Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

HNHummer  od

enbeimer

 

—

dem  Fernflug.  Hiebei  machten  sich  der  Bayn.
Neroklub  wie  auch  der  Ballonführer,  Herr  Kl.
Oberpostinspektor  Bletschacher  durch  uneigennüziges
  Entgegenkommen  veroient.  Auch  die
Anresenheit  eines  Vertreters  des  Zentrawereins
für  die  Gruppe  Rosenheim,  Herrn  Reaferungsrat
Räubold,  sei  gern  registriert.  Das  Unternehmen
schnitt  zwar  finanziell  aus  verschiedenen  Eründen
nicht  so  gut  als  erwartet  ab,  löste  aber  bei  den
Teilnehmern  sichtliche  Befriedigung  aus.

In  Bezug  auf  Verkehrsordnung  und
sicherheit  in  der  Stadt  trat  der  Verein
mit  verschiedenen  Anregungen  (Vorschriften  für
den  Fuhrwerksverkehr,  Fiakerturnus  am  Babnhof
  usw.)  an  den  Staotmagistrat  heran.

Zu  sonstigen  Verkehrefragen  nahm  der
Verein  ebenfalls  Stellung.  An  die  banerische
Verkehrsverwaltung  wurden  durch  Vermittlung
des  Zentralvereins  München  mehrere  Vorschläge,
  Zugverbinoungen  betreffend,  eingereicht.
Hiervon  ist  die  Verbindung  mit  dem  Wiener
Schnellzug,  an  Salzburg  4.15  Uhr  nachm.,  mit
dem  Eilzug  14  antragsgemäß  hergestellt  worden,
  was  mit  Dank  an  die  benannten  Stellen
erwähnt  sei.  —  Um  oie  möglichst  frühzeitige  Er.
öffnung  der  neuen  Bahn  Rosenheim-Frasdorf
ist  vom  Verein  unter  entsprechender  Begründung
petitioniert  worden.  —  Ferner  gab  der  Werein
mit  eingehender  Befürwortung  des  Stadtmagistrats
  um  die  Errichtung  zweier  Motorvostlinien
  ein,  nämlich:  Rosenheim-Griesstält  und
Nosenheim-Au-Miesbach.  Zur  Zeit  dieser  Berichterstattung
  finden  durch  die  Kgl.  Oberpostdirektion
  diesbezügliche  Erhebungen  statt.  Wir
hoffen,  daß  unsere  Anträge,  wovon  letzterer  auch
den  Wünschen  des  Inngauverbandes  entspricht,
sich  verwirklichen  lassen.

Der  Verein  wird  auch  weiterhin  in  ähnlicher
Weise  bemüht  sein,  den  Interessen  des  Fremdenrerkehrs
  in  Rosenheim  und  Umgebung  zu  dienen
und  dahin  zu  wirken,  daß  unsere  schon  durch  il#r
Lage  und  sonstigen  Vorzügebeachtenswerte  Stadt
mehr  und  mehr  als  Platz  zu  dauernder  Anliedlung
  erkoren  wird.

Mit  Interesse  verfolgten  die  Versammlungsteilnehmer
  diese  interessanten  Darleuungen.

Der  Kassenbericht.

