Full text : Das Preußische Volk in Waffen und die neue Militär-Organisation.

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es  eben  nehmen  will,  gehört  unstreitig  zu  den  unbegreiflichsten,  daß  sich  seitdem
  das  Junkerthum  eine  Haltung  und  Bedeutung  zu  verschaffen  vermochte,
wie  sie  bei  dem  sonst  so  intelligenten  Preußen  niemals  erwartet  werden
konnte,  und  daß  sein  Organ,  die  Kreuzzeitung,  mit  einer  wahrhaft  naiven
Anmaßung  und  Frivolität  von  „erkämpften“  und  wohl  noch  zu  „erkämpfenden“
  Privilegien  und  Vorrechten  in  einem  Lande  sprechen  durfte,  das
seit  Jahrhunderten  genugsam  und  durch  bittere  Erfahrungen  gerade
kennen  gelernt  hat,  wie  es  eigentlich  mit  diesem  „Erkämpfen"  aussieht.
—  Hätte  man  mit  diesem  Emporkommen  und  Verhalten  des  Junker--thums
  die  Absicht  gehabt,  die  sämmtlichen  Errungenschaften  inol.  Verfassung
  dem  preußischen  Volke  gründlich  zu  verleiden,  man  hätte  nicht
besser  verfahren  können,  und  schon  jetzt  denken  Viele:  „Eine  Verfassung,
besonders  wenn  sie  keine  rechte  Wahrheit,  ist  der  Güter  höchstes  nicht,
der  Uebel  größtes  aber  ist  —  der  Junker“.  Wenn  man  in  den  militärischen
  Blättern  von  preußischen  Offizieren  geschrieben  liest:  „Das  Verhältniß
  des  Soldaten  zum  Offizier  beruht  noch  heute  auf  dem  traditionellen
  früheren  Verhältniß  vom  Bauernknecht  zum  Gutsherrn,  da
trotz  der  allgemeinen  Wehrpflicht  die  anderen  Elemente  unter  den
Söhnen  der  ehemaligen  Hintersassen  ganz  verschwinden“,  so
könnten  manche  schon  von  einem  Bilde  träumen,  in  welchem  der
Bürger  neben  dem  Bauer  vor  den  Pflug  gespannt  ist  und  der  Junker
dabei  die  Peitsche  schwingt.  Und  in  der  That,  wenn  man  zugleich  weiß,  daß
es  unter  diesen  noch  viele  giebt,  welche  heute  wie  ehedem  die  Abschaffung
der  Prügelstrafe  bedauern,  und  sie  als  das  einzige  Mittel  ansehen,  in  der
Armee  die  so  sehnlichst  herbeigewünschte  frühere  Art  von  Autorität  aufrecht
  zu  erhalten,  und  wenn  man  sich  diese  auch  wieder  neben  der  allgemeinen
  Wehrpflicht  eingeführt  denkt,  (dabei  natürlich  die  Prügel  austheilenden
  oder  anordnenden  Offiziere  allein  aus  dem  Junkerthum  entnommen,)
so  könnte  sich  einst  leicht  für  dieses  schöne  Bild  das  Original  finden,
so  übertrieben  es  auch  scheint.  Glücklicherweise  hat  es  damit  noch  einige
Zeit,  und  diese  wird  um  so  weniger  herannahen,  je  größere  Eile  die
Herren  haben.  —

Die  Geschichte  lehrt,  daß  es  trotz  allen  Regierungsformen,  trotz  Häusern
  und  Kammern,  Garantien  und  Eiden,  immer  weniger  auf  die  Form
als  auf  die  Art  ankommt,  wie  ein  Land  regiert  wird.  —  Rom  hätte  nicht
seinen  Tiberius  gehabt,  bestand  nicht  der  römische  Senat  (einst  „die  Versammlung
  von  Königen"),  zu  seiner  Zeit  aus  den  vornehmsten,  aber  auch
aus  den  feigsten,  servilsten,  blasirtesten  und  habgierigsten  Schuften;  und  Rom
wäre  unter  Trajan  nicht  besser  regiert  worden,  hätte  es  eine  sogenannte