Full text : Lehrbuch des Bayerischen Verfassungsrechts.

Der  Bundesrath.  F.  230.  597

II.  Der  Bundesrath.

8.  230.

1)  Busammensetzung  und  Organisation.

1)  Der  Bundesrath  bildet  sich  aus  den  Vertretern  1)  der
Mitglieder  des  Bundes,  und  zwar  hat  jedes  Bundesglied  das  Recht,
wenigstens  Einen  Vertreter  zu  ernennen;  die  Bundesglieder,  welchen
mehr  als  Eine  Stimme  zusteht,  können  soviele  Bevollmächtigte
zum  Bundesrathe  abordnen,  als  sie  Stimmen  haben.  Ein
Zwang,  überhaupt  Vertreter  in  den  Bundesrath  zu  schicken,  ist
in  der  Reichsverfassung  nicht  statuirt.  —  Das  Rechtsverhältniß
der  Mitglieder  des  Bundesrathes  zu  ihren  Committenten  ist
das  von  Bevollmächtigten,  welche  nach  Maßgabe  ihrer  Instruction
zu  stimmen  verpflichtet  sind.  —  Eine  Bestimmung  über  die
OQualification  zum  Bundesrath  ist  in  der  Verfassung  nicht  enthalten;
  jede  Regierung  hat  daher  freie  Wahl.  Nur  Eine  Beschränkung
  findet  sich  in  der  Reichsverfassung,  2),  wonach  Niemand
zugleich  Mitglied  des  Bundesrathes  und  des  Reichstags  sein  kann.

2)  Die  Stimmenvertheilung  im  Bundesrath  schließt  sich
in  der  Hauptsache  an  die  Bestimmungen  des  alten  Bundesrechtes
  3)  über  die  Stimmberechtigung  im  Plenum  der  Bundesversammlung
  an  und  es  hat  hiernach

Preußen  (4)  mit  den  Stimmen  der  incorporirten  Staaten
Hannover  (4),  Kurhessen  (3),  Holstein  (3),  Nassau  (2)  und
Frankfurt  11).  17  Stimmen,

Bayhhen  6  „

Sachsen  und  Württemberg  je
4  St.,  zusammen  8  »

Baden  und  Hessen  je  3  St.
zusammen  6  »

1)  Auch  die  richtigere  Bezeichnung  „Bevollmächtigte“  wird  in  der  Reichsverfassung
  gebraucht  (Art.  8  Abs.  III).  —  Daß  der  Bundesrath  berechtigt
sei,  die  Vollmacht  seiner  Mitglieder  zu  prüfen  und  darüber  Beschluß  zu
fassen,  ist  selbstverständlich.  6

2)  Art.  9  a.  E.  (meine  Samml.  Suppl.  I.  S.  49).

3)  S.  den  Art.  VI.  der  Bundesacte  von  1815  (v.  Meyer,  Staatsacten
  B.  II.  S.  4  der  III.  Aufl.);  Bayern  führt  jetzt  6  Stimmen,  während
es  im  Plenum  der  alten  Bundesversammlung  nur  4  Stimmen  hatte.