Im  Anschluß  daran  erstattete  der  Kassier,  Hr.
Spieß,  den  Kassenbericht  über  das  Jahr  1913.
Der  Abschluß  bilanziert  mit  2851,70  Mark  in
Einnahmen  und  Ausgaben.  Die  138  Mitglieder
  des  Vereins  brachten  Jahresbeiträge  in  Höhe
von  950  Mk.  auf.  Der  Zuschuß  der  Staot  betrug
  auch  in  diesem  Jahre  wieder  500  Mk.  Die
Ballonaufstiege  im  vorigen  September  brachten
807,74  Mk.  Einnahmen  und  936,27  Mk.  Ausgaben.
  Die  infolge  des  regnerischen  Wetters
notwendig  gewordene  Verschiebung  der  Ausstiege
  brachte  wesentliche  Mehrausgaben  mit
lich,  sodaß  das  Enoresultat  immerhin  noch  als
befriedigend  angesehen  werden  kann.  Aus  den
Ausgaben  möchten  wir  einen  Posten  besonders
berausgreifen.  Es  sind  die  Aufwendungen,  welche
  für  Propaganda  und  Reklame  in  auswärtigen
  Blättern,  Zeitschristen  usw.  gemacht  wurden.
  Nicht  weniger  wie  1370,88  Mark  hat  der
Verein  aus  Eigenem  für  diesen  Zweck  aufgewendet.
  Im  Hinblick  auf  die  Mittel,  welche  dem  Verein
  zur  Verfügung  stehen,  ist  das  gewiß  eine
sehr  hohe  Summe,  mit  deren  Hilse  ver  Name
unserer  Stadt  und  ihre  Vorzüge  von  neuem  in
weite  Kreise  hinausgetragen  wurden.  Diese  Gelder
  sind  keineswegs  nutzlos  ausgegeben:  man
darf  sich  nur  vergegenwärtigen,  welche  aewaltige
Anstrengungen  gerade  auf  dem  Gebiete  der  Nelame
  von  anderen  Städten  von  der  Bedeutung
wie  Rosenheim  gemacht  werden.  Deshatt  rich
ten  wir  auch  hier  einen  Appell  zum  Beitritt  als
Mitglied  an  alle,  welche  mit  oem  Fremoenverkehr
  in  Beziehung  stehen  und  von  ihm  Vorteil
erhoffen.

 

Die  Vorstandschoft.

Im  weiteren  Verlauf  der  Beratungen  beschäftigte
  man  sich  mit  der  Wahl  der  Vorstandschatt.
  Zuvor  wurde  der  bisherigen  Vorstandschast,
  namentlich  dem  eifrigen  und  rührigen
ersten  Vorsitzenden,  Herrn  Bankdirektor  Bewtler,
  von  einem  Mitgliede  der  Dan'  un  die  Anerkennung
  für  die  bisherige  Tätigkeit  ausgesprochen.
  Auch  die  Leibervereinigung  sprach  ihren
  Dank  für  die  Unterstützung  aus,  welche  sie
bei  ihrem  vorjährigen  Fesie  durch  Ueverlassung
von  mehreren  hundert  Prosvrelten  deim  Verein
gesunden  hat.  Die  Wahl  selbst  nahm  einen  sehr
harmonischen  Verlauf.  Einstimmig  wurde  die
bisherige  Vorstandschaft  wiedergewählt,  neit
Ausnahme  des  zweiten  Vorsitzenden,  der  von
seinem  Posten  zurückgetreten  ist  und  eine  Wiederwahl
  ablehnte.  An  Stelle  des  Herrn  Hotelier
  Groß  wurde  Herr  Bahnhofrestaurateur
Karpf  zum  zweiten  Vorsitzenden  gewählt.  In
der  Besetzung  der  übrigen  Aemter  tritt  eine
Wenderung  also  nicht  ein.  Der  erste  Voriitzend:
versprach,  auch  in  Zukunft  nach  besten  Kräften
für  Rosenheim  und  seine  Inieressen  wirken  zu
wollen.  Diese  Zusicherung  wurde  äuherst  beifällig
  begrüßt.  Ferner  wurde  Herr  Bankoirektor
Beßller  auch  zum  Gruppenvorsitzenden  im  Münchener
  Fremdemwerkehrsrak  gewählt.

Anregungen  für  die  Zukunft.

Schließlich  wurden  noch  mancherlei  Anregungen
  für  die  Zukunft  gegeben.  Zunächst  wurde
auf  den  Fiakertarif  wiesen,  der  bereits
keit  25  Jahren  in  Geltung  ist.  Seine  deczeitigen

Sätze  hätten  verschiedene  Wilrkürlichkeften  im  Gekolge
  gehabt.  Deshalb  wurde  der  Veremn  ersucht,
einer  Revision  #ieses  Tarifes  näher  zu  treten.
Der  Männerturnverein  hatte  auch  sein  Projekt
über  die  Herstellung  eines  eisernen  Steges  über
die  Mangfall  beim  Sommerturnpkat  unterbreltet.
  Die  Kosten  betragen  ekwa  2000  Mk.  Terschiedene
  Teile  der  alten  Innbrücke  sollen  bei
der  Herstellung  des  Steges  Verwendung  finden.
JZum  Schluß  besprach  man  noch  mehrere  Fragen,
die  mit  dem  kommenden  Volkefest  in  Zusammenhang
  stehen.

