Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1865. (42)

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Kapital  gewonnen  werden,  das  im  Ausland  angelegt  ist.  Dieser  Fins
kann  vom  Ausland  nur  in  Waren  bezahlt  werden  und  muß  darum  der
Masse  indirekt  zugute  kommen,  da  die  Aristokratie  nicht  imstande  ist,
das  erworbene  Güterquantum  für  sich  zu  verbrauchen,  so  sehr  sie  das
auch  möchte.  Dieser  von  Bernstein  hervorgehobene  Gesichtspunkt  ist  sehr
wichtig.  Der  einzelne  Kapitalist  arbeitet  natürlich  nur  für  seinen  Hrofitt,
aber  mit  oder  ohne  Willen  ist  er  ein  Organ  der  ganzen  Dolkswirtschaft.
Er  sitzt  an  der  Quelle  und  trinkt  zuerst,  aber  er  kann  es  nicht  hindern,
daß  Ströme  wirtschaftlichen  Wassers  durch  seine  Dände  weiterfließen.  Die
relativ  gute  Lebenslage  der  höheren  englischen  Arbeiter  gründet
sich  wesentlich  mit  auf  den  Weltkapitalismus  Englands.

Von  dieser  Erkenntnis  aus  muß  die  Demokratie  in  ihrer  Gesamtheit
für  alles  eintreten,  was  die  kapitalistische  Wirtschaftsentwickelung  in
ihrem  Geschichtsgange  fördert.  Dazu  gehört  unzweifelhaft  die  Kriegsflotte.
  Englands  Handelsmacht  hat  sich  eine  alle  Meere  beherrschende
Riesenflotte  gebaut.  Tut  das  der  Engländer  aus  Mangel  an  Sachkenntnisd
  Wenn  man  liest,  wie  vielfach  die  Sozialdemokratie  die
deutsche  Flotte  bekämpft,  dann  fragt  man  sich,  wie  sie  sich  die  Tatsache
der  englischen  Flotte  erklärt.  Entweder  England  war  grenzenlos  dumm,
daß  es  sich  solche  zwecklosen  Ausgaben  machte,  oder  es  folgte  einer  sachlichen
  Totwendigkeit.  Im  letzteren  Falle  beginnt  dieselbe  sachliche  Not—
wendigkeit  für  uns  zu  bestehen,  es  sei  denn,  wir  wollten  uns  einfach
dem  internationalen  Imperialismus  der  Engländer  fügen.  In  der  Idee
zwar  kann  man  ein  Geitalter  des  Freihandels  sich  denken,  das  weder
unter  englischer  noch  unter  anderer  politischer  Dormacht  steht.  In  Wirklichkeit
  ist  aber  ein  Gustand  der  vollen  Handelsfreiheit  stets  nur  ein
Jdeal  der  Mächtigen,  die  das  Meer  beherrschen.  Wollen  wir  freien
Dandel  anstreben,  so  müssen  wir  ihn  gegen  englischen  Imperialismus
und  gegen  die  Sollpolitik  aufstrebender  kleinerer  Wirtschaftsmächte  behüten
können.  Im  anderen  Falle  dienen  wir  mit  unserer  politischen  Selbstschwächung
  nur  der  vorhandenen  ersten  Weltmacht,  die  sich  die  Erdkugel
als  englisches  Interessengebiet  denkt.  England  walten  zu  lassen,  ist  international
  richtig  gedacht.  Wer  kein  Gewicht  auf  das  Deutschtum  legt,
der  kann  ja  die  Illenschheitszukunft  in  englische  Dände  legen  wollen.