches  Gebiet  zunächst  als  dactel,  auch  dachtel  (s.  d.),
dann  dattel  aufgenommen:  dacky###s  datteln,  dattel,
dactelbaum,  dahtilboum  Dief.;  datteln,  dattelkern,  die
frucht  vom  dattelbaum  Maaler;  wurz,  myrrben  und
datteln  1.  Mos.  43,  11;  ein  knabe  asz,  wie  viele  kuaben,
die  datteln  für  sein  leben  gern  Pfeffel;  auch  die
Dattelpalme  selbst:  die  dattel  wächst  in  Nordafrica.

Datum,  n.  Zeitangabe,  zunächst  einer  Urkunde  oder
eines  Briefes;  entnommen  dem  lat.  datum  —  gegeben,
ausgestellt,  welches  in  lat.  Urkunden  des  Mittelalters
vor  die  Zeitbezeichnung  gesetzt  und  seit  dem  15.  Ih.  auch
in  deutschen  Urkunden  ausgenommen  wurde;  datum  im
hundert  und  neun  und  sechzigsten  jar  2.  Macc.  1,  10;
data  ein  datum  an  (von)  einem  brief  Dief.;  urkunde
mit  falschem  datum;  brief  ohne  datum;  der  lat.  Dat.
dato  —  heute  in  steiser  Kanzlei=  und  Geschäftsspr.;  bis
dato,  bis  heute;  dazu  datieren,  Datum,  Zeitbestimmung
geben:  der  brief  ist  von  gestern  datiert;  freier:  unsere
bekanntschaft  datiert  nicht  erst  von  heute.  In  älterer
Spr.  hieß  datum  in  der  Formel  sein  datum  stellen,  setzen
auf  etwas  Vertrauen,  Gewißheit:  das  auch  Isaao  .sein
datum  setzt  auf  den  son  Esau  Luther  4,  1405;  es  soll
einsmals  ein  geiziger  burger  alles  sein  datum  sinn  und
gedanken  auf  die  bienen  oder  immen  gesetzet  haben
Praetorius  Katzenveit  G  3°.  .