Wir  möchten  unseren  Bericht  nicht  schließen,
ohne  allen,  die  dazu  in  der  Lage  sind.  die  Unterstützung
  des  Fremdenverkehrsvereins  ans  Herz
zu  legen.  Die  Interessen,  die  er  vertritt,  sind  di:
Interessen  der  Stadt  Rosenheim.  Deshalb  duf
wohl  angenommen  werden,  daß  die  Zahl  seiner
Mitglieder  noch  eine  wesentliche  Erweiterung
finden  wird.  Es  wäre  daher  sehr  zu  begrüßen.
wenn  die  kommenden  Tage  zahlreiche  Neua“-meldungen
  bringen  würden.  Die  intensive  Betätigung
  auf  dem  ganzen  Arbeitsgebiete  erfordert
  den  Anschluß  neuer  Kräfte.  Möge  dieser
Appell  überall  willig  Gehör  finden!

Colalnachrichlen.
Rosenheim.  19.  März.

Das  Dienstauszeichnungskrenz  für
freiwillige  Krankenpflege“  wurde  für
20jähriges  und  längeres  Wirken  im  Interesse
des  Roten  Kreuzes  verliehen  an:  Zoegler  Johann,
  Direktionsdiener  in  Rosenheim,  Hölzl  Sofie,
  ias  2  sich  g  1  :  sp  2  34  in
Traunstein,  Leonbacher  Barbara,  Medzzinalratsgattin
  in  Traunstein  und  Pfeiffer  Elise,
Landgerichtsarztensgattin  in  Traunstein.

Die  Lage  des  Arbeitsmarktes.  Nach
dem  Bericht  des  städt.  Arbeitsamtes  für  Februar
  1914  war  die  Lage  des  Arbeitsmarktes  im
letzten  Monat  sehr  schlecht.  Bei  der  Landwirtschaft
  war  ein  großes  Ueberangebot  an  Knech
ten  vorhanden,  da  die  Landwirte  mit  der  Einstellung
  sehr  zurückhaltend  waren  und  nur  ganz
junge  Knechte  mit  geringem  Lohn  eminstellten,
wodurch  eine  große  Zahl  von  Knechten  nicht
untergebracht  werden  konnte.  In  allen  übrigen
Branchen  war  die  Geschäftslage  sehr  ruhig  und
ein  großes  Ueberangebot  arbeitsloser  Leute  vorhanden.
  Nur  in  Sägebetrieben  war  es  annêhernd
  zurriedenstellond.

Der  Flottenverein  Rosenheim  ist
von  der  Ortsgruppe  Kufstein  des  österr.  Flottenvereins
  zu  einem  Fesilonzert  eingeladen  worden,
  das  am  Samstag  den  21.  März  im  Eggersaale
  daselbst  stattfindet  und  mit  einem  Lichtbildervortrage
  verbunden  ist.  Die  Kapelle  de
Inf.-Reg.  Nr.  28  aus  Innsbruck  besorgt  die
Musik.  Die  Veranstaltung  sindet  aus  Anlaß  des
10jährigen  Bestehens  des  österreich.  Flottenvereins
  statt.  Es  wäre  sehr  zu  begrüßen,  wenn
in  freundnachbarlicher  Weise  der  Einladung  zahlreich
  Folge  geleistet  würde.

