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Dem großen Kurfürsten dürfen wir das gebührende Lob nicht entziehen,
daß überall, wo es sich um persönliche Angriffe und Beleidigungen in Bezug
auf diese religiösen Streitigkeiten handelte, er mit Schonung und Mäßigung verfuhr,
und niemals das Ziel eines friedlichen Vergleiches über die streitigen Punkte
aus dem Auge verlor. Noch gegen das Ende seines Lebens empfahl er dem
Marschall von Schomberg bei seinem Abgange nach Preußen, Einigkeit zwischen
Lutheranern und Reformirten zu erhalten, die von ihm selbst mit großer Schonung
behandelten Katholiken nicht zu beeinträchtigen, aber auch nicht üaber die
mit Polen abgeschlossenen Verträge sich ausdehnen zu lassen. Stets leitete ihn
sein freier, nach allen Seiten hin gebildeter Geist zu einer vernünftigen Duldung,
denn er war schon zufrieden, wenn Überhaupt nur wahrhaft religisser
Sinn die Herzen seiner Unterthanen belebte, mochten sie nun Reformirte, Lutheraner
oder Katholiken sein. Ja er war aufgeklärt genug, auch denen, welche
schon vor dem Eintritt der Reformation die Kirche als Ketzer verurtheilt hatte,
die Duldung nicht zu versagen, wie laut dem Landtagsabschiede von 1663. den
Arianern, „so lange sie ruhig und friedlich leben und ihre Irrthümer nicht verbreiten
würden“. Handelt es sich denn um etwas Anderes in der Religion, als
den Weg zum Heil zu finden? Wer wird leugnen dürfen, daß es mehr als
einen zu diesem Ziele giebt? Der wahre Chrisft wird zwar den seinen für den
kürzesten und sichersten halten, allein darf er dem Bruder die Möglichkeit, auch
dieses Ziel zu erreichen, absprechen? Daher erscheint uns Duldung als das erste
Gebot der christlichen Liebe, vor allem für den, welchen Gott berufen hat zu
herrschen und über das Wohl seiner Mitmenschen zu gebieten. In keiner Herrschersamilie
aber ist dieses schöne Gebot des Heilandes mit solcher Ausdehnung geübt
worden, als von den Hohenzollern, und der große Kurfürst steht hier, wie nach
allen andern Seiten hin, als glänzendes Beispiel in dem Vordergrunde.
Auch an pofitiven Maßregeln zur Förderung wahren christlichen Sinnes
ließ es Friedrich Wilhelm nicht fehlen. Sobald er die Regierung übernommen
hatte, war es seine erste Sorge, den Kirchen Vorsteher zu geben, welche den
Gemeinden mit gutem Beispiele vorangingen, und deren Existenz natürlich auch
gesichert wäre. Er befahl wegen der großen Unwissenheit des gemeinen Mannes,
des Gesindes und der Kinder in Glaubenssachen, da sie fast gar kelne Erkenntniß
von Gott, geschweige denn von den Hauptstücken des christlichen Glaubens hätten,
den Predigern der Berliner Kirchen, weil die Wochenkatechisationen wenig besucht
würden, jeden Sonntag nach der Predigt dem Volk den lutherischen Katechismus
zu erklären, und die Hausväter zu ermahnen, ihr Gefinde und ihre Kinder dazu
fleißig in die Kirche zu schicken.
Großes, wie auf allen andern Gebieten, hat Friedrich Wilhelm für den
Unterricht und die religiöse Bildung seiner Unterthanen geleistet, obgleich diese
auch hierin die ihnen gespendeten Wohlthaten über den nothwendig damit verknäpften
Beschwerden und Beeinträchtigungen sehr oft nicht erkannten. Wer
aber darf sich hierüber wundem da die Religion ihrem tiefsten Wesen nach