Der Schulunterricht im 18. Jahrhundert. 395
den Katechismus zu verhören d. h. aufsagen zu lassen. so war es ihnen
in der Regel eben so fremd und unmöglich. für die Entwickelung der
Verstandeskräfte ihrer Schüler zu sorgen. Nicht einmal der Sprache
waren sie mächtig. Abgesehen davon, daß sie weder richtig schreiben
noch sprechen konnten, ja daß manche es für unnötig und überflüssig
hielten sich darin zu üben, kehrte die Mehrzahl, wenn sie auf Anfragen
des Predigers 2 oder 3 Sätze im Hochdeutschen herausgebracht
hatten, zu dem ihnen gewohnteren und geläufigeren Plattdeutsch zurück.
Wohl gab es seit dem 28. März 1761 bereits ein königliches
Reskript, wonach feste Schulen überall eingerichtet, der Wandeltisch
aufgehoben, die Lehrer vor der Anstellung von den Pröpsten geprüft
und das eigenmächtige Annehmen und Verabschieden der Lehrer seitens
der Gemeinden beseitigt werden sollten, aber solange die finanzielle Beihilfe
des Staates ausblieb und die Unterhaltung der Schule allein
den Gemeinden aufgebürdet ward, war es den Behörden auch bei dem
besten Willen, selbst in den Gebieten, die unmittelbar unter der Regierung
standen, meist immer unmöglich den traurigen Zustand zu ändern.
Und doch sah es in den adeligen Gütern, wo die Leibeigenschaft herrschte,
noch weit schlimmer aus. Die Kinder wurden nach dem Bericht des
Generalsuperintendenten Conradi (1743) weder im Schreiben noch im
Rechnen, sondern bloß im Buchstabieren, Lesen und im Buchstaben des
Katechismus unterrichtet; den Unterricht im Schreiben suchten die Gutsherren
zu hintertreiben, damit die Leibeigenen, wenn sie aus dem Gute
entwichen, keine Mittel hätten, sich den Ihrigen mitzuteilen oder wohl
gar dadurch andere anzulocken; das Rechnen sollten die Kinder nicht
lernen, damit sie nicht zu klug würden. 1)
Man muß sich diese Schulzustände auf dem platten Lande immer
vor Augen halten, wenn man die Bestrebungen der Geistlichkeit jener
Zeit richtig würdigen will. Ihre Bemühungen, die höhere Kirchensprache
auch in den Schulen zur Einführung zu bringen, stießen auf
unüberwindliche Schwierigkeiten und hatten für den eigentlichen
Katechismusunterricht die übelsten Folgen. Was sollte man von
Knechten, Handwerkern und vielfach zurückgekommenen Leuten für den
Religionsunterricht erwarten, die selbst weder die hochdeutsche noch
1) N. St. M. 2. 148. — Paulsen: Schulstatistik 19ff.