Zugsverkehr  München-Rosenheim-Bo#zen.
  Die  Schnellzüge  10  (bayer.)  /19
(österr.):  München-Hbf.  ab  8.20  vorm.,  Kufsiein
  an  9.55.  Bozen  an  3.20  nachm.  und  18
(ösfterr.)  11  (bayer.):  Bozen  #b  4.05  nachm.,
Kufstein  an  9.35  abends,  München-Hbf.  an
11.08  nachts,  verkehren  im  Sommer  1914  während
  der  ganzen  Fahrplandauer,  sohin  schon
rom  1.  Mai  an  und  bis  30.  September.  Mit
Rücksicht  hierauf  werden  diese  Züge  im  heurigen
Winterdienst  (1913.14),  in  dem  sie  für  den
Osterverkehr  nur  vom  28.  Märt  bis  25.  April
verlehren  sollten,  auch  in  den  letzten  Tagen
des  Monats  April  (26.  bis  einschließlich  30.
April)  gefahren.

Die  nächste  Gesellenprüfung  findet
am  6.  April  in  Rosenheim  statt.  Anmeldungen
dazu  können  noch  bis  zum  22.  März  an  Herm
Schuhmachermeister  Stefan  Funk  in  Rosenheim
gerichtet  weroen.

Selbstmord  auf  dem  Wenoelslein.
Auf  dem  Gachen  Blick  fand  man  am  Mittwoch
mittag  die  Leiche  des  von  München  bereits  seit
einigen  Tagen  abgängigen  Bankbeamten  Erust
Neuhof  von  der  Pfälzischen  Bank.  Der  Unglücliche
  hatte  sich  erschossen.  Er  stand  in  den  zwanziger
  Jahren.  Bei  der  Leiche  fand  sich  ein  Brief
an  seine  Mutter  in  München  und  ein  Zettel,
auf  dem  die  Bitte  stand,  man  möge  ihn  auf
dem  nächsten  Frieohof  beerdigen.  War  den
jungen  Mann  in  den  Tod  getrieben  hat,  is
noch  nicht  bekannt.  Die  Leiche  wurde  mit  dem
Abendzug  nach  Brannenburg  hinuntergeschafft.

Indie  Fremdenlegion  verschleppt.
Der  Stationemeisterssohn  Johann  Vlepon.
Wasserburg  kam  als  10jähriger  Junge  in  das
Haus  des  Oekonomen  Isidor  Sommerer  in
Mariaberg.  Er  war  dort  bis  zu  seinem  achtzehnten
  Jahre,  als  ihn  die  Lust  anwandelte,  in
Frankreich  sein  Glück  zu  suchen.  Er  kam  inPdie
Gegend  von  Belfort  und  siel  dort  einem  Werber
für  die  Fremoenlegion  in  bie  Hände.  Kurze

Zeit  darauf  war  er  auf  afrikanischem  Boden
der  verhaßten  Legion  eingereiht.  Dort  ergeht
es  ihm  recht  schlecht,  wie  aus  den  an  seine  Angehörigen
  gelangten  Briefen  von  ihm  hervorgeht.
  Das  soll  wieder  eine  Mihnung  sein  für
alle  jungen  Leute,  welche  ebenfalls  Sehnsucht

—

 

nach  Frankreich  hegen  sollten.

 

Eine  falsche  Anzeige.  Vor  einigen  Wochen
  meldete  der  Polizeibericht  die  Entwendung
eines  Mantels  im  Dienstzimmer  des  hieligen
Transitgebäudes  im  Bahnhof  Rosenheim.  Jetzt
wird  uns  mitgeteilt,  daß  dieser  Mantel  vom  betreffenden
  Packmeister  bei  einer  Dienstreise  nach
München  im  Packwagen  hängen  gelasten  wurde
und  nun  von  München-Ostbahnhof  zurückgeschick
  wurde.  Es  dürfte  am  Platze  fein.
bei  derartigen  Anzeigen  vorsichtiger  zu  sein,
damit  grundlose  Verdächtigungen  des  Personals
  hintangehalten  werden.

Hufik  und  Thealer.

