Full text : Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung.

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er  durch  Erbuntertänigkeit  so  lange  zurückgehalten  wurde,  einiger  positiven  Unterstützung
  zur  Erhöhung  seines  persönlichen  Wertes  noch  bedürfen.  Hierzu  zähle  ich

7.  die  Aufstellung  gesetzlicher  Mittel  zur  Vernichtung  der  Frohnen

8.  Damit  aber  alle  diese  Einrichtungen  ihren  Zweck,  die  innere  Entwickelung
des  Volkes,  vollständig  erreichen  und  Treue  und  Glauben,  Liebe  zum  Könige  und
Vaterlande  in  der  Tat  gedeihen,  so  muß  der  religiöse  Sinn  des  Volkes  neu  belebt
werden.  Vorschriften  und  Anordnungen  allein  können  dieses  nicht  bewirken.  Doch
liegt  es  der  Regierung  ob,  mit  Ernst  diese  wichtige  Angelegenheit  zu  beherzigen,
durch  Entfernung  unwürdiger  Geistlichen,  Abwehrung  leichtsinniger  und  unwissender
Kandidaten  und  Verbesserung  der  theologischen  Vorbereitungsanstalten  die  Würde
des  geistlichen  Standes  wieder  herzustellen,  auch  durch  eine  angemessene  Einrichtung
der  Pfarrabgaben  und  durch  Vorsorge  für  anständige  Feierlichkeit  des  äußeren
Gottesdienstes  die  Anhänglichkeit  an  die  kirchlichen  Anstalten  zu  befördern.

9.  Am  meisten  aber  hierbei,  wie  im  ganzen,  ist  von  der  Erziehung
  und  dem  Unterricht  der  Jugend  zu  erwarten.  Wird  durch  eine
auf  die  innere  Natur  des  Menschen  gegründete  Methode  jede  Geisteskraft  von  innen
heraus  entwickelt  und  jedes  edle  Lebensprinzip  angereizt  und  genährt,  alle  einseitige
Bildung  vermieden,  und  werden  die  bisher  oft  mit  seichter  Gleichgültigkeit  vernachlässigten
  Triebe,  auf  denen  die  Kraft  und  Würde  des  Menschen  beruht,  Liebe  zu
Gott,  König  und  Vaterland,  sorgfältig  gepflegt,  so  können  wir  hoffen,  ein
physisch  und  moralisch  kräftiges  Geschlecht  aufwachsen  und  eine  bessere  Zukunft  sich
eröffnen  zu  sehen!  —

Königsberg,  den  24.  November  1808.  Stein.

Nach  zwei  Jahren  trat  Hardenberg  sodann  an  seine  Stelle.  „Man
sagt  wohl,  er  habe  in  Steins  Geist  den  Staat  weiter  geleitet;  wie
sollte  er  aber,  der  vielgewandte  Diplomat  der  alten  Schule,  der  Meister
in  Finanzen  und  Verwaltung,  der  mit  Sinn  und  Wahl  genießende
Lebemann,  mit  jenem  herben,  energischen,  gedankenmächtigen,  dem  mit
Stolz  und  Zorn  deutschen  Mann  desselben  Weges  gehen?  Um  beide
breitete  sich,  so  berichten  die  ihnen  nahe  gestanden,  ein  eigentümlicher
Zauber;  um  Stein,  der  des  mächtigen  Charakters,  der  sittlichen  Hoheit
und  Schönheit,  der  mit  sich  reißenden  Gewalt  großer  Gedanken,  —  um
Hardenberg,  der  des  immer  bereiten  Wohlwollens,  der  Milde  und  Ruhe
seines  heiteren  Blickes,  der  Zuversicht  gewiß  bester  Leitung,  gewiß  möglichster
  Förderung.  Wohl  begegneten  sie  sich  mannigfach  in  ihren  Maßnahmen,
  aber  sie  stammten  bei  ihnen  aus  einer  völlig  verschiedenen  Auffassung
  menschlicher  Dinge,  ihrer  Grundlagen  und  Aufgaben.  Keineswegs
  trat  Hardenberg  dem  durch  Stein  geweckten  oder  vertretenen  Geist
in  Preußen  schroff  entgegen,  vielmehr  verhielt  er  sich  mit  demselben,
ließ  ihn  gewähren,  verwandte  ihn.  Und  es  konnte  scheinen,  als  wenn
der  behutsamere  Hardenberg  allein  den  preußischen  Namen  hindurchrettete,
den  Steins  rücksichtsloser  Ungestüm  vielleicht  in  unabwendbares  Verderben
gestürzt  hätte."“

Auch  Hardenberg  hatte  seine  Ideen,  wie  wir  gehört  haben,  in
einer  Denkschrift  niedergelegt  und  diese  seinerzeit  (September  1807)  von
Riga  aus  dem  Könige  gesandt.  In  dieser  Rigaer  Denkschrift  haben
wir  die  hauptsächlichsten  Grundsätze  zu  suchen,  nach  denen  Hardenberg