Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1843. (20)

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zur  Anschuldigung  gehört,  geläugnet  wird;  so  gilt  das  Geständnig  gegen  den  Bekennenden  nur
mit  der  beigesügten  Einschränkung,  so  lange  die  Unwahrheit  der  letzteren  nicht  außer  Zweifel
gesetzt  ist.

Wenn  der  Angeschuldigte  zwar  das  Verbrechen  vollständig  bekannt,  sich  aber  dabei  auf
eine  besondere,  die  Strafbarkeit  aufhebende  oder  mindernde.  Thatsache  berufen  hat;  so  kommt
ihm  eine  solche  Einrede  zu  Statten,  wofern  dieselbe  genügend  unterstützt  ist.

Art.  502.

Der  Widerruf  eines  vollgültigen  Bekenntnisses  hebt  dessen  Beweiskraft  nicht  auf,  wofern
nicht  durch  die  zu  seiner  Unterstützung  geltend  gemachten  Umstände  die  Unwahrheit  des  abgelegten
  Geständnisses  wenigstens  bis  zur  Wahrscheinlichkeit  dargethan  wird.

Dieß  geschteht,  wenn  befriedigende  Ursachen  zu  Ablegung  eines  unwahren  Geständnisses
angegeben  werden  und  zugleich  nachgewiesen  ist,  raß  die  Umstände,  welche  diesem  zur  Unterstütung
  gereicht  haben,  nicht  entgegenstehen,  oder  daß  sie  falsch  sind,  over  wenn  scch  zeigen
läßt,  doß  das  Geständniß  mit  anderen  wahr  befundenen  Umständen  nicht  vereinbar  ist.

Viertes  Kapitel.
Von  dem  Beweise  durch  Zeugen.
Art.  503.

Eine  Zeugen-Aussage  kann  nur  dann  als  vollgültig  betrachtet  werden:

1)  wenn  sie  vor  dem  an  sich  zuständigen  (vergl.  auch  Art.  35.)  oder  um  die  Vernehmung
  des  Zeugen  ersuchten,  gehörig  besetzten  Gerichte  abgelegt  und  fidlich  bekräftigt
ist;  doch  kann  auch  eine  in  den  Fällen  ves  Art.  449.  durch  die  Dienst-Behörde  oder
auf  deren  Anordnung,  oder  unter  den  Voraussetzunen  des  Art.  19.  Zif.  1.  und
Art.  20.  von  der  Polizei-Behörde  in  förmlicher  Weise  zu  Protokoll  genommene
Zeugen-Aussage  zum  Beweise  des.  Daseyns  des  Verbrechens  oder  einzelner  auf  die
Person  des  Schulvigen  oder  die  Zurechnung  sich  beziehender  Umstände  dienen;

2)  wenn  das  Zeugniß  deutlich  und  bestimmt  ist,  auf  eigener  sinnlicher  Wahrnehmung
beruht  und  mit  sch  selbst  nicht  im  Widerspruche  steht;

5)  wenn  nach  den  persönlichen  Eigenschaften  und  Verhältnissen  des  Zeugen  kein  Grund
zu  der  Besorgniß  vorhanden  ist,  daß  er  die  Wahrheit  nicht  sagen  könne  oder  nicht
sagen  wolle.