Frühjahrskonzert  des  Orchestervereins.
  Am  nächsten  Sonntag  gibt  der
Orchesterverein  Rosenheim  sein  diesjähriges
Frühjahrskonzert.  Ein  Blick  auf  das  Programm
  zeigt,  an  welch  hohe  Aufgaben  der
Verein  sich  wagen  kann  unter  der  rührigen,
fachmännischen  Leitung  seines  tüchtigen  Dirigenten.
  Wie  immer  ist  der  erste  Teil  des
Programms  ernster  Musik  gewidmet.  Introduktion
  und  Chor  der  Friedensboten  aus  Richard
  Wagners  Rienzi  wird  den  Abend  eröffnen.
  Dann  folgt  die  5.  Symphonie  von
Ludwig  van  Beelhoven,  dessen  Todestag,  der
26.  März  1827,  übrigens  dem  Tage  des  Konzertes
  ganz  nahe  liegt.  Die  „Fünste“  gilt
wohl  mit  Recht  als  eine  der  gröhten  Schöpfungen
  des  gewaltigen  Tondichters,  ja  als  eine
der  größten  Vertreterinnen  der  Galtung  Symphonie
  überhaupt  und  es  bedeutet  sicher  eine
Tat,  wenn  der  Orchesterverein  die  Nosenheimer
  Musikfreunde  mit  dem  sehr  schwierigen
Werk  belannt  macht.  Vielleicht  ist  es  nicht
unangebracht,  auf  den  Bau  und  die  Idee  des
Werkes  kurz  einzugehen.  Der  Grundgedonke
der  Symphonie  ist:  durch  Kampf  zum  Sieg.
Wie  aus  Stein  gemeißelt  stehen  vier  Noten  zu
Anfang  des  ersten  Satzes  (Cmoll),  das  Baumaterial,
  aus  dem  eigentlich  der  ganze  erste
Sah  gestaltet  ist.  Mit  erdrückender  Wucht
werden  die  vier  Noten  einen  Ton  liefer  wiederholt,
  dann  wogt  es  wild  durcheinander  in
qualvollem  Kampfe,  ständig  pocht  das  Thema
  fort,  es  erdrückt  das  zweite  Motio,  das
beruhigen  möchte,  es  wird  mitgerissen  und  versinkt
  im  Strudel  der  Aufregung  des  Kanwfes.
  Nur  zwischenhinein  drohen  mit  schrecklicher
Kraft  jene  vier  Anfangsnoten,  sie  erregen  den
Ram:  mimer  mehr,  bis  er  mit  ein  paar  wuchtigen
  lurz  abgerissenen  Schlägen  ein  gewaltsames
  Ende  findet.  Der  zweite  Satz  (As  dur)
bildet  einen  schroffen  Gegensatz  zum  unruhigen
ersten.  Milde  tröstend  tragen  die  Celli  und
Bratschen  eine  liebliche  Melodie  vor,  das  Orchester
  stimmt  freudig  ein,  in  überraschendem
Uebergang  erklingt  mit  Pauken  und  Trompeten
  ein  kriegerischer  Marsch  in  C  dur,  dumpf
Aollen  die  Bässe,  das  erste  Thema  erscheint
wieder  in  etwas  veränderter  Form,  wiederum
stolze  Marsch,  wieder  das  Zurückkehren
zum  ersten  Thema,  diesmal  mit  aller  Kraft,
von  den  Bässen  wiederholt,  nochmals  der
Marsch  und  dann  klingt  der  Satz  aus,  nicht
ohne  daß  manchmal  düstere  Stimmungen  ihre
Schatten  hineinwerjen.  Der  dritte  Satßz  ist
im  gewöhnlichen  Somppyonicaufban  des  Scherzo;
  in  der  „Fünften“  fehlt  diese  Bezeichnung
wohl  nicht  zufällig.  Zwar  pocht  der  heitere
jTakt  in  diesem  Satß  (Cmoll),  aber  düster
inat  es,  die  Leili  und  Bässe  bringen  ein  unruhig
  bewegtes  Motiv,  die  Geigen  antworten
llagend,  dann  rollen  sich  übersimzende  Läufe
wild  lärmend  übereinander  hin,  doch  das  tolle
Treiben  vermag  den  Kampf  nicht  zu  enden
der  Anfang  des  Satzes  kehrt  wieder,  immer  leiser,
  verklingend,  endlich  nur  mehr  von  den
Streichinstrumenten  pizzicato  vorgetragen.  Doch
die  Panke  pocht  fort,  rascher,  rascher,  das
Orchester  rafft  sich  auf  und  glänzend  trikt  das
Siegesthema  ein,  das  den  letzten  Satz  eröffnet.
  Dieser  letzte  Saz  (C-dur)  ist  eine  Siegesfeier
  voll  hohen  Schwunges,  das  Werk  in
mächtiger  Steigerung  hinanführend  zu  großartigem
  Schluß.  Der  zweite  Teil  des  Programms
  ist  „populärer“  Musik  gewidmet  und
wird  mit  einem  „Kaiser-Friedrich-Marsch“  eroffnet.
  Es  ist  dem  Occesterverein  gelungen,
den  besten  Militärtrompeter  Münchens,  Herrn
#n  Krug,  Hoboist  im  2.  Inf.-Rgt.,  zu  geinnen,
  der  seine  Kunst  in  einer  Phantasie
jür  Piston,  „Edelweiß  vom  Semmerin-“,  zeigen
  wird.  Es  solgt  ein  amerikanisches  Volkslied
  „Old  Folks  at  home“  für  C]eicherchester.
  Im  weiteren  Verlauf  wird  noch  manche
Walzermelodie  und  manches  Potpourri  erklingen,
  den  Schluß  bildet  der  vom  Dirigenten  dem
Verein  gewidmete  Marsch  „Heil  und  Sieg“.
Das  Programm  läßt  ersehen,  daß  jeder  Besucher
  des  Konzertes,  das  heuer  im  Hofbräusaale
  stattfindet,  auf  seine  Nechnung  kommen
wird.  Wir  wünschen,  daß  der  Abend  den  glänzenden
  Verlauf  nimmt,  den  wir  bei  den  Konzerten
  des  Vereins  gewohnt  sind.  J.  W

