Full text : Die Gründung des Deutschen Ordenstaates in Preußen.

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Paͤpsten  nicht  schwer  fallen  zu  einer  Zeit,  in  der  ihre  Weltherrschaft
den  höchsten  Gipfel  erreicht  hatte.  Eine  Reihe  der  umfassendsten  Verfügungen,
  wie  sich  keine  andere  Genossenschaft  deren  erfreute,  ging
von  Rom  aus  durch  die  christlichen  Lande,  alle  dazu  bestimmt,  den
deutschen  Orden  auf  Kosten  der  Christenheit  zu  Reichthum  und  Macht
zu  erheben.  !)  Es  war  ein  Wendepunkt  in  seiner  Geschichte.  Jetzt
sollte  er  jene  einflußreiche,  feste  Stellung  gewinnen,  die  ihn  zu  seiner
großen  politischen  Wirksamkeit  im  Abendlande  selbst,  zur  Gründung
einer  Landesherrschaft  in  Preußen  befähigte.

Wenn  man  die  Bullen  der  Päpste,  insbesondere  Honorius  III.
liest,  so  gelangt  man  zu  der  Einsicht,  daß  ihre  Verfasser  von  keinem
  Orden  für  das  Heil  Palästina's  so  viel  hofften,  wie  von  dem
der  deutschen  Ritter,  keinen  so  wie  diesen  zur  mächtigen  Schutzwehr
des  Abendlands  gegen  den  Islam  auserkoren  hatten.  Um  die  ungeheueren
  Summen  zu  erschwingen,  die  die  Kriegführung  im  fernen
Lande  jenseits  des  Meeres  erforderte,  riefen  sie  alle  christlichen  Länder
  auf  zu  frommen  Spenden  und  Vermächtnissen,  und  die  Opferfreudigkeit
  der  Gläubigen  jedes  Standes  säumte  nicht,  sich  der  Pflicht
gegen  das  bedrängte  Grab  des  Heilandes  auf  solchem  Wege  mit
reichlichen  Gaben  zu  entledigen.  Alljährlich  zogen  Ordenspriester,
mit  päpstlichen  Briefen  versehen,  durch  ganz  Europa,  um  Kollekten  zu
halten,  und  an  Alle  war  der  Befehl  von  Rom  ergangen,  ihre  Ankunft
in  den  Städten  und  Klöstern  wie  die  Ankunft  von  Engeln  als  ein
segenbringendes  Ereigniß  mit  Glockengeläute  und  fröhlichem  Jubel
zu  begrüßen.  Ueberall  bildeten  sich  Halbbruderschaften  des  deutschen
Ordens,  deren  Mitglieder,  durch  die  von  den  Päpsten  in  Fülle  verheißenen
  Gnaden  und  Ablässe  bewogen,  sich  zu  regelmäßigen  Gaben,
zur  persönlichen  Beförderung  der  Kollekten  und  schließlich  zur  testa- 



1)  Vergl.  die  päpstlichen  Bullen  bei  Duellius,  hist.  ord.  Theut.  Viennae
1727.  und  Voigt,  Gesch.  Preußens  Bd.  II.  S.  1—120.