Metadaten : Kriegsamtliche Mitteilungen und Nachrichten. Nr. 14-28 (2)

2.  Spanien.

21.  Jan.  Die  progressistisch-radicale  Partei  der  Cortes  beschließt  einstimmig,
ihren  Führer  Ruiz  Zorilla  zu  ihrem  Candidaten  für  das  Präsidium
des  Hauses  zu  machen  und  damit  wo  möglich  eine  Entscheidung  gegenüber
  dem  progressistisch-conservativ-unionistischen  Ministerium  Sagasta
herbeizuführen.

Zorilla  erklärt  in  einer  Rede,  es  sei  öffentlich  bekannt,  daß  das  Ministerium
Sagasta  beabsichtige,  nicht  zuerst  die  Wahl  eines  Präsidenten  auf  die  Tagesordnung
  setzen  zu  lassen,  um  seinen  gegenwärtigen  Einfluß  in  den  Cortes  durch
deren  Bureau  zu  bewahren  für  den  Fall,  daß  die  Abstimmung  über  eine
andere  Frage  es  nöthigen  sollte,  seine  Enmlassung  zu  nehmen;  man  müsse
daher  auf  augenblickliche  Vornahme  der  Präsidentenwahl  dringen,  wozu  die
Ordnung  des  Hauses  genügenden  Anhalt  biete.  „Es  wird  kein  Beschluß  gefaßt
  werden,  das  verbürge  ich  euch,  ehe  die  Präsidentenfrage  gelöst  ist.  Ich
weiß  nicht,  was  die  Regierung  dann  thun  wird,  denn  ich  vermag  nicht  in  die
dunkle  Tiefe  ihres  Gewissens  zu  schauen;  doch  wenn  aus  ihrer  Niederlage  keine
Krisis  hervorgeht,  wenn  sie  die  Gewalt  nicht  vor  den  Stufen  des  Thrones
niederlegt,  der  ihr  dieselbe  übertragen  hat,  so  möge  sie  im  Voraus  wissen,
daß  ihr  die  Mehrheit  der  Kammern  nebst  ihren  Präsidenten  gegenüber  stehen
wird.  Wenn  dagegen  der  Monarch  uns  berufen  sollte,  um  unseren  Rath  zu
vernehmen,  so  werden  wir  ihm  die  Wahrheit  sagen,  die  volle  Wahrheit.
Wir  müssen  diesen  Kreis  von  kleinlichen  Nichtswürdigkeiten  und  Verleumdungen
durchbrechen,  in  dem  unsere  Feinde  uns  einzuschließen  trachten,  indem  wir  zeigen,
daß  wir  uns  wie  immer  um  den  Thron  schaaren  als  sein  festestes  Bollwerk.
Werden  wir  besiegt,  so  laßt  uns  ohne  uns  zu  ereifern,  ohne  zu  Überstürzen
und  ohne  Übereilte  Verabredungen  zu  treffen,  die  unberechenbare  Folgen  haben
könnten,  unsere  Partei  zusammen  berufen  und  das  Geeignete  beschließen.  Ohne
irgendwie  den  hohen  Gerechtsamen  der  Krone  zu  nahe  zu  treten,  glauben  wir,
daß  die  progressistisch-democratische  Partei  ein  Anrecht  hat,  die  Geschicke  unseres
Vaterlandes  zu  leiten.  Wenn  wir  uns  irren,  wenn  die  Regierung  nicht  unseren
  Händen  anvertraut  wird,  wenn  wir  nicht  berufen  werden,  die  Politik
durchzuführen,  deren  das  Land  nach  unserer  Meinung  bedarf,  so  ist  wenig
daran  gelegen;  wir  werden  dann  zu  den  Wahlversammlungen  gehen,  uns  entschlossen
  in  den  gesetzlichen  Kampf  stürzen,  und  früher  oder  später  wird  der
Triumph  unser  sein.  Wenn  man  uns  bei  den  Wahlen  Hindernisse  in  den
Weg  legt,  wenn  wir  die  vollkommene  Ueberzeugung  gewinnen,  daß  es  unmöglich
  und  unsinnig  ist,  gegen  Ungesetzlichkeiten  und  Gewalthtätigkeiten  zu  kämpfen,