—  ——

Oberb.  Aktiengeselschaft  für  Kohlenherpdan
  in  München.  Der  Aufsichtsrat
  beschloß,  der  für  den  23.  April  1  Js.  einzuberufenden
  Generalversammkung  nach  Abschreibungen
  und  Rücklagen  oie  Nerteilung  einer
neunprozentigen  Restdividende  aus  dem  Gewinn

 

 

des  Jahres  1913  in  Vorschlag  zu  bringen.

Frestag,  20.  März  1011

—.....——————0
Die  Gesamtdioidende  pro  1913  beträgt  demn.
nach  wieder  14%.

Landgericht  Traunstein.

Traunstein,  18.  März.  Wegen  Vergehens
gegen  das  Nahrungemiltelgesetz  standen  die
Gastwirtseheleute  Johann  und  Maria  Stein.
auer  aus  Altenbeuern  vor  der  Straflammer.
Sie  waren  beschuldigt,  ihren  Dienstboten  in
der  Jeit  vom  Oktober  bis  zum  Dezember  191)
mehrmals  verdorbenes  Fleisch  zum  Eisen  gegeben
zu  haben.  Steinauer  wurde  indessen  freigesprochen,
  während  seine  Frau  wegen  eines  Folle:
mit  einer  Woche  Gesängnis  davonk#m.  —  Der
Taglöhner  Franz  Velmer  von  Ocxing  ist  im
Sommer  1909  bei  seinem  ehemaligen  Dien-=herrn
  Furtner  in  Sonnwichs  bei  Bruckmühl  eingestiegen.
  Da  er  indessen  einen  Schrank  ni#t
öffnen  konnte,  stand  er  von  einem  Diebftahl
ab.  Andererseits  entwendete  er  dem  Limonad:.
sabrikanten  Bruckner  in  Bruckmühl  20  Mk.  G:
wurde  jetzt  zu  vier  Monaten  Gefängnis  vekurteilt.


—
Leble  Nachrichlen.—

München,  19.  März.  Heute  morgens  enlgleiste
  in  Oberau  ein  Güterzug.  Dadurch  wurden
  die  Gleise  für  Ein=  und  Ausfahrt  längere
Zeit  gesperrt.  Die  Personenzüge  mußten  umparkiert
  werden.  Der  Materialschaden  isi  nur
gering.

