Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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sich  anfangs  einige  Staͤdte,  oder  sie  sparten  sich  vielmehr
dadurch  für  künftige  noch  härtere  Pruͤfungen.  Welcher  Jammer
  in  Tuͤbingen  gewesen  seyn  muß,  das  sich  zwar  anfangs
  durch  einen  erstgedachten  Schirmbrief  erhielt,  auch
wirklich  vom  kaiserlichen  General,  dem  beruͤhmten  Johann
von  Werth,  gnaͤdigen  Schutz  genoß,  aber  die  Pfaffen,  welche
gleich  nach  der  Noͤrdlinger  Schlacht  wie  ehmals  verscheuchte
Voͤgel  in  ihre  Nester  zuruͤckeilten,  suchten  jede  Gelegenheit,
jetzt  nachdruͤcklicher  zu  polemisiren,  als  es  ehmals  von  Dillingen
  aus  hatte  geschehen  koͤnneu,  und  die  evangelischen
Prediger  und  Professoren  glaubten  doch  nicht  verbunden  zu
seyn,  waͤhrend  daß  die  Stadt  von  kaiserlichen  Voͤlkern  besetzt
  war,  auf  der  Kanzel  gegen  die  Katholiken  zu  schweigen.
Einst  bekamen  daselbst  in  der  oͤffentlichen  Kirche  ein  evangelischer
  Prediger  und  ein  katholischer  Geisilicher  Streitigkeiten
  mit  einander,  es  kam  vor  der  Gemeine  von  Worten  zu
Schlaͤgen,  zum  Gluͤck  des  siegenden  evangelischen  Predigers
war  der  kaiserliche  General  unpartheiisch  9).  Keiner  der  dasigen
  Professoren  der  Theologie  war  seines  Lebens  sicher,
und  nur  eine  gütige  Vorsehung  wandte  durch  augenblickliche
gute  Zufille  die  augenscheinlichsten  Gefahren  ab  26),  Inner=")

  Sattler,  VII.  Th.  S.  117.
*2)  Um  diese  geit  predigte  einmal  der  alte  Canzler  Lukas  Osiandder,
  in  der  Stiftskirche  zu  Tübingen,  und  mag  vielleicht  etwas
  ernstlich  polemisirt  haben.  Ein  Soldat  rief  ihm  auf  die
Kanzel  hinauf:  „Warum  predigst  du  nicht  Gottes
Wort,“  rannte  auch  urplötzlich  mit  gezogenem  Degen  die  Kanzel
  hinauf,  und  Öslander,  dem  seine  Zuhörer  gleich  riefen,  entgieng
  kaum  dem  Hiebe.  Der  alte  sechs  und  sechzigiährige  Theolog
  stieh  den  Soldaten  binab,  schleppre  ihn  ins  Freie  bis  vor
den  Altar  hin,  wo  die  Weiber  alle  über  ihn  herfielen,  und  ihn
mit  ihren  Fäusten  und  Holzstucken  jämmerlich  bezeichneten.  Acta
Jubil.  II.  Acad.  Tubing.  pag.  93.  und  Fischlin  memor.  Theolog.