444
sich anfangs einige Staͤdte, oder sie sparten sich vielmehr
dadurch für künftige noch härtere Pruͤfungen. Welcher Jammer
in Tuͤbingen gewesen seyn muß, das sich zwar anfangs
durch einen erstgedachten Schirmbrief erhielt, auch
wirklich vom kaiserlichen General, dem beruͤhmten Johann
von Werth, gnaͤdigen Schutz genoß, aber die Pfaffen, welche
gleich nach der Noͤrdlinger Schlacht wie ehmals verscheuchte
Voͤgel in ihre Nester zuruͤckeilten, suchten jede Gelegenheit,
jetzt nachdruͤcklicher zu polemisiren, als es ehmals von Dillingen
aus hatte geschehen koͤnneu, und die evangelischen
Prediger und Professoren glaubten doch nicht verbunden zu
seyn, waͤhrend daß die Stadt von kaiserlichen Voͤlkern besetzt
war, auf der Kanzel gegen die Katholiken zu schweigen.
Einst bekamen daselbst in der oͤffentlichen Kirche ein evangelischer
Prediger und ein katholischer Geisilicher Streitigkeiten
mit einander, es kam vor der Gemeine von Worten zu
Schlaͤgen, zum Gluͤck des siegenden evangelischen Predigers
war der kaiserliche General unpartheiisch 9). Keiner der dasigen
Professoren der Theologie war seines Lebens sicher,
und nur eine gütige Vorsehung wandte durch augenblickliche
gute Zufille die augenscheinlichsten Gefahren ab 26), Inner=")
Sattler, VII. Th. S. 117.
*2) Um diese geit predigte einmal der alte Canzler Lukas Osiandder,
in der Stiftskirche zu Tübingen, und mag vielleicht etwas
ernstlich polemisirt haben. Ein Soldat rief ihm auf die
Kanzel hinauf: „Warum predigst du nicht Gottes
Wort,“ rannte auch urplötzlich mit gezogenem Degen die Kanzel
hinauf, und Öslander, dem seine Zuhörer gleich riefen, entgieng
kaum dem Hiebe. Der alte sechs und sechzigiährige Theolog
stieh den Soldaten binab, schleppre ihn ins Freie bis vor
den Altar hin, wo die Weiber alle über ihn herfielen, und ihn
mit ihren Fäusten und Holzstucken jämmerlich bezeichneten. Acta
Jubil. II. Acad. Tubing. pag. 93. und Fischlin memor. Theolog.