Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Souveränetat  im  Herzogthum  Preußen.  Dies  war  dem  Kurfuͤrsten  zu  wenig,
und  so  zerschlugen  sich  daher  die  Unterhandlungen.

Das  Scheitern  dieser  Hoffnung  hielt  den  König  nicht  von  seiner  Unternehmung
  zurück.  Im  Sommer  1655  brach  der  schwedische  Marschall  Wittenberg
mit  17,000  Mann  von  Stettin  auf  und  drang  nach  friedlichem  Zuge  durch  das
brandenburgische  Pommern  und  die  Neumark  in  Großpolen  ein.  In  kurzer
Zeit  war  das  ganze  Land  in  seinen  Händen;  denn  bei  dem  gänzlichen  Mangel
an  Einigkeit  war  an  erfolgreichen  Widerstand  nicht  zu  denken,  obgleich  das
Heer  der  angegriffenen  Palatinate  sich  auf  34,000  Mann  belief.  Letzteres  im
Gegentheil  begab  sich  und  das  Land  in  schwedischen  Schutz.  Bald  folgte  Litthauen
  diesem  Beispiele,  da  die  Russen  von  Osten  her  drängten;  auch  Warschau
siel  dem  König,  welcher  mit  Verstärkungen  aus  Schweden  angelangt  war,  als
Beute  anheim.

Ein  so  grenzenloser  Erfolg  der  schwedischen  Waffen  lag  außer  aller  Berechnung,
  und  brachte  daher  den  Kurfürsten  in  große  Verlegenheit.  Ueberdies
säumten  auch  die  Generalstaaten,  welche  in  Folge  eines  Schutzbündnisses  ihm
für  den  Fall  des  Angriffs  auf  seine  Staaten  4000  Mann  Hülfstruppen  und
16,000  Thaler  monatliche  Hülfsgelder  versprochen  hatten.  Dessenungeachtet  hiel
ten  sie  nicht  nur  diese  Unterstützung  zurück,  sondern  verweigerten  ihm  auch  ein
Darlehn  von  200,000  Thalern,  dessen  er  bedurfte,  um  seine  Rüstungen  besser
betreiben  zu  können.  Man  hielt  ihn  nämlich  im  Geheimen  für  einverstanden
mit  dem  Könige  von  Schweden,  und  in  diesem  Falle  wären  natürlich  die  Holländer
  die  Betrogenen  gewesen.

Da  der  König  zwar  immer  noch  wegen  eines  Bündnisses  unterhandelte,
aber  bei  weitem  weniger  als  früher  bot,  und  außerdem  noch  die  Häfen  Memel
und  Pillau  verlangte,  so  wendete  sich  Friedrich  Wilhelm  in  seiner  Noth  an  den
Kaiser  Ferdinand  II.  Anfangs  wollte  er  Preußen  als  Lehn  vom  Reiche  annehmen,
  dann  sogar  dem  Sohne  des  Kaisers  die  polnische  Krone  verschaffen,  da
Johann  Kasimir  das  Land  verlassen  und  in  dem  Fürstenthum  Oppeln,  welches
er  pfandweise  besaß,  Zuflucht  gesucht  hatte.  Das  königliche  Preußen  nebst  Pommerellen
  sollte  ihm  dagegen  als  Souverän,  doch  mit  der  Bedingung  des  Rückfalls
  an  Oestreich  nach  Aussterben  seines  Hauses  in  männlicher  und  weiblicher
Linie  zugesichert  werden.  Doch  auch  hier  fand  er  nicht  den  gewünschten  Anklang.

Während  dieser  Verhandlungen  war  Friedrich  Wilhelm  keinen  Augenblick
unthätig  geblieben.  Sein  Heer  hatte  er  jetzt  bis  auf  27,000  Mann  gebracht.
Der  größte  Theil  desselben  ging  unter  dem  Oberbefehl  des  Generalfeldzeugmeisters
von  Sparr  durch  Hinterpommern  nach  dem  Herzogthum  Preußen;  er  selbst  rückte
mit  8000  Mann  trotz  aller  Abmahnungen  des  schwedischen  Feldmarschalls  Wittenberg
  in  das  königliche  Preußen  ein,  wo  die  Stände  so  eben  in  Marienburg
versammelt  waren.  Auf  seine  Versicherung,  daß  er  mit  20,000  Mann  zum
Schutze  des  Landes  bereit  stände,  übertrug  man  ihm  die  Leitung  des  Kriegswesens,
  und  versprach  in  kurzer  Frist  4000  Mann  zur  Vertheidigung  des  Landes