66 Nahrungsmittel.
Wasser schwimmt oder wenigstens schwer untersinkt. Das Ei muß ferner im
frischen Zustande geruchlos sein, und der erste Grad ungünstiger Veränderung
äußert sich durch Geruchsstosfe, lange bevor sich die natürliche Farbe des Eies
geändert hat. Frische, große Eier gut gehaltener Hühner haben dunkelgelben
Dotter und festes Eiweiß; „Kalkeier“, die oft monatelang im Kalke gelegen
haben, um eßbar zu bleiben, haben dünnes Eiweiß und helleren Dotter,
auch besitzen sie oft einen unangenehmen Nebengeschmack, ohne gerade faulig
zu sein.
Wie alle verdorbenen tierischen Eiweißstoffe sind auch die Eier, schon
bei nur teilweiser Verwesung, sehr ekelerregend, und wenn sie dennoch genossen
werden, imstande, für viele Tage den Magen gründlich zu verderben und zu
Erbrechen, widerlichem Aufstoßen usw. zu führen. Es ist daher auch bei
Eiergenuß Vorsicht nötig.
Außer den Hühnereiern werden auch Enteneier und besonders Fischeier
genossen. Letztere heißen Rogen. Der eingesalzene Rogen des Störs
heißt Kaviar und ist seines Eiweißes und Fettes wegen sehr nahrhaft. Für
Personen von schwacher Verdauung eignet er sich aber nicht, und Kranken
soll man ihn seiner dursterregenden Wirkung wegen nicht geben, es sei denn
zu ganz bestimmten Zwecken.
Es gibt viele Gegner des Eigenusses, aber noch mehr Freunde.
Um sich durch Eier eine größere Menge Eiweißstoffe täglich zuzuführen,
müßte man etwa 20 Stück täglich verzehren. Die Erfahrung hat jedoch längst
gelehrt, daß solche Experimente schlecht bekommen; denn es tritt Appetitlosigkeit
ein und Magenbeschwerden entstehen. Größere Mengen von Eiern werden
längere Zeit hindurch meist nicht gut vertragen, und schwächliche Personen
mit träger Verdauung muß man vor täglichem Eiergenuß sogar warnen.
Die Güte eines Nahrungsmittels hängt nicht nur von dem Eiweißgehalt
desselben ab, sondern weit mehr von seiner Verdaulichkeit und der Anordnung
seiner anderen Bestandteile. Es ist also grundfalsch, nur die eiweißreichen
Nährmittel als besonders gute zu preisen und die anderen Eigenschaften außer
acht zu lassen.
Auch das Ei hat seine Parasiten, welchen man dadurch ausweicht, daß
man immer nur möglichst frische Eier genießt und für naturgemäße Ernährung
der Hühner sorgt.
Das Genießen roher Eier hat daher auch seine Gefahren. So wie die
Milch werden sie gleichfalls durch den Kochprozeß beeinflußt; das Eiweiß gerinnt
und wird fest, und für mangelhaften Magensaft sind daher rohe Eier, in eine
Flüssigkeit gequirlt oder unverändert ausgetrunken, gewiß zuträglicher. Hartgekochte
Eier, gut zerkaut und gründlich eingespeichelt, werden von Gesunden
jedoch vorzüglich verdaut; von Einfluß ist dabei natürlich, welche Speisen
nebenbei noch genossen werden.