Die Jahre der Reaktion. 221
Besetzung des Kurfürstentums von Bundeswegen zu sichern. Dies Ziel
wollte ja auch König Friedrich Wilhelm, aber er wollte es nicht durch
den Bundestag, den er nicht anerkannte, sondern durch eine preußischösterreichische
Kommission erreichen. Also nicht in der Sache, sondern nur
in der Wahl der Instanz lag der Gegensatz der beiden Großmächte.
Von der prinzipiellen Berechtigung seines Standpunktes den Kaiser
Mikolaus zu überzengen, war vor allem der Gedanke des Königs. Dann
hoffte er, ihn für die Unterstützung der deutschen Holitik Dreußens gewinnen
zu können. Denn die Baltung Gsterreichs wurde immer drohender;
zu Bregenz hatte der junge Kaiser Franz Joseph eine Susammen-=kunft
mit den Königen von Bapern und Württemberg, deren Spitze sich
nur gegen Hreußen richten konnte. König Friedrich Wilhelm entsandte
daher den Grafen Brandenburg, den Hräsidenten des Ministeriums, nach
Warschau, wo damals Kaiser Tikolaus residierte, um die russische Dermittelung
für Hreußen zu gewinnen.
Brandenburg fand auch die gnädigste Aufnahme in Warschau; aber
doch erklärte ihm der Kaiser, er wolle sich in nichts mischen; er wünsche
Hreußen wie Esterreich alles Gute, hauptsächlich Ruhe und GOrdnung;
eine Dermittelung beabsichtige er nicht. Dennoch lobte er den Entschluß
des Kurfürsten von Hessen, sich an den Bundestag zu wenden, und betonte
mit Machdruck die Wotwendigkeit, Holstein schleunigst zu entwaffen.
Einen Widerstand Hreußens gegen Bundesmaßregeln zur Dacifikation
Bolsteins, versicherte er, werde er als eine persönliche Beleidigung ansehen
und militärische Dorkehrungen dagegen treffen.
Einige Tage später traf, von Bregenz kommend,., auch der Kaiser
Franz Joseph in Warschau ein, um den Saren zu begrüßen. Auch er
zeigte sich gegen Graf Brandenburg durchaus huldvoll, vermied aber
eine Erörterung der schwebenden politischen Fragen. Und. von Schwarzenberg,
der seinen Kaiser begleitete, erlangte Brandenburg weiter nichts,
als daß die strittigen Hunkte durch gemeinschaftliche Konferenzen aller
deutschen Staaten geschlichtet werden sollten, während deren jedoch der
undestag in Thätigkeit bleiben und auch die beschlossene Zundesexekution
in Ressen vor sich gehen solle. In einem Widerstande Hreußens gegen
dieselbe, erklärte zudem Graf Nesselrode, der russische Kanzler, werde auch
Rußland einen Kriegsfall sehen. Sollte wirklich Hreußen deswegen einen
Krieg mit Gsterreich und Rußland auf sich nehmend Brandenburg schien
die Sache einen solchen Einsatz nicht wert zu sein.
In Berlin indessen war durch den Sorn über die Wiedereinsetzung
des Bündestages, durch den täglich sich steigernden Übermut Gsterreichs,