Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1848. (25)

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Krieg  zwischen  Frankreich  und  Osterreich  zu  verhüten  und  die  eigenen
Grenzen  zu  decken.  Der  König  versagte  sich,  wenn  er  auch  angesichts
der  im  Lande  herrschenden  Erregung  zeitweise  schwankte  und  sogar
die  Einstellung  der  Kontributionszahlungen  zuließ,  endlich  doch  und
mit  Recht  den  Stimmen  der  leidenschaftlichen  Patrioten,  die  ihn  zur
Teilnahme  am  Kampfe  OHsterreichs  drängen  wollten,  als  dieser  im
Frühjahr  1809  begann.  Auf  die  Hilfe  Rußlands  war  nicht  zu  rechnen,
zu  den  militärischen  Leistungen  der  Österreicher  hegte  er  wenig  Vertrauen,
  die  traurigen  Erfahrungen  im  eigenen  Lande  hatten  ihn
mit  Bitterkeit  und  Hoffnungslosigkeit  erfüllt,  vor  allem  war  die
eigene  Rüstung  zu  schwach.  Nach  den  Rapporten  für  April  und  Mai
1809  zählte  die  Armee  45  897  Kombattanten.  Die  UÜberschreitung
der  nach  der  Pariser  Konvention  zulässigen  Stärke  um  einige  tausend
Mann  ergab  sich  daraus,  daß  die  Oberschlesische  Brigade  ihre  Formation
  nach  den  neuen  Etats  noch  nicht  beendigt  und  viele  Überzählige
  hatte,  die  zum  Schutze  der  zunächst  gefährdeten  schlesischen
Plätze  (Glatz,  Silberberg,  Cosel)  vorläufig  noch  im  Dienst  behalten
wurden.  Der  Pferdestand  der  Kavallerie  wurde  im  Frühjahr  1809
von  100  auf  110  bei  jeder  Schwadron  erhöht,  die  noch  fehlenden
15  sollten  im  Bedarfsfalle  aus  dem  Lande  ausgehoben  werden.
Infanterie  und  Kavallerie  hatten  außer  der  etatsmäßigen  Stärke
die  Kriegsaugmentation  (Kompagnie  38,  Eskadron  25  Mann)  in
Bereitschaft.  Eine  Reservearmee  aber  war  nicht  vorhanden,  und  die
Waffenvorräte  genügten  nicht,  um  eine  solche  aufzustellen  36).  Die
Krümperausbildung  hatte  erst  vor  kurzem  begonnen.  Erst  im  Frühjahr
  1809  kehrten  die  Kriegsgefangenen  zurück  7).  Daß  Napoleon
sie  in  diesem  Zeitpunkt  ziehen  ließ,  zeigt  deutlich,  wie  sicher  er  seiner
Überlegenheit  war:  „Preußen  ist  heute  sehr  wenig,  ich  habe  der
Mittel  genug,  es  zu  unterwerfen“.  Ein  im  Entstehen  niedergeschlagener
Erhebungsversuch  hätte  das  Ende  des  preußischen  Staates  besiegelt.
Der  Entschluß  des  Königs  war  also  der  allein  richtige.

Damit  die  in  Schlesien  vorhandenen  Truppen  in  die  neue
auf  sechs  Brigaden  beschränkte  Formation  der  Armee  eingereiht
werden  konnten,  wurde  das  2.  Brandenburgische  (vorher  Pommersche)
Infanterieregiment  durch  A.K.O.  vom  21.  November  1808  aufgelöst,
  die  Mannschaft  nach  ihren  Geburtsorten  größtenteils  den
beiden  pommerschen  Regimentern  überwiesen.  Das  Niederschlesische
  und  Oberschlesische  Husarenregiment  wurden  auf  A.K.O.

26)  Sogar  von  den  38  Mann  der  Kriegsaugmentation  sollten  10  unbewaffnet
bleiben,  um  später  die  Gewehre  von  Kranken  usw.  zu  übernehmen.  Verf.  des  Allg.
Kriegsdepartements  vom  6.  4.  1809.

In  sämtlichen  Artilleriedepots  waren  Ende  März  1809  nur  6301  brauchbare,
16149  reparaturfähige  Gewehre  und  Büchsen  aller  Sorten  vorhanden.  Die  Zahl
der  brauchbaren  Gewehre  wuchs  bis  Ende  August  auf  12436,  die  der  reparaturfähigen
  auf  18190.

7)  Vom  24.  1.  bis  8.  5.  1809  kehrten  15219  Unteroffiziere  und  Gemeine  aus
der  Kriegsgefangenschaft  zurück,  ferner  313  Offiziere.