5 Das Dorf, es lag im Sonnenschein;
In die stille Kirche tritt er ein,
Die Wände weiß, die Fenster blank,
Zu beiden Seiten nur Bank an Bank,
Und auf der letzten — er blickt empor
10 Auf Orgel und auf Orgelchor
Und wendet sich und spricht: „Wie gern
Vernähm' ich noch einmal „LLobe den Herrn“!
Den Lehrer im Feld, ich mag ihn nicht stören;
Viky, laß du das Lied mich hören!“
15 Und durch die Kirche, klein und kahl,
Als sprächen die Himmel, erbraust der Choral,
Und wie die Töne sein Herz bewegen,
Eine Lichtgestalt tritt ihm entgegen,
Eine Lichtgestalt, an den Händen beiden
20 Erkennt er die Male: „Dein Los war leiden.
Du lerntest dulden und entsagen,
Drum sollst du die Krone des Lebens tragen.
Du siegtest, nichts soll dich fürder beschweren:
Lobe den mächtigen König der Ehren —“
25 Die Hände gefaltet, den Kopf geneigt,
So lauscht er der Stimme. —
Die Orgel schweigt.
338. Erlaß Uaiser Wilhelms II. bei seiner Ahronbesteigung.
f#n Mein volkl
Getees Ratschluß hat über Uns aufs neue die schmerzlichste Trauer
verhängt. Nachdem die Eruft über der sterblichen Hülle Meines
unvergeßlichen herrn Großvaters sich kaum geschlossen hat, ist auch
Meines heißgeliebten Herrn Daters Majestät aus dieser Seitlichkeit zum
ewigen Frieden abgerufen worden. Die heldenmütige, aus christlicher
Ergebung erwachsende Takkraft, mit der Er Seinen königlichen Hflichten
ungeachtet Seines Leidens gerecht zu werden wußte, schien der hoffnung
Raum zu geben, daß Er dem Laterlande noch länger erhalten
bleiben werde. Gott hat es anders beschlossen. Dem Böniglichen