KTeöczesee,  19.  Méärz.  Dem  Besiher  des
Schwesel-Bades  Wiessee  ist  vom  K6.
nig  gestattet  worden,  die  Quelle  „König  Lud,
ig  III.-Quelle“  zu  neunen.

Parie,  19.  März.  Bei  Tours  wurde  3R,
stern  ein  16jähriger  Kassenbote  von  einem
bisher  unbelannten  Täter  seiner  5000  F.
enthalltenden  Tasche  beraubt,  erdrossel:  und
dann  an  einem  Baum  ausgehänat.

Rom,  19.  März.  Das  Konsistorium
wird  kurz  nach  dem  Osiersest  zwischen  dem  25.
und  30.  April  zusammentreten.  Dem  Vernehmen
  üüeach  sollen,  abgesellen  von  der  P.
lanonisation  des  Erebischofs  von  Vreslau,  i
deulsche  Bischöse  den  Kardinalehnt  erhallten.

Vergnügungsanzeiger.

Stadtlinematograph.  Nur  noch  heuie
Donnerstag  gelangt  „Atlantis“  von  Gerbard
Hauptmann  zur  Vorführung,  das  Wunderwer
der  Insszenierungskunst,  das  allgemeine  Vewi.n
derung  findet.  Vorstellungen  sind  um  2,  4,  6
und  3  Uhr.  Für  Samstag  iit  das  elememtre
Filmwerk  der  Welt  auf  dem  Spielplan:  „DTi.
rol  in  Waffen“,  ein  Andreas  Hofer-Filn.
Der  Stadtlinematograph  hat  mit  hortender
Kosten  das  Allein-Aufführungsrecht  für  Nosenheim
  erworben.  (

Wetterbericht
für  Freitag  den  20.  Januar  1914.
Sturmfeld  bleit  auf  dem  Ozean.  unr  Abtrennung
  lleinerer  Störungen  zu  erwarien.

NWarktberichte.  W
Rosenheim,  19.  März.  Hauptviehmarn
Mittesasienmartt).  Gesamtanftrieb:  1081
Stück:  281  Ochsen,  345  Kühe,  Stiere  und  Ninder,
  218  Kälber,  175  Saugschweine,  12  Pferde.
Marltpreise:  Pro  Zentner  Lebendgewicht  Ocksjen
  40—347  Ml.,  Stiere  3240  Mk.,  Käller
48—32  Mk.;  pro  Stück:  Kälberlühe  250  bis
600  Mk.;  Saugschweine  15—20  Mk.  Teuo#
jögernd.  Nächsier  Monatsviehmarst:  2.  Amil.
Die  Zufuhr  erfolgle  in  40,  die  Abfuhr  in  55
Waggons.

Mühlorf,  17.  März.  Der  heutige  drü#tt
Fastenpfer  demarkt  war  nicht  so  gut  be
sucht  ale  der  zweite.  Auch  wenige  Händes
waren  am  Platze.  Handel  mittelmäßia.  Am
lommenden  Dienstag  den  24.  März  sindet  dabier
  der  allbekannte  Mittefasten-Waren,,  Het#-vieh=
  und  Pferdemarkt  statt.

Retienheimer  Schranue  vom  19.  März  1911

 

 

—

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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H#  20Elegoste  sl  765  l

Saatheber  8—8.50  4.
Tolenliste.
Feldkirchen:  Andreags  Hofmeisier,  peul.

Wechselwärter,  79  Jahre.
Bad  Aibling:  Elise  Müller,  geb.  Mai,
Privatiersgattin,  früher  in  Miesbach,  71
Tegernsee:  Ludwig  Baumgartner,  Hotelitt
und  Pächter  des  Hotels  Guggenmot.  38  J
Rott  a.  J.:  Ursula  Rottmoser,  Privaticte.
Holzhausen  Altötting:  Joses  Gründd,  ehemaliger
  Maierbauer  von  Holzhausen,  zulest
Pferdehändler  in  Altötting,  65  Jahre.
alsbach:  Georg  Maier,  Kronhuberbauen
63  Jahre.  ·
Tittmoning:  Johann  Kreill,  Oekonomieund
  ehem.  Brauereibesitzer,  49  Jahre.