66 Favre entschließt sich zu einer Unterredung mit Bismarck.
so mehr auf den Schutz und die Fürsorge des Ministers der faktischen
Regierung für die auswärtigen Angelegenheiten angewiesen sind.
Ich kann daher kaum annehmen, daß Sie in der kritischen Lage, an
deren Herbeiführung Sie einen so wesentlichen Antheil hatten, sich
der Möglichkeit werden berauben wollen, zu einer Lösung mitzuwirken,
wofür die Verantwortlichkeit auch Sie trifft.“
Aapitulation von Paris und Präliminarien von
Versailles.
Der energische Hinweis darauf, daß die jetzige Lage von Paris
und von ganz Frankreich dem Minister Favre nicht die Aufführung
eines Londoner Rührungsstückes, sondern die allerdringendste Pflicht
auferlege, wie beim Anfang, so auch beim Schluß des Pariser Dramas
mitzuwirken, war nicht ohne Erfolg. Der verunglückte Massenausfall
vom 19. Januar, der Aufstand der Socialdemokraten am
22. und die Erwägung, daß der Proviant höchstens noch auf 8 bis
14 Tage ausreiche, thaten vollends das Uebrige, um die Entscheidung
herbeizuführen. Am 23. Januar entschloß sich Favre, nicht
nach London, sondern nach Versailles zu gehen, um mit dem Grafen
Bismarck über die Kapitulation von Paris und über einen Waffenstillstand
für Frankreich zu unterhandeln. Es war ein harter Schritt
für Favre, da gerade er im September des vorigen Jahres, theils in seinen
Circulardepeschen, theils in seiner Unterredung mit dem Grafen Bismarck
zu Ferridères, sich so entschieden gegen jede Demüthigung Frankreichs ausgesprochen
hatte. Daß er, wenn er immer noch jede Gebietsabtretung verwerfe,
keinen Waffenstillstand erhalte, wußte er wohl. Aber die Verhältnisse
standen, wie Graf Bismarck richtig voraussah, eben damals
so, daß endlich auch die provisorische Regierung, wenigstens die
Mehrheit derselben, zur Einsicht kam. Wenn auch ein harter, so
war es doch ein verdienstvoller Schritt, den Favre am 23. Januar
für Paris und Frankreich that. Er schrieb an diesem Tage zwei