Full text : Lehrplan für die einfachen Volksschulen des Königreichs Sachsen vom 5. November 1878.

8  3.  Deutsche  Sprache  mit  Lesen  und  Schreiben.  77

„Schon  in  den  ersten  beiden  Schuljahren  ist  das  Wichtigste  aus  der
Laut-  und  Silbenlehre  einzuüben.  Alsdann  erstreckt  sich  der  Unterricht
in  der  Unterklasse  auf  die  Behandlung  des  ganz  einfachen  Satzes
und  der  am  leichtesten  verständlichen  Formen  der  Beifügung  und  Er—
gänzung,  wobei  vor  allem  mit  Rücksicht  auf  die  Regeln  der  Rechtschreibung
  das  Hauptwort  nach  Ein=  und  Mehrzahl,  das  Eigenschaftswort
  nach  den  verschiedenen  Steigerungsstufen,  das  Zeitwort  nach  dem
Personenverhältnis  in  den  drei  Hauptzeiten  zu  betrachten  und  zu  üben
ist.  Das  Einfachste  aus  der  Wortbildungslehre,  wie  z.  B.  die  Zusammensetzung
  des  Hauptwortes  und  die  Ableitung  der  Haupt=  und
Eigenschaftswörter  durch  die  leichteren  Ableitungssilben,  ist  rechtzeitig
und  mit  aller  Sorgfalt  zu  behandeln.  In  der  Oberklasse  ist  die
Wortbildungslehre  eingehender  zu  betreiben.  Außerdem  wird  behandelt
der  erweiterte  einfache  Satz,  die  Satzverbindung,  der  zusammengezogene
Satz  und  das  Leichteste.  aus  der  Lehre  von  den  Satzgefügen.  Der
Biegung  der  Begriffswörter,  der  Rektion  der  Verhältniswörter  und
dem  richtigen  Gebrauche  der  Bindewörter  ist  an  geeigneter  Stelle  gebührende
  Beachtung  zu  schenken.“  "

„Mittelpunkt  aller  grammatikalischen  Unterweisung  und  ÜUbung  ist
die  Satzlehre.  In  der  Unterklasse  wird  behandelt  der  ganz  einfache
Satz  und  die  einfachsten  Formen  der  Beifügung  und  Ergänzung  mit
den  einschlagenden  Wortarten,  das  Wichtigste  aus  der  Laut=  und
Silbenlehre,  sowie  von  der  Zusammensetzung  der  Hauptwörter.  In
der  Oberklasse  der  erweiterte  einfache  Satz,  die  Satzverbindung,  der
zsammengezogene  Satz,  das  Satzgefüge  mit  den  hier  auftretenden

ortarten,  die  Biegung  der  Begriffs=  und  Fürwörter,  das  Wichtigste
über  Ableitung  und  Zusammensetzung  der  Wörter  (Wortfamilien).“

„Die  ganze  Sprachlehre  baut  sich  im  Anschluß  an  die  Betrachtung
des  Satzes  auf.  Die  Unterklasse  geht  vom  einfachen  Satze  aus,  zerlegt
  ihn  in  seine  Teile,  knüpft  an  diese  das  Wichtigste  aus  der  Lehre
über  Haupt-,  Geschlechts-,  Eigenschafts-,  Für=  und  Zahlwort,  wie
über  Laute,  Silben=  und  Wortbildung  und  erweitert  den  einfachen  Satz
durch  die  leichtesten  Formen  der  Beifügung  und  Ergänzung.  In  der
Oberklasse  wird  die  Erweiterung  des  einfachen  Satzes  vervollständigt,
der  zusammengezogene  Satz,  die  Satzverbindung  und  das  Satzgefüge
mit  der  Interpunktionslehre  behandelt,  die  Wortlehre  vertieft,  namentlich
  durch  eingehendere  Besprechung  der  Verhältnis=  und  Bindewörter,
der  Deklination  und  Konjugation.“

Wangemann  (Meißen):  I.  Unterstufe.  1.  Schuljahr.  Sprachlicher
  Anschauungsunterricht,  und  zwar  mündliche  Einübung  der  einfachsten
  Sprachformen  des  einfachen  Satzes,  nachdem  stets  die  sachliche
Vorbereitung  so  weit  vorausgegangen  ist,  daß  das  Kind  mit  jedem
Worte  die  notwendige  Anschauung  verbindet.  Es  werden  demnach
zunächt  zum  Gegenstande  der  Anschauung  gemacht:  die  verschiedenen

ätigkeiten  in  der  Schule,  im  Hause,  im  Freien  2c.,  und  alsdann
wird  betrachtet  und  geübt,  wie  sich  die  sprachliche  Darstellung  beim
Ausdrucke  der  verschiedenen  Personen-,  Zahl=  und  Zeitverhältnisse  rc.
gestaltet.  2.  Schuljahr.  Mündliche  und  schriftliche  Ubung  der  Sprachformen
  des  einfachen  Satzes  mit  einfachen  Aussagen,  Ergänzungen,